Gorbatschow will als Fürsprecher Putins auftreten

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Michael Gorbatschow und Angela Merkel

Moskau/Berlin - Michail Gorbatschow - genannt „Gorbi“ - gilt als einer der Väter der deutschen Wiedervereinigung. 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer kommt er aber nicht nur zum Feiern nach Deutschland. Mit Kanzlern Merkel will er ein ernstes Wort reden.

Der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow (83) will bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin als Fürsprecher von Kremlchef Wladimir Putin auftreten. Er reise an diesem Wochenende zum 25. Jahrestag des Mauerfalls nach Deutschland, um sich in Krisenzeiten für die Interessen Russlands einzusetzen, sagte Gorbatschow am Donnerstag der Agentur Interfax. Merkel will Gorbatschow am Montag im Kanzleramt empfangen, wie eine Regierungssprecherin in Berlin bestätigte.

„Ich bin absolut überzeugt, dass Putin besser als alle anderen heute die Interessen Russlands schützt“, sagte der Ex-Sowjetpräsident. Wegen Putins umstrittener Politik im Ukraine-Konflikt hat der Westen Russland mit Sanktionen belegt, die der Wirtschaft des Landes zunehmend zusetzen.

Russland sei nach dem Ende des Kalten Kriegs ein neues Verhältnis auch zu den USA eingegangen, betonte Gorbatschow. „Alles wäre gut, aber nicht allen in den USA gefällt das“, meinte er. Der Politiker warf Washington vor, sich weiter in innere Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen. „Ob es schlecht oder gut ist, ist ihnen egal. Wichtig ist ihnen nur, dass sie sich reinhängen.“ Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt hatte Gorbatschow zuletzt immer wieder Kritik am Westen geäußert und die USA als „Seuche der Welt“ bezeichnet.

In der Vergangenheit hatte sich Gorbatschow stets als scharfer Kritiker Putins hervorgetan und immer wieder demokratische Rückschritte in Russland beklagt. Er sehe weiterhin viele Kritikpunkte in der Politik Putins, sagte er nun. „Aber ich werde mich nicht daran klammern“, fügte er hinzu.

Der letzte Staatschef der Sowjetunion gilt als einer der Väter der deutschen Wiedervereinigung. Er erinnere sich mit Stolz an den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren, sagte er in einem von seiner Stiftung veröffentlichen Redemanuskript zum Jubiläum. Es habe damals zwei Helden gegeben: das deutsche Volk, das wieder vereint sein wollte, und „unser Volk“.

Es sei 1989 eine Entscheidung der obersten sowjetischen Führung gewesen, den Weg der Vereinigung zuzulassen. „Ich kann stolz sein darauf, was wir das getan haben“, sagte er. Vor allem seine Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) in der Sowjetunion habe bei diesem „schwierigen Prozess“ der deutschen Vereinigung geholfen.

Gorbatschow ging auch auf den ihm zugeschriebenen Satz „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“ ein. Die Deutschen hätten seine Aussage etwas abgewandelt, meinte er. Bei den Gesprächen in der DDR habe er auf die Erfolge seiner Politik hingewiesen. Der Originalsatz lautete demnach: „Die einen liefen bei uns mit der Zeit, die anderen blieben zurück. Und den, der zurückbleibt, bestraft die Geschichte.“

Die Senioren-Union der CDU ehrt ihn am 10. November mit einer Medaille für seine Verdienste um Versöhnung und Verständigung.

dpa

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