Menschen setzen sich auf die Gleise

Flüchtlinge protestieren in Idomeni: "Öffnet die Grenze"

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Ein Flüchtlingskind weint in Idomeni im Flüchtlingslager an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien im strömenden Regen. Nachdem die Balkanroute geschlossen wurde, leben in diesem Lager rund 12.500 Flüchtlinge.

Idomeni - Im griechischen Grenzort Idomeni haben hunderte Flüchtlinge gegen die Schließung der Grenzen protestiert. Vor allem Syrer und Iraker setzten sich am Samstag auf die Bahngleise und riefen "Öffnet die Grenze".

Ein Syrer trat sogar in den Hungerstreik. Der chinesische Künstler Ai Weiwei veranstaltete ein Klavierkonzert in dem Flüchtlingslager. Die griechische Regierung versprach eine Verbesserung der Lage bis zum kommenden Wochenende.

Im Zuge der Schließung der Balkanroute war vor einer Woche auch der Grenzübergang in Idomeni geschlossen worden. Seither sitzen dort rund 14.000 Flüchtlinge unter schlimmsten Bedingungen fest. Der deutsche Ex-Minister Norbert Blüm hat eine Nacht im Flüchtlingscamp in Idomeni verbracht.

Der 44-jährige Nasim Serhan, der mit drei Kindern unterwegs ist, trat in den Hungerstreik, weil er zu seiner krebskranken Frau und dem vierten Kind will, die sich nach seinen Angaben in Deutschland aufhalten. "Ich möchte sie sehen, nur für einen Tag", sagte Serhan.

Platz für 50.000 Menschen schaffen

Ai Weiwei, der schon mehrfach mit Kunstaktionen auf die Notlage der Flüchtlinge aufmerksam gemacht hat, brachte am Samstag einen weißen Flügel nach Idomeni. Mitten im Schlamm gab die 24-jährige Syrerin Nur Alchsam darauf ein Konzert, während Ai Weiwei und andere Helfer sie und das Klavier mit einer Plastikplane vor dem strömenden Regen schützten.

Alchsam, die zu ihrem Mann nach Deutschland will, habe wegen des Bürgerkriegs in Syrien seit drei Jahren nicht mehr Klavier gespielt, sagte Ai Weiwei. Mit der Aktion wolle er der Welt zeigen, "dass Kunst den Krieg überwinden wird".

Der griechische Vize-Verteidigungsminister Dimitris Vitsas sagte, er hoffe, dass sich die Lage in Idomeni binnen einer Woche verbessern werde, ohne dass ein "Einsatz von Gewalt" nötig sei. Die Regierung versuche, die festsitzenden Flüchtlinge davon zu überzeugen, sich in Aufnahmezentren bringen zu lassen, sagte Vitsas dem Fernsehsender Mega. Bis zum Ende kommender Woche sollten dort Plätze für 50.000 Menschen geschaffen werden.

Nach der Schließung der Balkanroute, auf der die Flüchtlinge über Monate in die nordeuropäischen Länder gelangt waren, stranden die Zuflucht suchenden Menschen nun in Griechenland. Schätzungen zufolge halten sich derzeit rund 42.000 Flüchtlinge dort auf. Die meisten von ihnen kommen über die Türkei.

EU-Staaten arbeiten an beschleunigten Auswahlverfahren

Derzeit verhandelt die EU mit der Türkei über ein Rücknahmeangebot aus Ankara. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte angeboten, Flüchtlinge aus Griechenland zurückzunehmen. Im Gegenzug verlangt Ankara sechs Milliarden Euro, Visa-Erleichterungen und beschleunigte Beitrittsverhandlungen mit Brüssel. Das höchst umstrittene Angebot ist Thema des EU-Gipfels am Donnerstag und Freitag.

Laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" arbeiten die EU-Staaten bereits an einem beschleunigten Auswahlverfahren, um schnell große Flüchtlingskontingente aus der Türkei aufnehmen zu können. Eine Auswahl durch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR werde nicht in Betracht gezogen, da es zu lange dauere, berichtete die Zeitung unter Berufung auf EU-Verhandlungskreise.

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz forderte unterdessen weitere Grenzschließungen in Europa, um nach der Schließung der Balkanroute ein Ausweichen der Flüchtlinge auf andere Routen zu verhindern. Auch die Italien-Mittelmeer-Route müsse gesichert werden, sagte Kurz der "Bild am Sonntag".

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