Im Nordirak

USA fliegen zweiten Angriff gegen IS-Kämpfer

Washington/Erbil - Kurden, Iraker und die USA verstärken ihre Angriffe auf Kämpfer der IS-Terrormiliz. Ein Ende der Attacken halten sich die Vereinigten Staaten hoffen. Das Weiße Haus nimmt aber erneut die irakischen Politiker in die Verantwortung.

Die USA haben ihre Luftangriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Nordirak ausgeweitet. Drohnen und vier F-18-Kampfjets flogen am Freitag nach Angaben des Washingtoner Verteidigungsministeriums eine zweite Angriffswelle auf Stellungen der Extremisten nahe der Stadt Erbil. Eine unbekannte Anzahl von Kämpfern sei getötet worden, sagte Pentagonsprecher John Kirby.

US-Kampfflugzeuge hatten bereits zuvor IS-Stellungen bombardiert. Auch die irakische Luftwaffe und kurdische Einheiten griffen die Dschihadisten an. US-Vizepräsident Joe Biden pochte in einem Telefonat mit dem irakischen Präsidenten Fuad Massum auf einen Versöhnungsprozess in dem Land.

Rund 24 Stunden, nachdem Präsident Barack Obama die Angriffe autorisiert hatte, war unklar, wie lange die Einsätze dauern könnten. Regierungssprecher Josh Earnest sagte lediglich, auch weitere Militärschläge würden „sehr begrenzt“ ausfallen. Obama habe keinen Zeitpunkt für ein Ende der Angriffe festgelegt. Der Sprecher bekräftigte, der Einsatz von US-Bodentruppen werde kategorisch ausgeschlossen. Earnest fügte hinzu, die USA stimmten ihre Angriffe auch mit den Nato-Mitgliedern ab. Fragen über eine mögliche Beteiligung des Bündnisses wich er aus. Wenn es konkrete Wünsche gebe, werde man an die Mitglieder herantreten.

Der einflussreiche US-Senator und Republikaner John McCain sprach von einem halbherzigen Vorgehen der US-Regierung. Er forderte weitaus entschlossenere Schritte. Die IS-Gruppe habe eine Expansion zum Ziel „und muss gestoppt werden“, meinte der frühere Präsidentschaftsbewerber.

Ziel der US-Angriffe ist es, eigene Landsleute im Irak zu schützen sowie den Vormarsch der äußerst brutalen sunnitischen IS-Extremisten und die Verfolgung christlicher und anderer Minderheiten zu stoppen. Hunderttausende sind im Nordirak auf der Flucht.

In Deutschland riefen Mitglieder der Glaubensgemeinschaft der Jesiden erneut zu Demonstrationen gegen die IS-Gräueltaten auf. Zu einer Protestaktion am Samstag in Bielefeld wurden bis zu 10 000 Teilnehmer erwartet.

Militärexperten in Washington rechnen am Wochenende mit weiteren US-Luftangriffen. Auch die Abwürfe von Nahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten etwa für die bedrohten Jesiden dürften fortgesetzt werden, berichtete der TV-Sender CNN.

„Wir sind bereit zu tun, was der Präsident genehmigt hat“, sagte Kirby. Die Militärs würden „wann und wenn nötig“ weitere Einsätze fliegen - möglicherweise auch in der Umgebung Bagdads.

Angesichts der Luftangriffe verboten die Behörden den US-Fluggesellschaften, den Irak zu überfliegen. Die Lufthansa will Erbil zunächst bis zum 11. August nicht mehr anfliegen.

Die Führung der kurdischen Autonomieregion bestätigte derweil die Eroberung des strategisch wichtigen Mossul-Staudamms durch IS-Kämpfer. Der Stabschef im Präsidialamt, Fuad Hussein, sagte nach Angaben des kurdischen Nachrichtenportals „Basnews“, der größte Staudamm des Landes befinde sich in den Händen der Dschihadisten. Die Talsperre liegt rund 40 Kilometer nordwestlich Mossuls.

Biden betonte in seinem Telefonat mit Massum die Notwendigkeit einer raschen Regierungsbildung. Es komme darauf an, Schiiten, Sunniten und Kurden im Irak zu versöhnen, teilte das Weiße Haus mit. Die Regierungsbildung in Bagdad ist seit Wochen überfällig und wurde wegen interner Streitigkeiten immer wieder hinausgeschoben. Die USA betonen, letztlich gebe es keine militärische, sondern nur eine politische Lösung im Land.

Frankreich begrüßte das Eingreifen der USA. Frankreich sei bereit seinen Teil beizutragen, um gemeinsam mit den USA und anderen Partnern dem Leiden der Zivilbevölkerung ein Ende zu bereiten. Mögliche Maßnahmen würden geprüft, hieß es in einer Mitteilung des Élyséepalastes. Die Bundesregierung stellte vorerst 2,9 Millionen Euro für die Bewältigung des Flüchtlingsdramas zur Verfügung.

Nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite „Rudaw“ waren 50 000 Jesiden nach ihrer Flucht vor den Dschihadisten tagelang im Sindschar-Gebirge eingeschlossen. Mindestens 70 Menschen seien an Unterversorgung gestorben. Viele würden sich inzwischen von Blättern ernähren, berichten Augenzeugen. Einem Bericht des kurdischen Nachrichtenportals „Basnews“ zufolge konnten kurdische Soldaten inzwischen eine große Zahl der Flüchtlinge in Sicherheit bringen.

dpa

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