Vor Prozessbeginn

Ehemaliger deutscher IS-Kämpfer packt aus

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Der Prozess gegen zwei ehemalige IS-Kämpfer beginnt am 3. August vor dem Oberlandesgericht Celle. Beide sollen über eine Moschee in Wolfsburg in Kontakt mit der Terrormiliz gekommen sein. 

Hannover - Viele Frauen und teure Autos wurden ihnen versprochen: Das berichtet ein ehemaliger IS-Kämpfer, der aus Wolfsburg in den Dschihad nach Syrien zog. Er hielt es nur wenige Monate aus. Jetzt packt er aus.

Ein angeklagter ehemaliger IS-Kämpfer aus Wolfsburg hat schon vor Prozessauftakt grausame Details aus seiner Zeit im Kriegsgebiet geschildert.

"Gefängnis in Deutschland ist mir viel lieber als Freiheit in Syrien. Dann können Sie sich schon vorstellen, wie schrecklich das war", sagte Ebrahim H.B. den Sendern NDR und WDR sowie der Süddeutschen Zeitung.

Er berichtete, ihm sei die Leiche eines potenziellen Verräters der Terrormiliz Islamischer Staat mit abgehackten Kopf gezeigt worden, um ihn davor zu warnen, abtrünnig zu werden. "Wenn Du dahin gehst, Du bist entweder tot oder tot", sagte er.

Bereit, als Selbstmordattentäter zu sterben

Der 26-jährige Massagetherapeut soll laut Anklage der Bundesanwaltschaft bereit gewesen sein, für den IS als Selbstmordattentäter zu sterben. Ein geplanter Anschlag in Bagdad sei aber nicht umgesetzt worden, weil einige Gruppenmitglieder vorher festgenommen wurden, heißt es in der Anklageschrift.

Der Prozess gegen den 26-Jährigen und seinen Freund Ayoub B. beginnt am 3. August vor dem Oberlandesgericht Celle. Beiden Männern drohen langjährige Haftstrafen. Auch Ayoub B. soll sich als Kämpfer dem IS zur Verfügung gestellt haben. Beide Männer sollen außerdem an der Rekrutierung neuer Mitglieder beteiligt gewesen sein, heißt es in der Anklage der Bundesanwaltschaft.

Die beiden Männer reisten im Sommer 2014 über die Türkei nach Syrien. In Kontakt mit der Terrororganisation sollen sie über eine Moschee in Wolfsburg gekommen sein. Beide flohen nach einigen Monaten wieder zurück nach Deutschland, wo sie später festgenommen und im Frühjahr dann angeklagt wurden.

Rekruten werden viele Autos und Frauen versprochen

Ebrahim H.B. schilderte, wie ihm in einem Auffanglager für ausländische Kämpfer als erstes Handy, Pass und persönliche Dinge abgenommen wurden. Der 26-Jährige berichtete im ARD-Magazin "Panorama", er und andere junge Leute aus Wolfsburg seien unter anderem mit dem Versprechen, viele Frauen und teure Autos haben zu können, nach Syrien gelockt worden.

Ebrahim B. soll zu einer Gruppe von mindestens 20 jungen Männern aus Wolfsburg gehören, die sich seit 2013 der Terrororganisation "Islamischer Staat" anschlossen. Mindestens sieben sollen gestorben sein. Der Prozess im August ist der erste dieser Art in Niedersachsen.

Zu seinen Motiven, über den IS auszupacken, sagt Ebrahim H.B.: "Ich hab das Bedürfnis, vieles zu erklären." Nur wenige Rückkehrer seien bereit zu reden. "Wer gibt schon gerne zu, dass er verarscht worden ist."

Anklage gegen Wolfsburger IS-Kämpfer

dpa

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