Wie geht's weiter mit dem Öl?

Demenz-Gerüchte um neuen saudischen König

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Wie krank ist Salman bin Abdulaziz Al-Saud?

Riad - Nach langer Krankheit stirbt der saudische Regent Abdullah. Sein Nachfolger will die bisherige Politik fortsetzen. Sorgen bereitet jedoch Salmans Gesundheitszustand.

Nach dem Tod des saudischen Königs Abdullah ist die Macht in dem konservativen Golf-Königreich reibungslos an seinen Halbbruder Salman übergegangen. Beobachter erwarten, dass der neue Regent (79) den Kurs seines Vorgängers (91) fortsetzt. „Wir werden an der rechtschaffenen Politik festhalten, die Saudi-Arabien seit der Gründung durch König Abdelasis verfolgt hat“, erklärte Salman am Freitag in seiner ersten TV-Ansprache nach dem Machtwechsel.

Hunderte Menschen sprachen am Mittag in der Turk-bin-Abdullah-Moschee in der Hauptstadt Riad das Totengebet für den verstorbenen König Abdullah. Begleitet von einer Menschenmenge wurde der verhüllte Leichnam zu Grabe getragen. Anschließend sollte dem neuen König Salman der Treueschwur geleistet werden.

Salmans Fernsehansprache nährte jedoch Zweifel an seinem Gesundheitszustand. Der neue Regent sprach kurzatmig und war nur schwer zu verstehen. Seit langem gibt es Gerüchte, dass er an Demenz leidet.

Kronprinz Mukrin als neuer starker Mann

Beobachter bezweifeln daher, dass Salman die Fäden wirklich in der Hand halten kann. Als neuer starker Mann in Saudi-Arabien gilt deshalb der zum Kronprinzen ernannte Mukrin (69), wie Salman ein Sohn des Staatsgründers. Zum Vize-Kronprinzen ernannte der Königshof Prinz Mohammed bin Naif (55). Dieser wäre im Falle einer Machtübernahme der erste Vertreter aus der Enkelgeneration des Staatsgründers, der auf den Thron käme. Salmans Sohn Mohammed wurde zum Verteidigungsminister ernannt.

Der Thronwechsel kommt in einer für Saudi-Arabien sehr schwierigen Zeit. Der Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak bis an die Grenzen des Königreichs und der Staatszerfall im benachbarten Jemen haben das Herrscherhaus alarmiert. Saudi-Arabien ist immer wieder selbst Ziel von Terroranschlägen.

Nach König Abdullahs Tod: Ölpreise steigen leicht

Der Tod von Saudi-Arabiens König Abdullah hat auch Folgen auf dem hochsensiblen internationalen Ölmarkt. Die zuletzt stark gefallenen Ölpreise stiegen am Freitag leicht: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostete am Vormittag 49,68 US-Dollar und damit 1,16 Dollar mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 1,01 Dollar auf 47,32 Dollar zu.

Der Tod des Regenten erhöht aus Sicht von Experten die Unsicherheit über die künftige Ausrichtung des Ölkartells Opec. Das aus zwölf Ländern bestehende Förderkartell hat in den vergangenen Monaten - angeführt durch das besonders einflussreiche Gründungsmitglied Saudi-Arabien - seine Strategie geändert. Anstatt wie bisher mit Hilfe einer Drosselung oder Erhöhung der Fördermenge auf Preisveränderungen zu reagieren, hat sich die Opec auf einen Preiskampf eingelassen, um ihre Marktanteile zu verteidigen.

Eine Bedrohung sieht das Kartell vor allem in der stark gestiegenen Ölförderung in den USA. Der dortige Schieferöl-Boom, der durch die umstrittene Fracking-Technik angetrieben wird, hat die Produktion von Rohöl auf den höchsten Stand seit den 1980er Jahren steigen lassen. Der Preiskampf der Opec zeigt aber schon Wirkung: In den vergangenen Wochen sind zahlreiche amerikanische Bohrlöcher geschlossen worden. Zudem beginnen große Öldienstleister damit, ihr Personal abzubauen.

IEA erwartet keine Auswirkungen auf Ölmarkt

Der Tod von Saudi-Arabiens König Abdallah hat nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) keine entscheidenden Auswirkungen auf den internationalen Ölmarkt. "Ich erwarte keine bedeutende Änderung in der Ölpolitik Saudi-Arabiens", sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol am Freitag am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos der Nachrichtenagentur AFP. Er hoffe, dass das Königreich weiterhin zur Stabilität auf dem Ölmarkt beitrage, "gerade in diesen schwierigen Tagen". König Abdallah starb in der Nacht zum Freitag, zu seinem Nachfolger wurde Kronprinz Salman ernannt.

Saudi-Arabien ist der größte Ölproduzent innerhalb der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC). Zum größten Produzenten der Welt sind die USA aufgestiegen wegen der Gewinnung von Öl aus lange unerreichbaren Erdschichten mittels Fracking. Riad weigert sich, wegen des plötzlichen Überangebots seine Produktion zu drosseln, und ist damit mitverantwortlich für den derzeitigen Preisverfall. Die Ölpreise haben sich seit Juni wegen des hohen Angebots und gleichzeitig sinkender Nachfrage mehr als halbiert. Der Kurs Saudi-Arabiens stößt bei einigen anderen Mitgliedern der OPEC auf Kritik.

dpa/afp

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