Mitgliederschwund und Überalterung

Junge Leute, Frauen, Migranten: CDU will attraktiver werden

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CDU-Generalsekretär Peter Tauber will die Partei weiter öffnen. 

Berlin - Auch die Partei von Kanzlerin Merkel kämpft gegen Mitgliederschwund und Überalterung. Ein Reformkonzept soll die CDU nun attraktiver machen. Ob das gelingt, ist offen.

Die CDU will sich mit einem Bündel von Neuerungen stärker für Frauen, junge Menschen und Einwanderer öffnen. „Wir haben viel erreicht für Deutschland als Christlich Demokratische Union. Aber: Wir haben auch viele Aufgaben vor uns“, sagte Parteichefin Angela Merkel am Samstag beim ersten Tag der offenen Tür in der CDU-Zentrale in Berlin. Wichtiges Ziel der Parteireform 70 Jahre nach Gründung der CDU sei es, in fünf Jahren 30 Prozent weibliche Mitglieder und 30 Prozent Frauen in Führungspositionen zu haben.

„Was ich gestern gelernt hat: Wir haben mehr evangelische CDU-Mitglieder als Frauen als CDU-Mitglieder“, sagte Merkel launig. „Ob das nun gut oder schlecht ist, weiß ich nicht. Aber es ist jedenfalls bei den Frauen noch steigerungsfähig.“ Bisher ist nur gut ein Viertel der CDU-Mitglieder weiblich.

Die CDU kämpft wie alle anderen Parteien gegen Mitgliederschwund und angesichts der demografischen Entwicklung gegen eine Überalterung der Mitglieder. Die CDU liegt mit derzeit etwa 452 700 Mitgliedern knapp vor der SPD mit 451 500 Mitgliedern. Der Altersdurchschnitt liegt bei 59 Jahren.

Die Kommission zur Parteireform um Generalsekretär Peter Tauber verabschiedete das Modernisierungskonzept am Samstag einstimmig. Darin heißt es, die CDU strebe „eine Mitgliederstruktur an, die die Vielfalt der Gesellschaft abbildet“. Das Konzept mit dem Titel „Meine CDU 2017. Die Volkspartei.“ soll am 13. Juli vom Parteivorstand beschlossen werden. Endgültig entscheiden wird der Bundesparteitag in Karlsruhe im Dezember.

Künftig sollen sich spezielle Mitgliederbeauftragte um die Anwerbung und die Anliegen von Parteimitgliedern kümmern. Die Mitglieder erhalten mehr Mitwirkungsrechte. Von 2017 an sollen sie demnach direkt Anträge an den Bundesparteitag stellen können, wenn sie dafür mindestens 500 Unterstützer finden. Auch die Bürokratie will die Partei entschlacken - Entscheidungen über Aufnahmeanträge sollen künftig doppelt so schnell gehen wie bisher.

Zum 70. CDU-Geburtstag stand das Konrad-Adenauer-Haus, die Bundeszentrale der Partei, am Samstag erstmals den Bürgern offen. Ein gemischtes Publikum aus jüngeren und älteren Menschen informierte sich bei Führungen und in Gesprächsrunden über die Partei und deren Arbeit. Die Partei zählte mehr als 1000 Besucher.

Beim Auftritt Merkels protestierten etwa zehn griechische Aktivisten gegen die Sparauflagen für Athen. Viele Griechen machen die Kanzlerin für schmerzhafte Einschnitte verantwortlich. Die Demonstranten trugen kleine Plakate mit der Aufschrift „Oxi“ - das heißt Nein auf griechisch - und skandierten lautstark „Oxi, Oxi“. Kurz darauf wurden sie von Ordnern aus dem Haus geleitet. Die Polizei musste nicht einschreiten. Merkel reagierte gelassen und sagte: „Damit die Sache mal wieder ausgeglichen ist, sagen wir mal: „Nai“ - das heißt nämlich „Ja“ auf griechisch.“

Die CDU war 1945 nicht zentral, sondern in verschiedenen Städten gegründet worden. Der Gründungsaufruf in Berlin vom 26. Juni 1945 ist der bekannteste - die CDU wählte dieses Datum als offiziellen Geburtstag.

dpa

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