Nach turbulentem Parteitag

AfD-Chefin Petry: 20 Prozent Mitgliederschwund nicht schlimm

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Frauke Petry, die neugewählte Sprecherin des Bundesvorstands der AfD, informiert in der AfD-Parteizentrale in Berlin über den "zukünftigen Fahrplan der Partei". 

Berlin - Die Mitglieder verlassen die AfD in Scharen. Doch Parteichefin Petry sagt: Kein Problem, der Schwund war schon eingepreist.

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat seit der Wahl ihres neuen Vorstands knapp zehn Prozent ihrer 21.000 Mitglieder verloren. Weitere Austritte in den nächsten Tagen seien zu erwarten, teilte die neue AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry am Freitag in Berlin mit. Sie sagte: „Wir haben von Anfang an damit gerechnet, dass wir 20 Prozent der Mitglieder verlieren könnten.“ Der Parteitag am vergangenen Wochenende in Essen sei trotz des Mitgliederschwunds „ein Befreiungsschlag“ gewesen. Dieser Schwund werde vermutlich in den nächsten Monaten durch die Aufnahme neuer Mitglieder ausgeglichen werden können.

Petry trat erneut der Darstellung entgegen, die Partei sei mit der in Essen gewählten neuen Führungsmannschaft stärker nach rechts gerückt. Auf die Frage, ob sie für alle Angehörigen des neuen Bundesvorstandes ihre Hand ins Feuer legen würde, sagte sie: „Der Bundesvorstand wird sich als Team noch zusammenraufen müssen.“ An den politischen Leitlinien der Partei von 2013 habe sich aber nichts geändert.

Lediglich in der Frage, wie sich die Europäische Union entwickeln solle, habe der neue Vorstand etwas andere Vorstellungen als die alte Parteiführung. Die AfD sei in Sachen EU-Reform näher an der britischen Regierung als an der Bundesregierung. Zu den Spekulationen über die Neugründung einer Partei durch den ausgetretenen AfD-Gründer Bernd Lucke und andere Mitglieder des Vereins „Weckruf 2015“ sagte sie, dann „sind wir das Original und die Weckruf-Partei ist die Kopie“.

Lucke und seine Mitstreiter haben noch nicht entschieden, ob sie eine neue Partei gründen wollen. Lucke sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Sollte es dazu kommen, dann hätten wir schon einige Zusagen, um zum Beispiel Wahlkämpfe in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu finanzieren.“ Die Stimmung unter den ausgeschiedenen AfD-Mitgliedern sei hervorragend. „Das hätte ich gar nicht erwartet“, sagte Lucke. Er persönlich sei bedrückt über die fremdenfeindlichen Töne, die von der AfD inzwischen angeschlagen würden, fügte er hinzu. Und: „Ich fühle mich schon ein bisschen verantwortlich für das, was ich in Gang gesetzt habe, aber ich habe zumindest bis zuletzt versucht, dagegen anzukämpfen.“

Auf dem Mitgliederparteitag hatte Petry rund 60 Prozent der Stimmen erhalten und damit ihren liberal-konservativen Rivalen Lucke aus dem Feld geschlagen. Unter den AfD-Mitgliedern, die seither ihren Austritt angekündigt oder schon vollzogen haben, sind mehrere Landtags-, Stadtrats- und Kreistagsabgeordnete sowie fünf Abgeordnete des Europäischen Parlaments. Sie alle wollen zunächst als Parteilose weitermachen. Nach seiner Austrittsankündigung sagte etwa der bisherige Vorsitzende der Saarbrücker Stadtratsfraktion, Sven Wagner, der Deutschen Presse-Agentur: „Es kommt für mich nicht infrage, aus dem Stadtrat auszuscheiden, denn dann würden aus der AfD womöglich ganz schreckliche Leute nachrücken.“

In Schleswig-Holstein schieden am Freitag die Landesvorsitzende Ulrike Trebesius und Generalsekretär Jürgen Joost aus. In Thüringen verließen mit Jens Krumpe und Oskar Helmerich zwei weitere Mitglieder die ursprünglich elfköpfige Landtagsfraktion der Partei, die nun noch acht Mitglieder zählt. In Hamburg legten AfD-Landeschef Jörn Kruse und zwei weitere Vorstandsmitglieder aus Protest gegen den „Rechtsruck“ ihre Parteiämter nieder. Sie wollen die Partei jedoch nicht verlassen.

dpa

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