Uno legt Zahlen vor

Griechenland: 21000 Flüchtlinge in einer Woche

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Flüchtlinge stehen auf der Insel Kos in einer Schlange.

ATHEN - Der Flüchtlingsstrom nach Europa reißt nicht ab: In Griechenland kommen über 20000 Menschen in nur einer Woche an. Im Juli kamen mehr als im gesamten letzten Jahr.

Drastische Zunahme des Flüchtlingsandrangs in Griechenland: Fast 21.000 Flüchtlinge seien in der vergangenen Woche über das Meer in das EU-Land gekommen, sagte ein Sprecher des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) am Dienstag.

Allein im Juli seien auf den griechischen Inseln vor der türkischen Küste mehr Flüchtlinge als im ganzen vergangenen Jahr eingetroffen. Seit Jahresbeginn hätten die Behörden 158.456 Flüchtlinge registriert.

Insgesamt seien in der Zeit zwischen dem 8. und dem 14. August 20.843 Migranten gezählt worden, sagte der UNHCR-Sprecher William Spindler in Genf. Im Juli seien es 50.242 gewesen und damit mehr als im gesamten Jahr 2014, als die Zahl bei 43.500 gelegen habe. Mehr als 80 Prozent der Flüchtlinge stammte demnach aus Syrien, 14 Prozent waren Afghanen und drei Prozent Iraker.

Zwei Millionen Syrer in der Türkei

Die allermeisten Neuankömmlinge dürften als Flüchtlinge anerkannt werden, sagte Spindler. Die türkische Regierung teilte ihrerseits am Montagabend mit, innerhalb eines Monats seien mehr als 18.000 Flüchtlinge in der Ägäis gerettet worden. Zwischen dem 17. Juli und dem 17. August seien es insgesamt 18.296 Flüchtlinge gewesen; allein in der Woche vom 10. bis zum 17. August waren es demnach knapp 5300 Menschen. Seit Jahresbeginn liegt die Zahl bei 36.511 und damit höher als im gesamten vergangenen Jahr. Die Türkei bietet fast zwei Millionen syrischen Flüchtlingen und rund 225.000 Irakern Zuflucht.

Trotz der günstig erscheinenden Jahreszeit sei die Überfahrt in kleinen Booten lebensgefährlich, warnte die Regierung. Am Dienstag ertranken fünf Flüchtlinge, als ihr überladenes Boot auf dem Weg von Bodrum auf die griechische Insel Kos kenterte. 24 Insassen seien von der Küstenwache gerettet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu.

Insel Kos: Behörden völlig überfordert

Bis vor kurzem versuchten die meisten Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, über Libyen und Tunesien nach Italien zu gelangen, doch wegen der logistischen Schwierigkeiten und Gefahren auf dieser Route verlagerte sich der Flüchtlingsstrom zuletzt nach Griechenland. Von der türkischen Küste sind es nur wenige Kilometer bis zu den griechischen Inseln Kos, Lesbos, Samos und Chios. Die Behörden auf den Inseln sind aber auf den Andrang nicht vorbereitet und daher völlig überfordert.

Viele Flüchtlinge leben oft wochenlang an den Stränden und auf den Straßen, bevor sie schließlich registriert werden und nach Athen weiterreisen können. Spindler sagte, das UNHCR habe seit Monaten vor einer Zuspitzung der Situation auf den griechischen Ägäis-Inseln gewarnt.

Die Infrastruktur für die Unterbringung und Registrierung der Flüchtlinge auf den Inseln und dem Festland müsse dringend verbessert werden, mahnte der UNHCR-Sprecher. Griechenland hat in der Krise die Europäische Union um Hilfe gebeten. Spindler stimmte zu, dass Europa helfen müsse, forderte Athen aber auf, mehr Führungsstärke zu beweisen. Es brauche nicht eine Lösung für einzelne Inseln, sondern für die gesamte Region, sagte der Sprecher. Die meisten Flüchtlinge bleiben nicht in Griechenland, sondern reisen über den Balkan weiter nach Mittel- und Nordeuropa, wo sie sich bessere Arbeits- und Lebenschancen erhoffen.

AFP

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