Mit voller Wucht Pazifikstaat getroffen

Zyklon Pam richtet verheerende Zerstörungen an

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Zyklon Pam ganz erreichte Sturmböen mit mehr als 300 Kilometern in der Stunde.

Sydney - Die Wucht von Zyklon „Pam“ hat Behörden und Nothelfer überrascht. Schon in der Hauptstadt Vanuatus ist die Zerstörung verheerend. Wie sieht es dann erst auf den abgelegenen Inseln aus?

Einer der gewaltigsten je gemessenen Zyklone hat im Inselstaat Vanuatu im Südpazifik verheerende Verwüstungen angerichtet. Zyklon „Pam“ riss in der Nacht zu Samstag allein in der Hauptstadt Port Vila tausende Häuser fort, entwurzelte unzählige Bäume und knickte Strommasten wie Strohhalme um, wie Nothelfer aus der Hauptstadt Port Vila berichteten. Mindestens 100.000 Menschen lebten nach UN-Angaben in der Schneise des Sturms. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef fürchtet, dass Zyklon „Pam“ die schlimmste Unwetterkatastrophe sein könnte, die diese Pazifik-Region je getroffen hat.

„Ein Bild absoluter Verwüstung“, berichtete Chloe Morrison vom Hilfwerk World Vision der Nachrichtenagentur dpa aus Port Vila. "Wir haben Tote gesehen, möglicherweise gibt es viele Tote, aber das können wir noch nicht sagen", erklärte UN-Büroleiter Sune Gudnitz. Es gebe Berichte über "ausgedehnte Zerstörungen", Trümmer auf den Straßen und großflächige Überschwemmungen. "Eine Katastrophe dieses Ausmaßes gab es in der jüngeren Geschichte Vanuatus nicht."

"Menschen irren auf den Straßen umher auf der Suche nach Hilfe"

Rotkreuz-Regionalchefin Aurelia Balpe berichtete von unbestätigten Angaben über Opfer in der Hauptstadt Port Vila. Größere Sorgen bereiteten allerdings die entlegeneren Inseln weiter südlich, wo mehr als 33.000 Menschen leben und das Kommunikationsnetz zusammenbrach. "Wir machen uns langsam ein Bild von Port Vila, aber es gibt keine Informationen aus dem Süden."

Save the Children-Mitarbeiter Tom Skirrow berichtete aus Port Vila von "völliger Zerstörung - Häuser sind zerstört, Bäume entwurzelt, Straßen blockiert und Menschen irren auf den Straßen umher auf der Suche nach Hilfe". Das Ausmaß werde erst in einigen Tagen klar sein.

Charlie Damon von Care International berichtete von überschwemmten Notunterkünften. "Wenn dies das Ausmaß für Gemeinden mit Notunterkünften ist, sind wir zutiefst besorgt darüber, was in abgelegeneren Gemeinden ohne solche Einrichtungen passiert ist."

Unicef-Sprecherin Alice Clements sprach im Sender Radio New Zealand von "15 bis 30 Minuten absoluten Schreckens". Unicef-Neuseeland-Chefin Vivien Maidaborn erklärte, es handele sich möglicherweise um die bislang größte Unwetterkatastrophe in der Pazifikregion. Es sei zu befürchten, dass tausende Menschen betroffen seien. In ihrem Hotel sei die Schiebetür ihres Zimmers "komplett weggeblasen" worden - "es war erschreckend".

Auf den Zyklon folgten auch noch verheerenden Regenfälle

Mindestens ein Viertel der 44.000 Einwohner dürften obdachlos sein. Die Vereinten Nationen zitierten unbestätigte Berichte, in denen von 44 Todesopfern die Rede ist. Unzählige Häuser und Regierungsgebäude seien komplett zerstört, sagte der Sprecher der Behörde für Katastrophenschutz, Mishaen Lulu Garae, im neuseeländischen Rundfunk. Auch ein Teil des Zentral-Krankenhauses sei zerstört worden.

„Pam“ ist ein Zyklon der höchsten Kategorie, Nummer fünf. Meteorologen schätzten die Geschwindigkeit der Sturmböen auf bis zu 340 Kilometer pro Stunde. Die rund 80 Inseln haben zwar Berge, aber die meisten der 250.000 Einwohner wohnen in Küstennähe meist in einfachen Hütten. Allein auf der Hauptstadt-Insel drei Flugstunden nordöstlich von Brisbane in Australien leben 65.000 Menschen, weitere 32.000 auf Inseln weiter südlich - das ist genau der Weg, den „Pam“ Richtung Neuseeland nahm.

Fernsehsender zeigten erste Videos, die nach ihren Angaben aus der Region stammen. Darauf waren mächtige Wellen zu sehen, die über Uferpromenaden hereinbrachen, sowie entwurzelte Bäume und umgeknickte Strommasten. Überall lagen Schuttberge. Nach dem Durchzug des Zyklons gingen am Samstag auch noch verheerenden Regenfälle nieder.

Zyklon wütet im Südpazifik - Bilder der Verwüstung

Die Gesamtlage war noch völlig umübersichtlich: die anderen Inseln Vanuatus waren von der Außenwelt abgeschnitten. Mobilnetze funktionierten nicht. „Es ist klar, dass die volle Wucht des Super-Zyklons (die Inseln) deutlich schlimmer getroffen hat als vorhergesagt“, berichtete Unicef-Sprecherin Alice Clements aus Port Vila. „Es ist noch zu früh, dies mit Sicherheit zu sagen, aber die ersten Berichte lassen vermuten, dass diese Wetterkatastrophe die schlimmste sein könnte, die diese Pazifikregion je getroffen hat,“ meinte Unicef-Neuseeland-Direktorin Vivien Maidaborn.

Zuletzt waren bei Zyklon Lusi, einem Kategorie-2-Sturm, im März 2014 auf Vanuatu zehn Menschen ums Leben gekommen. Im November 2013 war Taifun „Haiyan“ vom Pazifik über die Philippinen hereingebrochen. Es kamen mehr als 7000 Menschen um. „Haiyan“ war mit Spitzenböen von mehr als 370 Kilometern in der Stunde der stärkste Taifun, der je an Land kam. Taifune, Zyklone und Hurrikans sind die gleichen Wettersysteme, sie werden nur je nach Weltregion anders genannt.

Der Zyklon war auch Thema einer UN-Konferenz zur Katastrophenvorsorge im der japanischen Stadt Sendai. Der Präsident Vanuatus, Baldwin Lonsdale, rief dort zu verstärkter Hilfe auf. Naturkatastrophen könnten „Jahre der Entwicklung zunichtemachen“. Ziel der Konferenz ist ein neues UN-Rahmenwerk zur Risikoreduzierung von Naturkatastrophen mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Kritiker äußerten jedoch zum Auftakt Zweifel an kommenden Vereinbarung. Es sei zu befürchten, dass die Ärmsten nicht ausreichend geschützt werden, warnte Michelle Higelin von der Hilfsorganisation ActionAid. Zyklon „Pam“ sei eine Warnung.

Die EU-Kommission kündigte eine Million Euro an Krisenhilfe an. Zudem entsendet die Brüsseler Behörde zwei Experten in die Region. Großbritannien kündigte an, ingesamt zwei Millionen Pfund (2,8 Millionen Euro) an Hilfsorganisationen zu geben, die in der Region im Einsatz sind. Damit sollten Notunterkünfte und sonstige Hilfsgüter finanziert werden, sagte Entwicklungshilfeministerin Justine Greening.

dpa

Zyklon wütet im Südpazifik - Bilder der Verwüstung

Zyklon-Kategorien

Australisches Rotes Kreuz bei Twitter

Zyklon-Warnung der Vanuatu-Meteorologiebehörde

UN zu Zerstörung

UN-Desasteragentur OCHA zu Vanuatu

Webseite der Regierung

Australisches Rotes Kreuz auf Twitter zu Pam

World Vision auf Twitter zu Pam

dpa

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