Auch NRW und Südwesten betroffen

Tornado wütet in Hamburg: Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt

Köln - Land unter, schon wieder: Die Unwetterserie in Deutschland reißt nicht ab - diesmal trifft es vor allem Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Durch die Hansestadt jagte ein Tornado.

Heftige Unwetter mit Hagel und starkem Regen haben erneut den Westen Deutschlands getroffen. Vor allem das Ruhrgebiet und das Münsterland waren betroffen - in einigen Städten fielen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) binnen einer Stunde 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Ein schweres Unwetter hat am Dienstag in der niedersächsischen Kleinstadt Damme bei Vechta Überschwemmungen verursacht. Drei Viertel des Stadtgebietes standen am Abend unter Wasser, sagte der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr, Sven Schröder. Das Unwetter habe gegen 17.15 Uhr begonnen. Innerhalb von 20 Minuten seien 70 Liter pro Quadratmeter gefallen. Ein Polizeisprecher in Damme sagte am Abend, der Regen habe inzwischen aufgehört. „Wir hatten hier schon mal Wasser auf den Straßen stehen, aber so etwas wie heute hatten wir noch nicht.“

Auch in Teilen Baden-Württembergs schlugen die Unwetter wieder zu. Örtlich fielen innerhalb einer Stunde lau DWD mehr als 30 Liter Regen pro Quadratmeter. Besonders betroffen war demnach die Region um den Schwarzwald, vor allem der Ortenaukreis und der Kreis Calw. Auch im Rest des Landes drohten der Prognose zufolge bis in die Nacht immer wieder Gewitter. "Es ist einfach sehr viel Wasser, was da runterkommt", sagte der Experte. Auch Hagel sei möglich.

Saarland: Hochwasser schließt Menschen in Autos ein

In Wuppertal schossen Fontänen aus den Kanälen, zahlreiche Autos standen im kniehohen Wasser. Blitze trafen einen Baum auf einem Kindergartenspielplatz und ein Haus. Über Verletzte wurde zunächst nichts bekannt. Nahe Essen und Recklinghausen liefen Keller und Unterführungen voll.

Nach einem schweren Unwetter mit Starkregen sind in einem Ortsteil des saarländischen Eppelborn mehrere Menschen aus Fahrzeugen gerettet worden. Sie seien am Dienstag in Dirmingen vom Wasser eingeschlossen worden, sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Saarbrücken. Verletzt worden sei in Dirmingen sowie im gesamten Land nach derzeitigem Stand niemand. Schäden habe das Unwetter außerdem vor allem in Illingen, Wallerfangen und Sulzbach angerichtet. Mehrere Straßen seien von Wasser und Geröll überspült worden. In einigen Gemeinden sei zwischenzeitlich der Strom ausgefallen.

Tornado über Hamburg: Hansestadt im Ausnahmezustand

Die Natur lässt Deutschland weiter ihre ganze Kraft spüren. Ein Tornado fegte am Dienstagabend über Hamburg hinweg und hinterließ schwere Schäden. Die Feuerwehr löste Großalarm aus. Mehr als tausend Kräfte rückten aus, es gab 254 Einsätze. Massive Regenstürme gab es auch in Nordrhein-Westfalen und im Südwesten. Auch hier war die Feuerwehr hundertfach im Einsatz, um vollgelaufene Keller auszupumpen und umgestürzte Bäume von Straßen zu ziehen.

In Hamburg wurden auch Keller überflutet.

Die Windhose hatte sich nach Feuerwehrangaben am Dienstagabend über dem Nordosten Hamburgs gebildet, sie hinterließ örtlich begrenzt eine Schneise der Zerstörung. Es seien "unzählige Dächer abgedeckt" worden, darunter auch Hochhausdächer, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Windhose entwurzelte Bäume, allein "50 bis 60 massive Alleenbäume" seien umgestürzt und zum Teil auf die Straße gekippt. Von Hochhausdächern seien Funkantennen abgerissen und auf die Straße geweht worden, Kleingärten seien zerstört, zahlreiche Keller seien vollgelaufen.

Menschen kamen nach Informationen der Hamburger Feuerwehr nicht zu Schaden. "Unglaublicherweise ist niemand verletzt worden", sagte der Feuerwehrsprecher. "Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet." Die Einsätze sollten noch die ganze Nacht weitergehen. Das Schlimmste sei aber vorbei: "Wir haben das Gros abgearbeitet", sagte der Sprecher. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hob seine Unwetterwarnungen für Deutschland in der Nacht wieder auf.

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) machte sich bei dem Einsatz vor Ort ein Bild von der Lage. Er dankte den Kräften für einen "großartigen und beeindruckenden Einsatz", berichtete die Feuerwehr über den Kurznachrichtendienst Twitter. Kurz vor 18.30 Uhr hatten Bürger aus den Stadtteilen Wandsbek und Steilshoop die Feuerwehr über eine Windhose informiert. Die Feuerwehr löste daraufhin Großalarm aus. Sie rief Mitarbeiter aus dem Feierabend zurück und verdoppelte die Zahl der Führungskräfte.

Triftern braucht Wasserwerfer

In der vom Hochwasser vor einigen Tagen besonders stark getroffenen Gemeinde Triftern in Niederbayern setzten die Helfer sogar Wasserwerfer ein, um die Straßen wieder freizubekommen. Auch in Simbach am Inn sei der Einsatz von Wasserwerfern geplant, teilte das Landratsamt mit.

An die 120 Bundeswehrsoldaten sind in der Region an den Aufräumarbeiten beteiligt. Aus Sicherheitsgründen wurden besonders einsturzgefährdete Gebäude abgerissen. Das Hochwasser in Bayern kostete sieben Menschen das Leben, die Schäden liegen in Milliardenhöhe.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet, dass die Gewitterserie mit Unwettern und Hagel in den nächsten Tagen zu Ende geht. Noch bis Donnerstag müsse aber mit heftigen Unwettern gerechnet werden. Das Wochenende werde dann deutlich kühler mit Regen, sagte Meteorologe Sebastian Schappert. "Nach den Modellrechnungen steht uns am Freitag endlich mal wieder ein weitgehend gewitterfreier Tag ins Haus." Seit dem 27. Mai habe der DWD täglich Unwetterwarnungen herausgegeben.

Rubriklistenbild: © dpa

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