Mordanklage nicht ausgeschlossen

Disko-Brand in Bukarest: Zahl der Toten auf 29 gestiegen

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Ein Foto von der Unglücksstelle.

Bukarest - Brandkatastrophe in einem Bukarester Nachtclub: Viele Menschen sterben, Dutzende werden verletzt. Ursache war wahrscheinlich eine Feuerwerksshow, für die das Lokal keine Genehmigung hatte.

Zwei weitere Menschen sind am Sonntag an den Folgen des verheerenden Feuers vom Freitagabend in einem Bukarester Club gestorben. Sie erlagen ihren schweren Verbrennungen. Die Zahl der Todesopfer des Unglücks sei damit auf 29 gestiegen, erklärte der für das Rettungswesen zuständige Staatssekretär Raed Arafat nach Angaben der rumänischen Nachrichtenagentur Mediafax. Von den insgesamt 144 Opfern, die im Krankenhaus behandelt werden, seien 80 bis 90 sehr schwer bis lebensgefährlich verletzt, sagte Gesundheitsminister Nicolae Banicioiu.

Das Feuer war nach Zeugenberichten wegen einer pyrotechnischen Show-Einlage während eines Konzerts ausgebrochen. Die Schallschutz-Verkleidung einer Säule nahe der Bühne habe Feuer gefangen, Sekunden später habe der völlig mit Menschen überfüllte Raum in Flammen gestanden. In dem Keller-Lokal kam es zu einer Massenpanik, zumal auch dicker Rauch die Sicht erschwerte und eine von zwei Türen zunächst blockiert war. Das Lokal hatte keine amtliche Genehmigung für Feuerwerksshows. Rumäniens oberste Staatsanwaltschaft ermittelt und schließt eine Mordanklage nicht aus.

Ministerpräsident Victor Ponta sagte, unter den Opfer könne es auch Ausländer geben. Dies werde geprüft. Die Identifizierung sei noch nicht abgeschlossen. Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Ponta kehrte vorzeitig aus Mexiko zu einer Krisensitzung nach Bukarest zurück. Er verlangte strenge Kontrollen in allen Clubs und Bars des Landes. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude-Juncker sprach Rumänien sein Beileid aus.

Augenzeugen berichteten, dass das Feuerwerk während des Konzerts der Bukarester Band Goodbye to Gravity zunächst eine mit Schallschutz-Schaum verkleidete Säule in der Nähe der Bühne entzündet habe. Nach vergeblichen Lösch-Versuchen eines Wachmanns habe sich das Feuer auf Decke und Wände ausgebreitet. Daraufhin sei es zu einer Massenpanik gekommen, weil zunächst nur einer von zwei Ausgängen des Kellerlokals offen gewesen sei. Viele Gäste seien in dem dichten Rauch niedergetrampelt worden.

Staatspräsident Klaus Iohannis gab den Betreibern des Lokals die Schuld. „Die Tragödie ist geschehen, weil einfache Regeln ignoriert wurden“, sagte er nach einem Besuch am Unglücksort. Das Lokal sei für ein solches Konzert „total ungeeignet“, zudem sei es in „unvorstellbarer“ Weise überfüllt gewesen. Er sei „erschüttert und tief traurig“.

Der Keller-Club „Colectiv“ habe keine Genehmigung des Katastrophenschutzes für Feuerwerksshows gehabt, sagte der dafür zuständige Staatssekretär Raed Arafat. Wohl aber habe das Lokal seit Mitte Januar 2015 eine Betriebserlaubnis der Verwaltung des 4. Bukarester Stadtbezirks gehabt. Dessen Bürgermeister Cristian Popescu Piedone sagte, grünes Licht vom Katastrophenschutz sei nicht notwendig, wenn der Betreiber eines Lokals schriftlich auf eigene Verantwortung für die Sicherheit garantiere. Dies sei im Fall „Colectiv“ geschehen. Ob dies tatsächlich der Rechtslage entspricht, prüfen die Staatsanwälte.

Zehn Tage vor dem Unglück hatte die Polizei das Lokal kontrolliert, mangelnde Qualifikation des Personals beanstandet und dafür eine Geldbuße verhängt.

Die Identifizierung der Toten war schwierig, weil die wenigsten Ausweise bei sich trugen. Die Musik-Website Metallhead veröffentlichte eine Liste der Verletzten, die ihre Namen angeben konnten, auf Facebook. In dem Sozialnetzwerk wurde auch zu Blutspenden aufgerufen. "Heute ist genug Blut da, aber morgen brauchen wir Euch alle", hieß es in dem Aufruf.

Tragödie in Bukarest: Bilder

Tragödie mit 27 Toten: Disko-Brand in Bukarest

dpa/AFP

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