Kleine Leverkusenerin macht Ausflug

Einzigartiger Polizeibericht über Ausreißerin (3)

Leverkusen - Eine Dreijährige ist samt Lunch-Pakt in die Kita marschiert - ohne ihren Eltern Bescheid zu geben. Das Mädchen wird nach kurzer Zeit gefunden, aber der Polizeibericht dazu ist einzigartig.

Was haben die ersten Zeilen des deutschen Volksliedes "Mein Vater war ein Wandersmann und mir steckt’s auch im Blut" und ein Bericht der Polizei gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts, wird sich jetzt wohl jeder denken. Ein Beamter nahm sich dieses Lied aber zum Anlass, um den Fall beziehungsweise die Geschichte eines kleinen Mädchens zu erzählen - und zwar in einem ganz anderen Stil als die üblicherweise nüchtern und trocken verfassten Polizeiberichte..

Die Kurzfassung: Eine dreijährige Leverkusenerin hatte sich eines Morgens ihr Pausenbrot geschmiert, Stiefel angezogen und war eigenständig Richtung Kita losmarschiert - sie wollte ihre schlafenden Eltern wohl nicht wecken. 20 Minuten nach Eingang der Vermisstenmeldung wird die Kleine wohlauf gefunden.

Weil die Geschichte aber so schön erzählt ist, hier der komplette Bericht des Polizeipräsidiums Köln im Wortlaut:

"Ihr Vater war ein Wandersmann, und ihr steckt's auch im Blut" - so könnte man in Anlehnung an das alte Volkslied angesichts einer am Dienstagmorgen (29. September) durch Polizeikräfte in Leverkusen-Quettingen durchgeführten Vermisstenfahndung meinen. Das Eine vorweg: Gegen 8.10 Uhr wurde die fieberhaft Gesuchte an der Stralsunder Straße angetroffen. Die junge Leverkusenerin "mit langen, blonden Haaren und schwarzen Stiefeln" ist den Umständen entsprechend wohlauf.

Aber auf Anfang: Zu Recht ereifern sich unbeteiligte Bürger und Verkehrsteilnehmer über das Unwesen sogenannter "Helikopter-Eltern". Darunter versteht man die allmorgendlich vor Grundschulen anzutreffende bornierte Spezies, die ihren Nachwuchs nach Möglichkeit im familieneigenen Van bis in den Klassenraum hineintransportieren würde. Nach polizeilicher Einschätzung mit dem Ergebnis noch verkehrsunmündigerer Halbwüchsiger. Sowie darüber hinaus vielfältiger, gefährlicher Verkehrssituationen infolge befremdlicher Ein- und Ausparkmanöver bei ebendiesem gluckenhaften Erziehungsgebaren.

Und dabei beweisen im Einzelfall gerade die Jüngsten eine frappierend rasante Persönlichkeitsentwicklung. Und einen überraschend früh einsetzenden Sinn fürs Wesentliche. Angesichts eines zu erwartenden längeren Fußwegs ist so zum Beispiel festes Schuhwerk erforderlich. Und Marschverpflegung. Beides zumindest war im vorliegenden Sachverhalt gewährleistet.

Vater findet "hurtig dahintrabenden Dreikäsehoch"

Gegen 7.50 Uhr alarmierte von seiner Wohnung an der Quettinger Straße aus ein entsetztes Elternpaar die Polizei: "Unsere dreijährige Tochter ist nicht mehr in der Wohnung - wir haben sie gestern Abend um 19 Uhr ins Bettchen gebracht!" Noch während umgehend drei Streifenwagen entsandt wurden, erfragte der Beamte der Leitstelle von den Anrufern eine genaue Personenbeschreibung. "Sie ist 105 Zentimeter groß, zierlich - und vermutlich hat sie ihre schwarzen Gummistiefelchen angezogen. Die können wir nicht finden", teilte der Vater weiterhin mit.

Wenige Minuten später meldete ein Busfahrer der Wupper-Sieg AG ein kleines, blondes Mädchen nahe einer Bushaltestelle an der Quettinger Straße. Eine kurz darauf eintreffende Streifenwagenbesatzung hatte dort allerdings keine Feststellungen.

Auch der besorgte Vater machte sich auf und beteiligte sich an den intensiven Suchmaßnahmen. Und ihm war es gegeben, an der Stralsunder Straße den hurtig dahintrabenden Dreikäsehoch anzutreffen. In der Hand eine großzügig bemessene Butterstulle, die sich die kleine Leverkusenerin augenscheinlich vor ihrem anstrengenden Fußmarsch noch geschmiert hatte.

Den Ermittlungen zufolge hatte sich die junge Dame nach dem Aufwachen entschlossen, selbstständig die ihr hinreichend bekannte Kindertagesstätte aufzusuchen. Und das - wie beschrieben - "gestiefelt, gespornt" und gut verpflegt. Seine noch schlafenden Eltern hatte das Kleinkind zu diesem Behufe offenbar nicht weiter behelligen wollen. Durchaus beeindruckend, wie die beteiligten Polizeibeamten meinten. Zwar nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen, aber: So geht´s also auch. Kinder der eingangs beschriebenen Helikopter-Eltern zumindest würden solches mit Sicherheit nicht zuwege bringen... (cg)

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolfoto )

Kommentare

Meistgelesen

US-Portal rät von Verabredungen mit deutschen Frauen ab
US-Portal rät von Verabredungen mit deutschen Frauen ab
Erfinder des Big Mac mit 98 gestorben
Erfinder des Big Mac mit 98 gestorben
Frau liegt über ein Jahr tot in Wohnung - Nachbarn merkten nichts
Frau liegt über ein Jahr tot in Wohnung - Nachbarn merkten nichts
Betrunkener versinkt nach Unfallflucht im Moor
Betrunkener versinkt nach Unfallflucht im Moor
Gestohlenes Affenbaby in australischen Zoo zurückgekehrt
Gestohlenes Affenbaby in australischen Zoo zurückgekehrt