Kriminalstatistik: Mehr Gewalt von Rechts

So viele Einbrüche wie seit 15 Jahren nicht

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Berlin - Aus der neuen Kriminalstatistik für das Jahr 2014 geht hervor: In Deutschland wird alle 5,2 Sekunden eine Straftat begangen. Vor allem die Zahl der Einbrüche steigt seit Jahren. Und die Gegenmaßnahmen sind teuer.

Wie viele Leute wurden im vergangenen Jahr überfallen? Wie viele Autos wurden in Deutschland gestohlen? Auskunft darüber gibt die neue Kriminalstatistik, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und sein rheinland-pfälzischer Amtskollege Roger Lewentz (SPD) am Mittwoch in Berlin vorstellen. Bekannt ist bereits, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche auf den höchsten Wert seit 1999 gestiegen ist. Nach den vorliegenden Zahlen aus den Bundesländern registrierten die Behörden bundesweit mehr als 152.000 Fälle.

Die Zahl aller Straftaten im vergangenen Jahr stieg nach Informationen der „Bild“ (Mittwoch) auf 6.082.064 Fälle. Das waren rund zwei Prozent mehr als noch 2013. Die Aufklärungsquote habe sich dagegen nur geringfügig verändert: 54,9 Prozent aller Straftaten seien von den Polizisten aufgeklärt worden, 2013 waren es 54,5 Prozent gewesen.

Für den stetigen Zuwachs an Einbrüchen werden vor allem international agierende Einbrecherbanden verantwortlich gemacht. Um gegen diese Banden vorzugehen, setzt die SPD auf eine bessere Vernetzung zwischen den Polizeibehörden der Bundesländer.

Neben den Wohnungseinbrüchen erhöhten sich der Statistik zufolge auch die Zahl der Diebstähle insgesamt sowie die Fälle von Straßenkriminalität, Betrugsdelikten, Rauschgiftdelikten und ausländerrechtlichen Straftaten. Auf der anderen Seite gab es weniger Fälle von Gewaltkriminalität, sexuellem Missbrauch von Kindern, Sachbeschädigung, Autodiebstahl und von Straftaten gegen das Waffengesetz.

Deutlich mehr antisemitische Straftaten

Die Zahl politisch motivierter Straftaten hat sich im vergangenen Jahr spürbar erhöht. Vor allem nahmen antisemitsche Straftaten mit einem Zuwachs von 25,2 Prozent und Gewalttaten mit einem Zuwachs von 18,3 Prozent deutlich zu, wie die am Mittwoch von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin vorgestellte Kriminalitätsstatistik ergab. De Maizière beklagte dabei eine zunehmende Gewalt vor allem aus der linken Szene gegen Polizisten.

De Maizière sagte, es gebe in der politisch motivierten Kriminalität bedrohliche Entwicklungen. Gerade fremdenfeindliche, antisemitische sowie rassistisch motivierte Straf- und Gewalttaten hätten zugenommen. Asylbewerber und Flüchtlingsheime würden gezielt angegriffen, die Zahl der Fälle sei auf 203 Delikte gestiegen. Rechtsmotivierte Täter seien dabei für 175 Angriffe verantwortlich gewesen, nach 58 im Jahr 2013. Die rechte Szene habe gezielt versucht, die öffentliche Debatte um Zuwanderung für fremdenfeindliche Agitation zu nutzen. Taten richteten sich auch gezielt gegen Kirchen, Synagogen und Moscheen.

Insgesamt registrierte die Polizei 32.700 Straftaten aus politischen Motiven, 3,3 Prozent mehr als im Jahr 2013. Der sprunghafte Anstieg der Gewalttaten auf 3368 Fälle bedeutete zugleich einen neuen Höchststand seit der ersten Erfassung dieser Delikte im Jahr 2001. Von den Gewalttaten machten Körperverletzungen den mit Abstand größten Teil aus - die Zahl der Fälle erhöhte sich im Vergleich zu 2013 um ein Viertel auf 2285 Fälle.

Rechte Szene wird gewaltbereiter

Auffällig ist der Statistik zufolge vor allem die wachsende Gewaltbereitschaft in der rechten Szene: Bei den Gewalttaten insgesamt erhöhte sich die Zahl der den Rechten zugeordneten Fälle um 22,9 Prozent auf 1029 Fälle, bei den Körperverletzungen um 23,3 Prozent auf 900 Fälle. Mit 17.020 der 32.700 Straftaten ist die rechte Szene auch weiterhin für den größten Teil aller Taten verantwortlich.

De Maizière sagte, es gebe aber nach wie vor mehr Gewalttaten von links. Mit 1664 Fällen blieb hier die Zahl im Vorjahresvergleich zwar nahezu unverändert, dem Bundesinnenminister zufolge stieg aber die Zahl der Angriffe aus der linken Szene auf Polizisten um 30 Prozent. Darunter seien auch sechs versuchte Tötungsdelikte. De Maizière nannte den Anstieg ein "gesellschaftliches Phänomen". Bei einem zunehmenden Anteil der Bevölkerung gebe es keinen Respekt mehr. Dies betreffe inzwischen auch Rettungskräfte, auf die ebenfalls Angriffe verübt würden.

Den höchsten prozentualen Anstieg gab es bei der politisch motivierten Ausländerkriminalität. Hier erhöhte sich die Zahl der Delikte um 191,6 Prozent gegenüber 2013 auf 874 Fälle. Die Ausländerkriminalität erhöhte sich vor allem bei extremistischen Straftaten, die die Polizei als Angriffe auf die Verfassung werteten - hier gab es einen Anstieg um 270 Prozent.

Mehr Mitarbeiter für 15 bis 20 Millionen gefordert

Die sozialdemokratischen Innenexperten im Bundestag wollen deshalb die sogenannte Koordinierungsstelle beim Bundeskriminalamt (BKA) personell und finanziell besser ausstatten. Um Tatmuster zu erkennen, müssten vorhandene Daten zusammengeführt werden, erklärte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Burkhard Lischka.

Er macht sich dafür stark, die Zahl der Mitarbeiter bei der Koordinierungsstelle von acht auf mindestens 30 zu erhöhen. Auch die BKA-Einheit zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität müsse von derzeit 750 auf etwa 900 Mitarbeiter aufgestockt werden. Notwendig seien darüber hinaus Investitionen von 15 bis 20 Millionen Euro, um die Ermittler technisch besser auszustatten. „Nur so kann verhindert werden, dass Beweise teilweise jahrelang nicht ausgewertet werden“, heißt es in einem aktuellen Positionspapier der Sozialdemokraten.

De Maizière: Deutschland trotzdem sicheres Land

„Deutschland ist nach wie vor ein Land - auch und gerade im internationalen Vergleich -, in dem die Bürgerinnen und Bürger alles in allem sicher leben können“, sagte de Maizière am Mittwoch in Berlin. Zusammen mit dem rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) stellte er die aktuelle Kriminalstatistik vor.

Es gebe aber Anlass zu „Besorgnis in einigen Feldern“, hieß es. Zugenommen habe die Zahl ausländischer Tatverdächtiger - und zwar um 14 Prozent - einschließlich illegaler Einreisen. Der Anteil nicht-deutscher Täter liege bei 24,3 Prozent aller Tatverdächtigen. Erfasst würden hier allerdings auch Straftaten etwa von Touristen. „Trotzdem: Die Ausländerkriminalität ist alles in allem betrachtet höher als im Durchschnitt der Bevölkerung.“

Als erfreulich nannte es de Maizière, dass sich der seit 2009 zu beobachtende Rückgang der Gewaltkriminalität fortgesetzt habe - 2014 um weitere 2,1 Prozent. Auch die Jugendkriminalität habe um 9,3 Prozent abgenommen - wenngleich von einem hohem Niveau. „Man kann nicht sagen, dass die Jugendlichen und Heranwachsenden in Deutschland immer gewalttätiger werden.“ Mehr Sorge bereite dagegen die Intensität der Gewalt.

Zurückgegangen seien auch sexueller Missbrauch von Kindern, Kfz-Diebstahl sowie Sachbeschädigungen. De Maizière nannte es "besonders erfreulich", dass sich die Zahl der Fälle an Jugendkriminalität um neun Prozent verringerte.

dpa/Afp

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