„Ice Bucket Challenge“

Eiswasserduschen und kein Ende

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Mark Zuckerberg

Berlin - Ein Phänomen geht um die Welt. Wer etwas auf sich hält, übergießt sich mit einem Eimer Eiswasser. Politiker, Unternehmer und Schauspieler sind dabei - und alles für einen guten Zweck.

Selbst Kermit der Frosch aus der Muppet Show ist jetzt dabei. Im Schneeballeffekt erfasst die „Ice Bucket Challenge“ weltweit die Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Unterhaltung. Ein Ende der Aktion, zu deutsch die Eiskübel-Herausforderung, ist nicht absehbar. Denn jeder, der sich daran beteiligt, nominiert zugleich weitere Personen, die es ihm nachtun sollen - alles für einen guten Zweck, der Erforschung der unheilbaren Nervenkrankheit ALS. Im Netz gibt es inzwischen Tausende Videos dazu.

Bei der Aktion übergießen sich die Teilnehmer mit einem Kübel Eiswasser und stellen ein Video dazu ins Netz - etwa auf das Soziale Netzwerk Facebook. Dessen Gründer hat seine persönliche Dusche dort längst dokumentiert - und gleich Bill Gates - den reichsten Mann der Welt und Gründer von Microsoft - erfolgreich aufgefordert, es ihm nachzutun. Auch Apple-Chef Tim Cook nahm eine kalte Dusche. Nach Politikern wie George W. Bush oder Prominenten wie Justin Timberlake und Lady Gaga ist auch die Schauspielerin Gwyneth Paltrow mit.

Mit der ungewöhnlichen Aktion werben die Teilnehmer um Spendenbereitschaft für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS. Wer das Wasser nicht scheut, spendet mindestens 10 Dollar, wer kneift muss 100 Dollar geben. Die Amyotrophe Lateralsklerose führt zu einer unheilbaren Schädigung von Nervenzellen und ist in den meisten Fällen tödlich. Nach Angaben der ALS Association sind mit der Eiskübel-Aktion inzwischen 62,5 Millionen Dollar (Stand Samstag) zusammen gekommen.

Auch in Deutschland verbreitet sich das Eiswasser-Fieber wie ein Lauffeuer - ein Ende ist nicht in Sicht. Die Liste der Prominenten ist lang und reicht von Matthias Schweighöfer und Helene Fischer über Harald Glööckler, Otto Waalkes und Verona Pooth bis zu Lena Meyer Landrut und Günther Jauch. Auch Michael Otto, Hamburger Ehrenbürger und Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group, hat sich in dieser Woche mit Eiswasser übergossen. Als nächste Kandidaten nominierte er Michael Stich, Judith Rakers und Johannes B. Kerner. Bayern-Star Bastian Schweinsteiger hat sich Eiswasser über den Kopf schütten lassen und gleich die ganze Bayern-Südkurve nominiert. 

Macht Angela Merkel mit?

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält sich unterdessen bedeckt. Ihr Sprecher Steffen Seibert erklärte vor einigen Tagen auf Twitter, dass über persönliche Spenden der Bundeskanzlerin grundsätzlich nicht berichtet werde und bat um Verständnis. Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD) indes nahm die Nominierung von ARD-Journalistin Anne Will an. Statt sich wie gewünscht als Eisbär Knut unter die kalte Dusche zu begeben, spendete Gabriel allerdings 1000 Euro - und verwies auf den ernsten Hintergrund.

Auch für kleine Sticheleien unter Kollegen ist die Aktion gut. „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann forderte unter anderem Ex-Bundespräsident Christian Wulff auf, sich mit Eiswasser zu übergießen. Und Sigmar Gabriel nominierte die ZDF-Journalistin Marietta Slomka. Mit Slomka hatte sich der Politiker vor einigen Monaten ein einem Interview ein heftiges Gefecht geliefert. Ob Slomka die „Einladung“ annimmt, war am Sonntag noch offen.

Selbst die Handball-Bundesliga hat das Eiskübel-Fieber erfasst. Alfred Gislason vom deutschen Meister THW Kiel übergoss sich am Freitag mit Eiswasser. Trainer Ljubomir Vranjes von Champions-League-Sieger SG Flensburg-Handewitt ließ sich gleich eine Wanne mit eisigem Wasser über das Haupt gießen und forderte unter anderem Krimi-Autor Henning Mankell und Heidi Klum zur Eiswasser-Dusche auf.

Spendenexperten haben an der skurrilen Aktion im Netz nichts einzuwenden. „Wir finden nichts Verwerfliches daran, wenn man über Spaß an eine Sache herangeführt wird“, sagte Burkhard Wilke, Leiter des Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Auf Krampf könne man eine solche Aktion aber nicht kopieren. Die ALS-Ambulanz der Berliner Charité-Klinik profitierte bereits von der Internetaktion. Leiter Thomas Meyer findet die Aktion „nach wie vor sehr gut“: Die Ambulanz habe bisher mehr als 200 Spenden erhalten. Das Team stellte sich auch selbst der Eiswasserdusche.

Promis unter der Eiswasserdusche

Promis und die „Ice Bucket Challenge“

Unheilbare ALS-Krankheit zerstört Nerven

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) führt zu Nervenzerstörungen und fortschreitenden Muskellähmungen. Die Betroffenen können sich im Verlauf der Erkrankung nicht mehr bewegen, sie haben Schwierigkeiten beim Schlucken, Sprechen und Atmen. Das Bewusstsein und der Intellekt bleiben aber in der Regel intakt.

Etwa die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb der ersten drei Jahre. Nur in Ausnahmefällen leben sie länger als ein Jahrzehnt mit der unheilbaren Krankheit. Die Todesursache ist meist Atemlähmung.

Über die genauen Ursachen und Mechanismen der Nervenkrankheit ist wenig bekannt. Die meisten Fälle treten spontan auf, nur bis zu zehn Prozent familiär gehäuft. Am häufigsten erkranken Menschen im Alter von 50 bis 70 Jahren, Männer etwas häufiger als Frauen.

In Deutschland gibt es nach Angaben der ALS-Ambulanz in Berlin bundesweit rund 8000 ALS-Patienten. Auch der Künstler Jörg Immendorff starb 2007 an dieser Nervenkrankheit.

dpa

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