Angst vor Cholera-Epidemie

Haiti: Bereits ein Cholera-Toter nach Hurrikan "Matthew"

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Viele Einwohner Haitis mussten medizinisch versorgt werden.

Port-au-Prince - Knapp eine Woche nach dem mörderischen Durchzug von Hurrikan "Matthew" wächst in Haiti die Angst vor einer erneuten Cholera-Epidemie.

Das einzige Krankenhaus in der zerstörten Küstenstadt Port-Salut im Süden des Karibikstaats meldete am Sonntag einen ersten Cholera-Toten. Auch in anderen Gebieten im Süden Haitis starben Menschen an der Durchfallerkrankung.

"Matthew" hatte am Dienstag vergangener Woche die südliche Hälfte des bitterarmen Landes verwüstet. Nach vorläufigen Angaben des Zivilschutzes kamen 336 Menschen ums Leben, die Zahl der Toten dürfte sich aber deutlich erhöhen.

Nach Angaben des Direktors des Krankenhauses von Port-Salut, Stevenson Desravines, starb einer von insgesamt neun Cholera-Patienten, die das Krankenhaus in den vergangenen Tagen aufgenommen hatte.

"Das ist erst der Anfang"

"Das ist erst der Anfang", sagte Desravines der Nachrichtenagentur AFP. Die Ausbreitung von Cholera sei eine "tödliche Gefahr". "Wir brauchen dringend mehr Personal und Ausrüstung - vor allem Medikamente, Reinigungs- und Hygienemittel", fügte er hinzu. Seine Klinik habe bislang noch keine Hilfe aus dem Ausland erhalten.

Berichte über Cholera-Tote gab es auch aus anderen Orten des Südens. In der größten Stadt der Region, Les Cayes, wurden bislang keine Todesopfer gemeldet, jedoch mehrere Krankheitsfälle.

In einem Vorort von Port-Salut nutzten Anwohner Wasser aus einem mit Trümmern übersäten Bach zum Baden, Wäschewaschen und als Trinkwasser. "Wir müssen das trinken, wir haben kein sauberes Wasser", sagte der 19-jährige Celestein Sonyte. Cholerabakterien werden über mit Fäkalien verseuchtes Trinkwasser übertragen, sie lösen bei den Infizierten starken Durchfall aus. Die Krankheit verläuft oft tödlich.

Cholera-Epidemie nach schwerem Erdbeben im Jahr 2010

Haiti hat sich bis heute nicht von dem verheerenden Erdbeben im Januar 2010 erholt, bei dem rund 250.000 Menschen starben. Neun Monate später brach in dem Land eine schwere Cholera-Epidemie aus, offenbar wurde die Krankheit von nepalesischen UN-Blauhelmsoldaten eingeschleppt.

Auch internationale Hilfsorganisationen warnten nun vor einer neuen Epidemie. "Überschwemmte Gebiete, schlammige Pfützen sowie die Leichen von Menschen und Tieren sind perfekte Brutstätten für den Erreger", sagte der Vertreter des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Marc Vincent. "Jeder Tag ohne Abhilfe erhöht das Cholera-Risiko".

Der Malteser Hilfsdienst warnte vor einer Cholera-Epidemie in den Elendsvierteln der Hauptstadt Port-au-Prince. Dort seien mehr als eine halbe Million Menschen akut von den Auswirkungen des Hurrikans betroffen. "Wir befürchten, dass sich nun Cholera und andere Krankheiten erneut ausbreiten", erklärte die örtliche Projektkoordinatorin von Malteser International, Kathrin Jewert. "Die Situation ist chaotisch, es gibt keine medizinische Versorgung."

Durch die schweren Überschwemmungen seien die Hütten weggewaschen, Abwasserkanäle seien übergelaufen. "Müll und menschlicher Unrat, sowie das stehende dreckige Wasser in den Elendshütten stellen ein hohes gesundheitliches Risiko dar", erklärte Jewert.

Hurrikan „Matthew“ hinterlässt Tod und Zerstörung

"Matthew" dürfte zudem für erhebliche Ernteausfälle in Haiti führen. In einem Anbaugebiet nahe Port-au-Prince berichteten Bewohner von verwüsteten Gemüsegärten und totem Vieh. "Wir haben nichts mehr zum Verkaufen, aber das Schlimmste ist, dass ich seit heute Morgen nichts zum Essen gefunden habe", sagte die 56-jährige Marie-Thérèse Jean, die in der Ortschaft Kenscoff mit ihrer Tochter und zwei Enkelkindern lebt.

Der Malteser Hilfsdienst erklärte, die Region habe gerade eine der schwersten Dürren der vergangenen Jahrzehnte hinter sich. Umso gravierender sei es nun, "dass wahrscheinlich fast die ganze Ernte zerstört ist".

AFP

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