Sechs Tote und über 200 Verletzte nach Zugunglück in den USA

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Unfallstelle bei Philadeplhia: Ein Zugunglück hat hier mindestens fünf Menschen das Leben gekostet. Foto: Tom Gralish/Philadelphia Inquirer/ZUMA

Waggons liegen auf der Seite und über Kopf, schweres Metall ist komplett verbogen: Die Bilder des entgleisten Zuges an der Ostküste der USA sind grausam. Anscheinend raste der Zug zu schnell in die Kurve.

Update vom 9. Februar 2016: Bei einem schweren Zugunglück bei Bad Aibling (Kreis Rosenheim) sind am Dienstagmorgen zwei Züge des Meridian aufeinander geprallt. Mehrere Menschen starben, hunderte wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht.

Philadelphia (dpa) - Der in Philadelphia verunglückte Zug ist nach Berichten mehrerer US-Medien anscheinend viel zu schnell gefahren.

Nach vorläufigen Angaben der Transportsicherheitsbehörde NTSB war der Zug mit mehr als 160 Stundenkilometer unterwegs und laut US-Medien damit doppelt so schnell wie in der scharfen Kurve zulässig. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben, mehr als 200 wurden verletzt. NTSB-Experten forschten weiter nach der Ursache für das Unglück, auch Ermittler der Bundespolizei FBI waren vor Ort.

Mehr als 16 Stunden nach dem nächtlichen Unfall wurden noch mehrere Passagiere vermisst. "Wenn Sie in dem Zug waren und wohlauf sind, melden Sie sich bitte", bat Samantha Phillips von der städtischen Notfall-Behörde. "Bitte rufen Sie an, wenn es Ihnen gut geht." Das Suchgebiet wurde ausgeweitet, falls Menschen weit aus dem Zug geschleudert wurden. Bürgermeister Michael Nutter versprach, dass jeder Abschnitt der Unfallstelle genau durchsucht werde.

Der Zug der staatlichen Amtrak-Gesellschaft war am Dienstagabend (Ortszeit) auf dem Weg von Washington nach New York nach einer scharfen Kurve plötzlich entgleist. Sechs Waggons und die Lokomotive sprangen von den Schienen. An Bord waren 238 Passagiere und fünf Crewmitglieder. Viele der Verletzten konnte dem Sender CNN zufolge nach der Behandlung das Krankenhaus wieder verlassen. Sie hätten häufig Schnitt- und Schürfwunden, Prellungen und Knochenbrüche erlitten.

Das US-Fernsehen zeigte Bilder von einem Waggon, der einem Riesenknäuel von verbogenem Metall glich. Andere Wagen lagen auf der Seite, die Lokomotive hatte sich vom Rest des Zuges getrennt. "Diese Waggons zu sehen, diese riesigen Metallfahrzeuge auf dem Kopf liegend, eines davon fast entzweit, der Motor komplett getrennt, ist nahezu unbeschreiblich", sagte Nutter.

Augenzeugen sprachen von blutüberströmten Menschen, die durch Fenster ins Freie gezogen wurden. "Ein totales, katastrophales Durcheinander", beschrieb Nutter die nächtliche Szene nach dem Unfall. Die Wucht beim Entgleisen war Augenzeugenberichten zufolge so groß, dass Passagiere, Gepäck, Laptops und Handys durch die Luft wirbelten. Menschen krochen durch die Gänge und versuchten, durch Fenster und Türen ins Freie zu gelangen.

Präsident Barack Obama bekundete in einem Telefonat mit dem Bürgermeister und einer schriftlichen Mitteilung "tiefe Trauer" und Anteilnahme. Der Unfall sei eine "Tragödie", die uns alle betrifft", erklärte der Präsident. Er sicherte Nutter die Unterstützung der Bundesbehörden bei der Aufklärung der Unfallursache zu.

Das Unglück entfachte eine neue Diskussion über den Zustand des teils maroden US-Schienennetzes und die Finanzierung der Bahngesellschaft Amtrak. Nur Stunden nach dem Unfall stimmten die Republikaner im Budgetausschuss des Abgeordnetenhauses für eine Kürzung des Amtrak-Budgets um rund 270 Millionen Dollar (238 Mio Euro), was Kritik bei Demokraten auslöste. Der Ostküstenkorridor zwischen Washington und Boston mit den Stationen Philadelphia und New York ist die meistbefahrene Bahnstrecke Nordamerikas.

Es war bereits der neunte Unfall eines Amtrak-Zuges in diesem Jahr. Allerdings passierten die meisten Unglücke bei Kollisionen mit Fahrzeugen auf Bahnübergängen. Im Jahr 1943 waren bei einem Bahnunglück an der gleichen Stelle in Philadelphia 79 Menschen ums Leben gekommen.

Twitter-Account von Patrick Murphy mit Unfall-Bildern

Amtrak-Mitteilung

NTSB-Mitteilung

NTSB auf Twitter

Wall Street Journal

Philadelphia Inquirer

CNN

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