Nach Festnahme

Todkranker Junge: Vater begründet Entführung

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In diesem Hostel hat die Polizei die Eltern des kleinen Ashya gestellt und den Jungen gefunden.

Vélez Málaga - Die Polizei hat einen krebskranken Jungen und seine Eltern, die ihn aus einem Krankenhaus entführt hatten, in Spanien gestellt. Die Suche war ein Wettlauf mit der Zeit.

Die Eltern des kleinen Ashya.

Ein von seiner Familie aus einem Krankenhaus in Großbritannien verschleppter tumorkranker Junge ist in Andalusien wiedergefunden worden. Die Eltern des Fünfjährigen wurden am Samstag nahe der Küstenstadt Vélez-Málaga in einem Hotel festgenommen, wie die spanische Polizei mitteilte. Ihr dringend hilfsbedürftiges Kind wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Die Eltern würden von der Polizei befragt, sagte der Sprecher weiter.

Der Vater hatte ein Video ins Internet gestellt, auf dem er die Gründe für die Flucht aus Großbritannien darlegt. Das an einem Hirntumor leidende Kind solle nach Auffassung der Eltern nicht weiter mit belastender Röntgen-Strahlentherapie behandelt werden. Sie wünschten stattdessen eine zielgenaueren und mit weniger Nebenwirkungen behaftete Protonen-Therapie. „Die Röntgenstrahlen gehen rein in den Kopf und kommen auf der anderen Seite wieder heraus und machen alles kaputt“, sagte Brett King in dem Clip. Die Eltern befürchten, dass ihr Sohn an der Therapie erblindet oder Behinderungen davonträgt.

Mit der vergleichsweise neuen aber auch teuren Behandlungsmethode können Tumore nach Angaben von Wissenschaftlern präziser und damit schonender für die umliegenden Organe bekämpft werden. Die Wirksamkeit der Methode ist noch nicht vollends erforscht, Erfolge sind nicht für jede Art von Tumor nachgewiesen. Die Protonentherapie wird vom staatlichen Gesundheitssystem NHS in Großbritannien derzeit nur für Augentumore angeboten.

Vater nennt Suchaktion "lächerlich"

„Wir wollten nach Tschechien, um Geld für die Behandlung zusammenzubekommen“, sagte Vater King über die spektakuläre Flucht. Eine Erklärung, warum die Familie im 17 Autostunden vom Fährhafen Cherbourg entfernten Malaga und nicht etwa in Tschechien oder der Schweiz gelandet ist, lieferte er zunächst nicht.

Die Suchaktion nannte er „lächerlich“. "Wir waren zutiefst schockiert, als wir heute herausgefunden haben, dass sein Gesicht überall im Internet und in den Zeitungen ist", sagt der Vater in dem Video, während der Junge auf seinem Schoß sitzt. Er und seine Frau seien zu Unrecht als Entführer bezeichnet worden, die das Leben des Jungen mutwillig in Gefahr gebracht hätten. "Er hat überhaupt kein Problem", versicherte der Vater, "er ist sehr glücklich, seit wir ihn aus dem Krankenhaus geholt haben".

Bekannte verteidigt Eltern

Auf der Facebook-Seite der Polizei im britischen Hampshire meldete sich eine Nutzerin zu Wort, die sich als Bekannte der Familie vorstellte. "Sie sind aus Verzweiflung durchgebrannt, weil sie nicht hinnehmen wollten, dass man nichts für ihren Sohn tun kann, deshalb wollten sie Hilfe im Ausland suchen", schrieb sie. Die Eltern sollten nicht vorverurteilt werden, weil sie "sehr liebevoll" mit ihrem Sohn umgingen und ihm "vermutlich nur helfen wollten". Die Großmutter des Jungen gab an, der Junge habe "wunderbare" Eltern.

Weil die strenggläubigen Eltern den Zeugen Jehovas angehören, die unter anderem Bluttransfusionen kategorisch ablehnen, war über eine Entführung aus religiösen Motiven spekuliert worden.

Ashya ist auf einen Rollstuhl angewiesen, kann nicht sprechen und wird künstlich ernährt.

Die Eltern hatten den Jungen am Donnerstag aus einem Krankenhaus im südenglischen Southampton geholt und waren ohne Zustimmung der Ärzte mit ihm und seinen sechs Geschwistern nach Frankreich ausgereist. Der unter einem Hirntumor leidende Junge ist auf einen Rollstuhl angewiesen, kann nicht sprechen und wird durch einen Schlauch künstlich ernährt. Er brachte bereits mehrere Operationen hinter sich, die bislang letzte erfolgte vor gut einer Woche.

Da das batteriegetriebene System für die künstliche Ernährung nach Klinikangaben nur von geschultem Personal bedient werden kann, sahen die britischen Behörden das Leben des Jungen in Gefahr. Sie stellten daher am Samstag einen europäischen Haftbefehl für den 51 Jahre alten Vater und die 45-jährige Mutter aus.

AFP/dpa

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