Sicherheitsvorkehrungen in den USA verschärft

Angst vor Ebola: Neue Quarantäne-Regeln

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Potenziell mit dem Ebola-Virus kontaminiertes Material wird von einer Spezialfirma in New York entsorgt.

New York - Ein Ebola-Infizierter hat den Virus nach New York eingeschleppt. Die Angst in der Bevölkerung wächst. Die Bundesstaaten New York und New Jersey verschärfen deshalb ihre Sicherheitsvorkehrungen.

Die Ebola-Epidemie hat erstmals auch die US-Millionenmetropole New York und den afrikanischen Staat Mali erreicht. Bei einem Arzt habe sich der Verdacht auf die Krankheit bestätigt, sagte New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio. Die Bundesstaaten New York und New Jersey haben deshalb ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft und neue Quarantäne-Regeln eingeführt. In Mali wurde das Virus bei einem zweijährigen Mädchen nachgewiesen. Das Kind starb wenig später, wie der Direktor des Krankenhauses, in dem das Mädchen behandelt wurde, dem französischen Auslandssender RFI am späten Freitagabend bestätigte. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Samstag sind inzwischen 10.141 Menschen an der Seuche erkrankt, 4922 davon sind gestorben. Experten gehen weiterhin von einer hohen Dunkelziffer aus. Im Kampf gegen die Seuche hat die Europäische Union (EU) unterdessen am Freitag ihre Hilfen fast verdoppelt.

In New York geht die Angst vor Ebola um

NEW YORK: Der 33 Jahre alte Arzt war wenige Tage zuvor aus Westafrika nach New York zurückgekehrt und hatte zuletzt über Fieber und Durchfall geklagt. Er wurde sofort isoliert, sein Zustand wird als stabil beschrieben. Den Gesundheitsbehörden zufolge ist es „extrem unwahrscheinlich“, dass er andere angesteckt habe. „Es gibt keinen Grund zur Sorge“, beteuerte Bürgermeister de Blasio. „Wir haben ein starkes Team, und wir sind seit Monaten vorbereitet.“ Ebola übertrage sich durch Körperflüssigkeiten: „Es genügt nicht, im selben U-Bahn-Wagen zu sein oder in der Nähe zu wohnen.“ New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sagte, dass der Mann engeren Kontakt zu vier Menschen gehabt habe - alle vier seien bereits ermittelt.

Der New Yorker Gesundheitsbehörde zufolge hatte der 33-Jährige für „Ärzte ohne Grenzen“ in Guinea gearbeitet und war am 14. Oktober nach Europa und drei Tage später nach New York geflogen. Erst am Donnerstag habe er Fieber bekommen. Die Behörde bestätigte, dass der Arzt U-Bahn und Taxi gefahren und am Abend vor dem Fieber zum Bowling gegangen sei. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass man erst ansteckend ist, wenn man krank ist.“

Eine mit Ebola infizierte Pflegeschwester in den USA hat die Krankheit unterdessen überstanden. Das Virus sei bei ihr nicht mehr nachweisbar, teilte die US-Gesundheitsbehörde NIH (National Institutes of Health) am Freitag mit. Sie wurde aus dem Krankenhaus entlassen und traf sich danach mit US-Präsident Barack Obama. Die Frau hatte sich in einem Krankenhaus in Dallas im US-Bundesstaat Texas bei einem Mann aus Liberia angesteckt, bei dem Ebola diagnostiziert worden war. Der Mann starb später an der Krankheit. Auch eine zweite Krankenschwester hatte sich bei ihm infiziert. Sie soll die Krankheit nach Angaben ihrer Familie inzwischen ebenfalls überstanden haben.

New York und New Jersey verschärfen Sicherheitsvorkehrungen

Neue Quarantäne-Regeln: Die Bundesstaaten New York und New Jersey haben ihre Sicherheitsvorkehrungen im Bezug auf Ebola verschärft. Wer in Westafrika mit Ebola-Patienten in Kontakt gekommen sei, müsse bei der Wiedereinreise in die USA künftig für bis zu 21 Tage in Quarantäne, teilten die Bundesstaaten am Freitag (Ortszeit) mit.

Die Gouverneure von New York und New Jersey, Andrew Cuomo und Chris Christie, gaben in Manhattan eine gemeinsame Pressekonferenz, um ihre Reaktion auf den ersten Ebola-Fall in New York zu verkünden. Die verschärften Quarantäne-Regeln betreffen demnach Reisende, die aus Guinea, Sierra Leone und Liberia wieder an den Flughäfen JFK in New York und Newark in New Jersey eintreffen und in Westafrika Ebola-Patienten behandelt haben oder mit ihnen in Kontakt gekommen sind.

Die Quarantäne kann für bis zu drei Wochen angeordnet werden - das ist die maximale Zeit, die nach einer Ansteckung bis zum Auftreten von Symptomen vergehen kann. Auch wer aus den westafrikanischen Ländern zurückkehre, aber keinen wissentlichen Kontakt mit Erkrankten gehabt habe, werde aktiv von den Gesundheitsbehörden überwacht, sagten Cuomo und Christie. Diese würden nur "wenn nötig" unter Quarantäne gestellt.

Expertin hält nichts von zusätzlichen Ebola-Kontrollen an Flughäfen

Zusätzliche Sicherheitskontrollen an deutschen Flughäfen im Kampf gegen eine Ausbreitung der Ebola-Epidemie sind nach Ansicht von Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) nicht sinnvoll. Bei allen Reisenden die Körpertemperatur zu messen, gleiche der Suche nach der Nadel im Heuhaufen, sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher am Samstag im Interview mit dem Sender WDR 5. "Es gibt keine guten Daten, die belegen würden, dass das mehr als Aktionismus ist." Außerdem seien die Messungen alles andere als zuverlässig.

Das RKI geht zudem nach Angaben seiner Sprecherin davon aus, dass es in Deutschland höchstens einzelne Ebola-Fälle geben wird. Die Infektion sei nur übertragbar durch direkten Kontakt zu Körperflüssigkeiten, "also man muss jemanden schon wirklich anfassen und derjenige muss auch sichtbar erkrankt sein". Deutschland sei im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt, um diese einzelnen Patienten schnell zu behandeln.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Hilde Mattheis, sprach sich derweil für Quarantänemaßnahmen für Ärzte und Krankenschwestern aus, die in Westafrika gegen die Ebola-Epidemie im Einsatz waren. Die zurückkehrenden Helfer sollten die Möglichkeit haben, "sich und andere zu schützen" - etwa dadurch, dass sie "nicht unmittelbar nach ihrem Einsatz wieder voll am gesellschaftlichen Leben teilnehmen", sagte Mattheis der "Rheinischen Post" vom Samstag. Sollte es notwendig sein, müsse diese Zeit bis zu 21 Tage dauern.

Je mehr Helfer nach Westafrika reisten, "desto höher ist dann natürlich auch das Risiko von Infektionen durch Heimkehrer", warnte Mattheis. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes haben sich hierzulande bislang erst etwa 200 geeignete Helfer gefunden, weitere Freiwillige werden gesucht.

Mädchen (2) stirbt in Mali an Ebola

MALI: Das mit Ebola infizierte Kleinkind in Mali war am Mittwoch in ein Krankenhaus in der Stadt Kayes gebracht worden, am Donnerstag stand nach offiziellen Angaben der Befund fest. Wenig später starb das Kind. Im selben Krankenhaus wurden Verwandte und andere Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt. Das Mädchen war nach Medienberichten zuvor im Nachbarland Guinea gewesen, das stark von der Seuche betroffen ist. Die Eltern waren beide an Ebola gestorben; die Großmutter brachte die Kleine nach Mali. Gesundheitsminister Ousmane Kone rief die Bevölkerung der Region auf, nicht in Panik zu verfallen und auf die Einhaltung strikter Hygienemaßnahmen zu achten. Das westafrikanische Mali ist bitterarm und verfügt nur über ein marodes Gesundheitssystem.

EU stockt Ebola-Hilfe auf mindesten eine Milliarde Euro auf

EU-HILFE: Die Europäische Union stockte ihre Hilfen für den Kampf gegen Ebola auf mindestens eine Milliarde Euro auf. Darauf einigten sich die Staats- und Regierungschefs der 28 Mitgliedstaaten bei ihrem Gipfel in Brüssel. Am Freitag lagen bereits konkrete Zusagen in Höhe von über 600 Millionen Euro vor. Die Hilfen soll der neue EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement, Christos Stylianides, koordinieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Epidemie als „außergewöhnliche Herausforderung“ für die gesamte Menschheit. Neue Hilfszusagen aus Deutschland gab es zunächst aber nicht. Die Bundesregierung betonte, sie haben mehr als 100 Millionen Euro mobilisiert - und damit mehr als die meisten anderen Staaten.

Welternährungsprogramm warnt vor Hunger in Afrika

HUNGER: Angesichts der Epidemie warnte das Welternährungsprogramm (WFP) vor Hunger in Westafrika. Bereits in diesem Jahr sei mit großen Ernteausfällen, steigenden Preisen für Grundnahrungsmittel und dem Zusammenbruch von Märkten zu rechnen, teilte die Organisation mit. Sollte die Epidemie weitere vier bis fünf Monate andauern, sei zu befürchten, dass Aussaat und Anbau für das kommende Jahr massiv beeinträchtigt würden. Guinea, Liberia und Sierra Leone sind am stärksten vom Ausbruch der Seuche betroffen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich bislang etwa 10 000 Menschen angesteckt. Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer.

IMPFUNGEN: Die ersten großangelegten Tests von Ebola-Impfstoffen in Westafrika können nach Einschätzung der WHO vielleicht schon im Dezember beginnen. Noch vor wenigen Tagen war die Organisation von einem Start im Januar ausgegangen. „Das zeigt, wie derzeit mit Hochdruck gearbeitet wird“, sagte die stellvertretende WHO-Generaldirektorin Marie-Paule Kieny in Genf. Sie schränkte aber ein, dass sich die Impfstoffe erst als effizient erweisen müssten. Eines der Mittel werde gerade in den USA, Großbritannien und Mali getestet, das andere in Deutschland, der Schweiz, Gabun und Kenia.

ANGST: Auf dem Madrider Flughafen starb ein Afrikaner einem Zeitungsbericht zufolge, weil Rettungskräfte aus Angst vor einer Ebola-Infektion nicht rechtzeitig in ein Krankenhaus brachten. Wie die Zeitung „El Mundo“ meldete, war der Nigerianer im Flughafengebäude zusammengebrochen. Die Rettungssanitäter alarmierten wegen Ebola-Verdachts ein Expertenteam mit Schutzanzügen, das aber erst nach 50 Minuten da war. Es stellte sich heraus, dass der Mann nicht an Ebola litt, sondern ein Schmuggler war. Eine oder mehrere Kokain-Kugeln waren im Körper des Mannes aufgeplatzt.

dpa/AFP

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