News-Ticker zur Bluttat in München

Staatsanwaltschaft pocht auf Haftbefehl für möglichen Amok-Mitwisser

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Blumen, Kerzen und Beileidsbekundungen vor dem Eingang des Olympia-Einkaufszentrums, wo ein Amokläufer neun Menschen tötete.

München - Über zwei Wochen ist der Amoklauf im Olympia Einkaufszentrum (OEZ) her, doch die Stadt beschäftigt er weiterhin. Alle aktuellen Entwicklungen erfahren Sie in unserem News-Ticker.

  • Am Freitag, 22. Juli, hat Ali David S. nahe des Olympia Einkaufszentrums (OEZ) neun Menschen und am Ende sich selbst getötet. 
  • Vor der Tat hatte der junge Mann sich mit Amokläufen beschäftigt und Antidepressiva genommen, die er zuletzt absetzte.
  • S. sah sich selbst als "Arier" und hegte ein "Höherwertigkeitsgefühl" gegenüber Arabern und Türken.
  • Die Tat wird nicht mit islamistischem Terror in Verbindung gebracht. Dennoch hat sie die Sorge um Sicherheit in München und ganz Deutschland verschärft.

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Die Entwicklungen am Samstag

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Staatsanwaltschaft München I hat nun doch Beschwerde dagegen eingelegt, dass der mutmaßliche Mitwisser des Amoklaufs im OEZ in München auf freiem Fuß bleibt. Das teilte Oberstaaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch mit. Das Landgericht lehnte es bisher ab, den 16-Jährige in Untersuchungshaft zu nehmen. Am Freitag hatte es geheißen, die Staatsanwaltschaft wolle keinen weiteren Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gegen den 16-Jährigen mehr einreichen. Zuvor hatte das Landgericht München auch das zweite Gesuch abgelehnt, den Jugendlichen in Untersuchungshaft zu nehmen.

Der mögliche Mitwisser hatte den 18 Jahre alten Amokläufer, der am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen hatte, nach Angaben der Ermittler im vergangenen Sommer in einer Psychiatrie kennengelernt. Am Tattag haben sich die beiden im Bereich des Tatorts getroffen. Möglicherweise wusste der 16-Jährige von der Waffe des 18-Jährigen.

Die Entwicklungen am Freitag

16.57 Uhr: Drei Wochen nach dem furchtbaren Amoklauf am 22. Juli zeigen wir eine Chronologie der Ereignisse aus der Vogelperspektive.

16.51 Uhr: Der mögliche Mitwisser der Amoktat von München bleibt auf freiem Fuß. Das Landgericht München habe den Antrag auf Erlass eines Haftbefehls abgelehnt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft I am Freitag in München.

Damit ist die Staatsanwaltschaft erneut mit ihrem Vorhaben gescheitert, den 16-jährigen in Untersuchungshaft zu nehmen. Bereits vor zwei Wochen hatte das Amtsgericht ein entsprechendes Gesuch abgewiesen. Die Staatsanwaltschaft will nach Angaben der Sprecherin nun keinen weiteren Antrag mehr einreichen.

Der mögliche Mitwisser hatte den 18 Jahre alten Amokläufer, der vor drei Wochen am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen hatte, nach Angaben der Ermittler im vergangenen Sommer in einer Psychiatrie kennengelernt. Am Tattag haben sich die beiden im Bereich des Tatorts getroffen, möglicherweise wusste der 16-Jährige von der Waffe des 18-Jährigen.

Die Entwicklungen am Mittwoch

11.56 Uhr: Für Betroffene des Amoklaufs von München hat die Stadt ein Spendenkonto und eine Servicestelle eingerichtet. Diese solle Menschen unbürokratisch Hilfe vermitteln, die durch das Erlebte psychische oder physische Verletzungen erlitten haben. Der Feriensenat des Stadtrats habe zur Finanzierung notwendiger Hilfeleistungen zusätzliche Mittel in Höhe von einer halben Million Euro bewilligt, teilte die Stadt am Mittwoch mit.

7.11 Uhr: Ali David S. wollte sich offenbar von der Polizei erschießen lassen. Wie die Bild berichtet, hätte er einen "suicide by cop" provozieren wollen, als er am späten Abend des 22. Juli einer Zivilstreife begegnete. Die Beamten sprachen ihn an, S. soll geantwortet haben: "Erschießt mich doch." Die Polizisten zogen sich zurück, der Amokschütze richtete sich selbst.

"Suicide by cop" ist ein Muster, das Menschen wählen, um Polizisten zum Todesschuss zu zwingen.

Die Entwicklungen am Dienstag

13.30 Uhr: Der Leichnam des 18-jährigen Amokschützen von München kann bestattet werden. Das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) und die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigten am Dienstag, dass die Leiche gegenüber dem zuständigen Standesamt freigegeben wurde. Laut LKA-Pressesprecher Ludwig Waldinger ist die Beisetzung „Sache der Familie“. Deshalb konnten die Behörden über das weitere Prozedere keine Auskunft geben. Die Obduktion der Leiche wurde laut Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am 23. Juli 2016 durchgeführt.

Zu den genaueren Umständen des Todes der Opfer, die von dem Attentäter erschossen wurden, wollte sich das LKA am Dienstag aus Pietätsgründen nicht äußern. Der Amokschütze hatte am 22. Juli beim Olympia-Einkaufszentrum in München neun Menschen erschossen. Anschließend tötete er sich selbst.

Die Entwicklungen am Sonntag

8.45 Uhr: Hamburgs Bürgermeister Scholz hat die Arbeit der Münchner Polizei gelobt: "Es ist klar, dass sich viele Sorgen machen, wenn sie von Anschlägen hören, wie sie jetzt auch in Deutschland stattgefunden haben. Gleichzeitig ist es aber gut zu wissen, dass die Polizei etwa in München schnelle und hervorragende Arbeit geleistet hat und dass man sich auf die Arbeit der Sicherheitsbehörden in den Ländern und im Bund verlassen kann. Grundlage für das Vertrauen in den Staat ist, dass das Erforderliche getan wird."

Die Entwicklungen am Samstag

10.21 Uhr: Rund zwei Wochen nach dem Amoklauf kursieren immer noch die wildesten Theorien über die Tat, den Täter und sein Motiv. 60 Polizisten der SoKo OEZ ermitteln weiter. tz.de hat zusammengestellt, was wir wissen - und was noch nicht geklärt ist.

9.09 Uhr: Die Alarmbereitschaft der Bundeswehr am Abend des Amoklaufs von München ist nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums "vorsorglich für den Fall einer konkreten Anfrage" entschieden worden. Dies teilte ein Sprecher am Freitagabend in Berlin mit.

Die Entwicklungen am Freitag

11.23 Uhr: Jetzt hat sich eine Frau im Internet zu Wort gemeldet, die den Anwohner vom OEZ angezeigt haben will. Sie spricht über ihre Gründe.

10.50 Uhr: Amokläufer Ali David S. (18) soll mit seinem Vater ein Waffentraining im Iran absolviert haben.

Die Entwicklungen am Donnerstag

16.17 Uhr: Er schimpfte Amokläufer Ali David S. (†18) von seinem Balkon aus - eine Szene, die Baggerfahrer Thomas Salbey (57) weltweit bekannt machte. Das Wortgefecht mit dem Mörder, das von einem Nachbarn auch auf Video dokumentiert wurde, hatte für den Moosacher ungeahnte Konsequenzen. Jemand hatte Salbey angezeigt. Wegen fahrlässiger Tötung! Die Staatsanwaltschaft München hat jetzt über die Anzeige gegen den Anwohner entschieden - auch Salbay hat sich geäußert. 

Die Entwicklungen am Mittwoch

16 Uhr: Die französische Zeitung Le Monde verzichtet auf den Abdruck von Attentäter-Fotos. Deren schreckliche Taten sollen nicht glorifiziert - und Nachahmer nicht ermutigt werden. Von der Universität Wien kommen nun andere Töne: Berichterstattung könnte helfen, weiteren Amokläufen vorzubeugen.

Zumindest sei das möglich, wenn über verhinderte Amokläufe berichtet wird, meint der Wiener Sozialmediziner Thomas Niederkrotenthaler in der morgen erscheinenden Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit aus der meedia.de zitiert. Das Medizinische Institut der Universität Wien arbeite derzeit an Medienempfehlungen zur Berichterstattung über Amoktaten.

Auf dasselbe Institut ist bereits die These zurückzuführen, dass Berichte über verhinderte Suizide die Anzahl der Selbstmordversuche senken könnten, berichtet meedia.de. Niederkrotentahler meint nun offenbar, dass dies auch bei potentiellen Amokläufern helfen könnte. 

Der Theorie zugrunde liege der Gedanke, dass positive Ausstiegsgeschichten (zum Beispiel Geschichten über Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen doch nicht das Leben nehmen, oder potentielle Attentäter, die sich noch anders entscheiden) präventiv wirken – dass dort also der so genannte Papageno-Effekt wirkt. Dieser geht auf die von Wolfgang Mozart geschriebene Oper „Die Zauberflöte“ zurück, in der Freunde den Vogelfänger Papageno vom Suizid abhalten. 

Der Papageno-Effekt setze aber voraus, dass bei Berichterstattung über Vorfälle auch Verzicht auf detailreiche Beschreibungen der Tat oder genaue Umstände verzichtet wird, um Gewalt und ihren Tätern keine Bühne zu bieten.

13.22 Uhr: Der Anwohner am OEZ, der Amokläufer Ali David S. beschimpfte, wurde angezeigt. Das hat Florian Weinzierl, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft München I, auf Anfrage der Redaktion bestätigt. Wer die Anzeige erstattete, werde aktuell ermittelt. Da die im Video festgehaltenen Beschimpfungen nach bisherigen Erkenntnissen erst nach der Tat passierten, hätten sie "nach vorläufigen Bewertungen keinen Einfluss auf die Tat", sagt Weinzierl. Von der Anzeige bliebe dann "Beleidigung zum Nachteil eines Toten - da wäre die gerichtliche Bewertung schnell abgeschlossen."

10.35 Uhr: Weltstar Rihanna gibt am Sonntag ein Konzert im Olympiastadion. Laut eines Medienberichts hat sie aber ihre Luxus-Hotel-Zimmer in München storniert - aus Angst vor Terror?

Die Entwicklungen am Dienstag

16 Uhr: "Es ist Zeit Danke zu sagen" - so beginnt eine berührende Mitteilung der Feuerwehr München. "Der Einsatz vom Freitag, 22. Juli 2016, im Olympia Einkaufszentrum hat bei uns einen tiefen und bleibenden Eindruck hinterlassen."

In den vergangenen Tagen habe es zahlreiche Einsatznachbesprechungen gegeben, schreibt die Feuerwehr. "Dabei war es allen am Einsatz beteiligten Einsatzkräften ein großes Anliegen auch den Münchnerinnen und Münchnern, die in diesen schweren Stunden in und um das OEZ waren, Dankeschön zu sagen! Sie haben in den ersten Minuten nach der Tat mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln Erste Hilfe geleistet. Danke allen, die ungeachtet der gefährlichen Situation unsere Kräfte unterstützten. Dieser Einsatz hat uns in vielen kleinen und großen Handlungen gezeigt, wie Solidargemeinschaft auch in schlimmsten Situationen funktioniert und die Einsatzkräfte wirkungsvoll unterstützt."

Das sind die Entwicklungen vom Montag

20.33 Uhr: Noch immer sind nicht alle Fragen bezüglich des Amoklaufs von München geklärt. Die Kripo fahndet nach wie vor mit Hochdruck nach den Hintergründen des Attentats. 

7.17 Uhr: Wie wurde aus Ali David S. ein Mörder? Dieser Frage geht auch der Jugendbeauftragte des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg, Nima Lirawi, auf den Grund. Laut Bild schickte er eine Anfrage an S. Schule, die sich vor allem darum dreht, warum keiner der Lehrer Ali S. Probleme bemerkt hatte.

Konkret möchte Lirawi wissen, ob den Lehrern das Mobbing aufgefallen sei, ob sie S. Fremdenhass bemerkten und sein Interesse am Töten. Seine Intention: Während alle nach nach mehr Polizisten rufen, möchte er den Blick auf die Ursachen des Amoklaufs richten und auf Mobbing aufmerksam machen.

Das sind die Entwicklungen vom Sonntag

17.27 Uhr: Die Vorsitzende des Vereins „München ist bunt“, Micky Wenngatz, hat davor gewarnt, Rassismus als Tatmotiv für den Amoklauf in einem Münchner Einkaufszentrum auszuschließen. Die Schlussfolgerung, der Täter habe selbst einen Migrationshintergrund, darum habe Rassismus keine Rolle gespielt, sei fatal. „Es müssen alle Motive ernsthaft geprüft werden“, sagte Wenngatz. „Denn nur dann lässt sich eine einseitige Beleuchtung der Dinge verhindern.“

17.22 Uhr: München hat in einem ökumenischen Gottesdienst der neun Todesopfer des Amoklaufs gedacht. Ab 18 Uhr findet ein Trauerakt im Bayerischen Landtag statt - wir berichten im Live-Ticker.

14.27 Uhr: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen findet um 16 Uhr ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des Amoklaufs im Münchner Liebfrauendom statt. Erwartet werden unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel. Der BR überträgt die Feier live

9.33 Uhr: Neun Tage nach dem Amoklauf spricht erstmals der Vater des Todesschützen, Masoud S., über die Bluttat und den Verlust seines Sohnes. Die Familie erhält Morddrohungen, S. sagt, ihr Leben in München sei "erledigt".

Das sind die Entwicklungen vom Samstag:

21.17 Uhr: Die Bild berichtet über neue Details aus dem mehrseitigen Dokument, das auf dem PC von Ali David S. gefunden wurde. Demnach habe er selbst es nicht "Manifest" genannt. "Viele Sätze machen keinen Sinn", sagte ein Ermittler der Zeitung über das Schriftstück. Ali David S. schrieb dem Bericht zufolge, wie er von der Realschule flog und auf die Mittelschule musste, gab dem Umfeld die Schuld. Er hasse alle Menschen. Zudem habe er darin eine Tat angekündigt.

14.39 Uhr: Die traurigen Ereignisse im OEZ und der letzten Tage und Wochen haben auch Auswirkungen auf das BMW-Festival zum 100-jährigen Jubiläum im Münchner Olympiapark.

14.22 Uhr: Was machte Ali David S. zwischen der Tat und dem Moment, als er von der Polizei gestellt wurde und sich erschoss? "Unsere These ist, dass er sich dort so lange verstecken wollte, bis die Polizei wieder weg ist", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch zur AZ. Mit dem Handy kommuniziert hatte er demnach nicht mehr - er war also auch nicht in Online-Netzwerken aktiv. In dem Bericht heißt es weiter, dass ein Tourist aus Kroatien das Video der Schüsse vor dem McDonald's aufgenommen habe, das um die Welt ging.

13.09 Uhr: Als Konsequenz aus den Anschlägen von Würzburg und Ansbach und dem Amoklauf von München hatte die bayerische Staatsregierung bei ihrer Klausurtagung ein Sicherheitskonzept mit dem Titel "Sicherheit durch Stärke" beschlossen. Es sei das "umfassendste und tiefste Sicherheitskonzept", das bisher in der Bundesrepublik vorgelegt worden sei, sagte Seehofer am Samstag. Seine Regierung werde alles daran setzen, es umzusetzen, um die Sicherheitslage zu verbessern.

12.57 Uhr: Die Bundeswehr erprobt womöglich bereits in den nächsten Monaten ihren Einsatz im Innern. "Noch in diesem Jahr sollte es eine erste Stabsübung geben, bei der die Bundeswehr in die Terrorabwehr eingebunden wird und wir Erfahrungen damit sammeln können", sagte der Chef der Innenministerkonferenz (IMK), Klaus Bouillon (CDU), der "Rheinischen Post" vom Samstag. An den Übungen wollten sich das Saarland, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt beteiligen. "Hätte es in München eine Terrorlage mit drei Tätern an drei Orten gleichzeitig gegeben, vielleicht mit Geiselnahmen, dann wäre die Polizei sehr schnell an ihre Grenzen gestoßen", sagte der saarländische Innenminister Klaus Bouillon der "Rheinischen Post". In einem solchen Fall müssten die vorhandenen Ressourcen genutzt werden. Einsätze der Bundeswehr im Inland würden natürlich unter Führung der Polizei und der Innenminister ablaufen.

11.42 Uhr: Nach den Gewalttaten von Würzburg, München und Ansbach sind die Buchungszahlen in deutschen Hotels vereinzelt zurückgegangen. „Gerade in Hinblick auf ausländische Buchungen spüren wir aktuell durchaus ein zögerliches Buchungsverhalten“, sagte der Hotelmanager des The Westin Grand Hotels in Frankfurt, Michael Fritz, der Deutschen Presse-Agentur. Auch im Pullman Hotel München waren besonders in den Tagen nach dem Amoklauf die Buchungen kurzfristig zurückgegangen. Große Hotelketten sprachen insgesamt aber von einem stabilen Buchungsverhalten. Die Best Western Hotels & Resorts verzeichneten keine kurzfristigen Buchungsrückgänge, erklärte das Unternehmen. Ähnlich sieht es bei der Maritim Hotelgesellschaft aus. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind keine Auswirkungen der jüngsten Anschläge auf die Buchungszahlen in unseren deutschen Hotels spürbar“, teilte Geschäftsführer Gerd Prochaska mit. Auch bei Steigenberger Hotels und Resorts liegen die Buchungszahlen „exakt im Plan“. Die Hotelkette Motel One wollte sich zu eventuellen Buchungsrückgängen nicht äußern.

11.38 Uhr: Die Bild berichtet weiter, dass 2012 drei Schüler Ali David S. aufgelauert seien, ihn mit einem Geodreieck bedroht und ihn geschlagen hätten. Das Verfahren sei eingestellt worden.

11.36 Uhr: Ein Anhaltspunkt auf eine zweite Waffe, eine "45er", stammte laut Bild lediglich aus einem Chat des Täters. Die Gerüchte des Spiegel, wonach es eine zweite Waffe gegeben habe, wurden vom LKA dementiert.

11.14 Uhr: Eine Warnung vor Ali David S. sei bei der Polizei vor der Tat nicht eingetroffen, erklärt ein Ermittler der Bild. "Uns war er bis zum Tatzeitpunkt nicht als potenzieller Gefährder bekannt."

10.58 Uhr: Es gab offenbar Kritik aus den Medien, weil der Amokläufer von einem Polizisten bei seinem Schussversuch nicht getroffen wurde. "Der betreffende Schütze hätte den Täter selbst gerne getroffen“, sagte Polizeisprecher Thomas Baumann laut verschiedenen Berichten am Freitag. "Aber nicht jeder Polizist ist ein SEK-Beamter, und die Qualität der Treffergebnisse ist nicht bei jedem gleich."

8.59 Uhr: Laut SZ ergab eine erste toxikologische Untersuchung: Ali David S. hatte nur noch leichte Spuren von Antidepressiva im Blut, er hatte die Tabletten gegen Depressionen, die er genommen hatte, vor dem Amoklauf also offenbar eigenhändig abgesetzt.

8.56 Uhr: Die Gerüchte um eine zweite Waffe beim Amoklauf halten sich hartnäckig. Das LKA jedoch dementiert einen Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“. „Weder bei der Staatsanwaltschaft noch bei der Sonderkommission haben sich Zeugen gemeldet, die bei dem Amokläufer eine zweite Waffe gesehen haben“, erklärte Ludwig Waldinger, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA). Nach derzeitigen Kenntnissen hatte der 18-jährige Amokschütze nur eine Waffe bei sich, eine Glock 17. Allerdings soll sich Ali S. im Internet dem Vernehmen nach auch nach Munition für eine andere Waffe erkundigt haben.

8.25 Uhr: Britta Bannenberg von der Uni Gießen erforscht Amoktaten. Und erklärt, wie man gefährdete Personen erkennt. "Diejenigen, die solche Taten begehen, lassen im Vorfeld nicht nur mal eine Drohung fallen, sondern mehrere. Sie vermischen manchmal auch Suizid- und Tötungsabsicht. Sie sagen: Ich bringe mich um, aber vorher mache ich noch etwas, das ihr nie vergessen werdet. Das machen sie oft nicht konkret, sondern deuten das beunruhigend und teils massiv an. Oder sie glorifizieren andere Attentäter."

8.06 Uhr: Winfried Kretschmann (Grüne) ruft angesichts des Amoklaufs und der Terroranschläge dazu auf, sich nicht von Angst leiten zu lassen. "Der Angstforscher Gerd Gigerenzer hat das sehr schön formuliert: Die Terroristen schlagen immer zweifach zu. Der erste Anschlag gilt unserem Körper, der zweite gilt unserem Gehirn. Gegen den ersten Anschlag versuchen wir uns zu schützen, so gut es geht. Vor dem zweiten Anschlag kann sich nur jeder selber schützen. Wenn wir dann aus Angst vor Terror unser Leben verändern, dann ist auch der zweite Anschlag gelungen. Dem müssen wir auf jeden Fall widerstehen."

Eine Woche nach dem Amoklauf von München

Eine Woche nach dem Amoklauf stand am Freitag das Gedenken im Mittelpunkt. Um der neun Opfer zu gedenken, soll auf Antrag mehrerer Stadtratfraktionen direkt am Tatort Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) ein Denkmal gebaut werden. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) begrüßte den Vorstoß, „die Erinnerung wach zu halten“. Das Geschehen am OEZ habe „unvorstellbares Leid über die Familien der Opfer gebracht“.

Auch McDonald's wollte der Opfer gedenken. In allen Filialen in Deutschland war für 17.50 Uhr am Freitag eine Schweigeminute angekündigt. Zu dem Zeitpunkt hatte das Blutbad am Freitag vergangener Woche in einer Filiale der Fastfoodkette begonnen.

Der mögliche 16-jährige Mitwisser des Schützen bleibt derweil bis auf Weiteres auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft hatte vergeblich versucht, beim Münchner Amtsgericht einen Haftbefehl für den Jugendlichen zu erwirken. „Der Amtsrichter hat am Freitag unseren Antrag abgelehnt“, sagte Staatsanwalt Florian Weinzierl. Das Gesuch wurde noch am selben Tag beim Landgericht eingereicht. Weinzierl rechnet aber erst ab Montag mit einer Entscheidung.

Die Verunsicherung der Münchner Bevölkerung zeigt sich auch an der Anzahl der Notrufe. „In München gingen allein zwischen 17.55 Uhr und 17.59 Uhr, also in den ersten vier Minuten nach den Schüssen, 95 Anrufe bei der Münchner Leitstelle ein“, teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit.

Für Sonntag ist ein ökumenischer Gottesdienst im Liebfrauendom geplant unter anderem mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und dem evangelischen Landesbischof und Vorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. Bei einem Trauerakt im Landtag soll unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck reden. Neben zahlreichen Landespolitikerin werden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Angehörigen der Toten erwartet.

Lesen Sie hier unseren News-Ticker zu der Schießerei im OEZ nach.

pak/dpa/lin

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