Pressekonferenz zur Bluttat in Franken

Ticker: Heldenhafter Einsatz beendet Amoklauf

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Ein Polizeifahrzeug steht am Freitag in Leutershausen bei Ansbach (Bayern) an einem abgesperrten Tatort.

Ansbach - In Mittelfranken erschießt ein Amokläufer eine Frau und einen Radfahrer. Aus einem Auto heraus bedroht der Schütze weitere Menschen und flüchtet. Kurz darauf Aufatmen: Der Mann ist gefasst.

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+++ Sie haben den Amokschützen entwaffnet, überwältigt und gefesselt: Die Mitarbeiter der Esso-Tankstelle in Bad Windsheim sind die Helden des Tages. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann war voll des Lobes für die Angestellten: „Ich bedanke mich für das mutige Einschreiten der Tankstellen-Mitarbeiter, die Schlimmeres verhindert haben“. Es war gegen 11.45 Uhr, als der Amokschütze mit seinem Mercedes Cabrio auf das Gelände der Tankstelle steuerte. Er stoppte den Wagen vor der Werkstatt. Ein Mechaniker (45) schaltete blitzschnell. Er hatte die Warnung vor dem Amokläufer, der in einem Mercedes-Cabrio unterwegs sein soll, zuvor im Radio gehört. Diese Warnung hatte die Polizei herausgegeben, als die tödlichen Schüsse auf die Rentner bekannt geworden waren. Laut Windsheimer Zeitung rief er seinen Kollegen „Vorsicht, Überfall!“ zu, als er das Auto und das Kennzeichen erkannte.

Einige Kollegen flüchteten daraufhin, mindestens zwei Mitarbeiter wurden vom Amokschützen jedoch mit der Pistole bedroht. „In dem Moment, als ich das im Radio hörte, sah ich durch das Werkstatttor den Mercedes auf dem Tankstellengelände stehen“, erzählt der Mechaniker gegenüber der tz. Der Amokläufer war offenbar gerade in den Verkaufsraum gelaufen. Als der Schütze die Schusswaffe kurz auf dem Verkaufstresen ablegte, reagierte eine mutige Mitarbeiterin sofort. Sie griff nach der Waffe und sei mit der Pistole nach nebenan geflüchtet, erzählt der Mechaniker weiter, „dort schloss sie sich in der Toilette ein“. Der Amokläufer sei nach draußen gerannt, er wollte offenbar vom Beifahrersitz seine zweite Pistole holen. Doch er hatte nicht mit dem Mechaniker und dessen Kollegen gerechnet. „Wir sind auf ihn drauf und haben ihn zu Boden gebracht“, sagt der Mechaniker.

Da sich der 47-Jährige heftig wehrte, fixierten ihn fünf Mitarbeiter, indem sie sich auf seine Arme, Beine und Körper knieten und ihn mit Kabelbindern fesselten. „Er rief wirres Zeug und bäumte sich auf.“ Minuten später war ein Großaufgebot an Polizei und Spezialeinsatzkräften an der Esso-Tankstelle mit angeschlossener Werkstatt.

Die Beamten sicherten den zweifachen mutmaßlichen Mörder und sperrten das Areal weiträumig ab. „Als die erste Streife kam und ihn abführte, sagte einer der Beamten, wir hätten ihnen viel Arbeit abgenommen.“ Da nicht ausgeschlossen war, dass der Amokläufer in seinem Cabrio auch Sprengstoff sowie weitere Munition aufbewahrt hatte, wurden auch Sprengstoffsuchhunde eingesetzt. Doch nach kurzer Zeit konnte Entwarnung gegeben werden.

+++ Die Münchner tz hat mit einer Augenzeugin im kleinen Ort Tiefenthal gesprochen. „Sie (die getötete 82-jährige Rentnerin) wollte die Blumen gießen und fing damit an. Dann kam eine Nachbarin zu ihr, beide unterhielten sich ein wenig.“ Als nächstes sah die Augenzeugin das Mercedes-Cabrio, das vor den Frauen hielt, dann hörte die Augenzeugin ein Krachen. Sie dachte dabei aber nicht an einen Schuss. Erst als sie sah, wie die 82-Jährige vor der anderen Nachbarin am Boden vor dem Haus lag, wurde ihr klar, was sich hier Unglaubliches ereignet hatte. „Die Frau wurde einfach erschossen.“ In der Folge herrschte in dem Ort Entsetzten, zumal bekannt wurde, dass auch in dem nur fünf Kilometer entfernten Rammersdorf ein Radfahrer getötet wurde. Rammersdorf besteht nur aus ein paar Häusern.

+++ Der BR Franken twitterte exklusiv ein Bild von der Festnahme des Amokläufers.

+++ Die PK ist beendet.

+++ Bei dem heutigen Einsatz waren über 100 Polizisten und vier Hubschrauber im Einsatz.

+++ Auf Twitter schreibt eine Schülerin aus Ansbach, per Durchsage während des Unterrichts sei verboten worden, das Schulgelände zu verlassen.  

+++ Für Hinweise sowie eventuelle Betroffene und Zeugen wurde eine Hotline eingerichtet (0800 77 66 310).

+++ Laut dem Leitenden Oberstaatsanwalt stammt der mutmaßliche Täter aus Ansbach. Bei der Tötung der 82 Jahre alten Frau sowie des zehn Jahre jüngeren Radfahrers handele es sich um Mord, bei den Schüssen auf einen Traktorfahrer gehen die Ermittler von versuchtem Mord aus.

+++ Ludwig Heß, der Bürgermeister von Leutershausen ist sichtlich betroffen von den Ereignissen. Er und die Bürger seien regelrecht "aus der Bahn geworfen", sagt er. Die erschossene ältere Frau kannte er gut, erzählt er. Sie hätte heuer Goldene Hochzeit (50-jähriges Ehejubiläum) gefeiert. "Ich bin den Tränen nah", sagt er erschüttert. "Es bleibt uns nur, den Hinterbliebenen unser Beileid auszudrücken.“

+++ Der Ansbacher Landrat Jürgen Ludwig ist angesichts der begangenen Taten erschüttert. Er dankt den Einsatzkräften vor Ort und drückt seine Anteilnahme aus. Die Anwohner seien "sehr verstört".

+++ Laut dem Leitenden Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof zeigte der mutmaßliche Täter nach seiner Festnahme "psychische Auffälligkeiten" und äußerte sich wirr. Ein psychiatrischer Sachverständiger wird den Mann noch heute untersuchen. Von dem Ergebnis hängt ab, ob ein Haftbefehl oder die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt beantragt wird. Ob der Mann in psychiatrischer Behandlung war, ist nicht bekannt.

+++ Der mutmaßliche Täter ist Sportschütze. Er hatte eine Besitze rlaubnis für einen Revolver und eine Pistole. Diese berechtigt zur Nutzung der Waffe im Sportheim, verbietet aber das ständige Tragen der Waffe. Der 47-Jährige habe die Waffen also besitzen und gesichert aufbewahren dürfen. Bisher war der Mann der Polizei nicht bekannt. Im Fahrzeug wurde eine der Waffen gefunden. Nach tz-Informationen ist der Mann Altenpfleger

+++ Um 10.02 Uhr ging bei der Einsatzzentrale Mittelfranken die Meldung von der erschossenen Frau samt einer Beschreibung des Fluchtautos ein. Als wenig später die Meldung zum erschossenen Fahrradfahrer hereinkam, war den Beamten klar, dass es sich um einen Amoklauf handeln müsse, so Polizeipräsident Roman Fertinger.

+++ Herrmann kann ebenfalls bestätigen, dass der mutmaßliche Täter und seine Opfer nicht miteinander verwandt sind. Es handelt es sich laut dem Oberstaatsanwalt "wohl um Zufallsopfer".

+++ Der Minister ist froh, dass der mutmaßliche Täter so schnell gefasst werden konnte. Den Angehörigen spricht er sein Beileid aus.

+++ Nach ersten Ermittlungen hatte der Mann die Mitarbeiter der Tankstelle in Bad Windsheim mit seiner Pistole bedroht. Als er sie kurz auf dem Tresen ablegte, nahm sie eine Mitarbeiterin an sich und flüchtete. Als der Mann aus dem Geschäftsraum rannte, konnten ihn zwei "mutige Mechaniker" überwältigen. Ihnen gebührt der Dank des Ministers: Sie hätten so Schlimmeres verhindert. 

+++ Zu Beginn der PK erklärt Minister Staatsminister Joachim Herrmann: Der mutmaßliche Täter sei Jahrgang 1968. Die ältere Dame war demnach sein erstes Opfer. Er erschoss sie gegen 10 Uhr, später den Radfahrer, einen 72-jährigen Mann aus dem Ortskern von Leutershausen. Ein Mann, den der Amokläufer anschließend bedrohte, aber am Leben ließ, konnte sich das Kennzeichen des Fluchtautos merken. Es ist auf den Vater des Tatverdächtigen zugelassen. 

+++ Der Bürgermeister von Leutershausen, Siegfried Hess, ist entsetzt: "In einem Ort mit 5500 Einwohnern, in dem wir immer beschaulich gelebt haben, kannte man solche Situationen nur aus dem Fernsehen", sagte er dem TV-Sender n24. In so einem ländlichen Gebiet könne man sich so etwas gar nicht vorstellen. "Und dann passiert so etwas vor der Haustür. Da fällt einem nichts mehr ein." Hess habe den Hinterbliebenen bereits kondoliert.

+++ Zwischen den beiden Todesopfern des Amokläufers besteht offenbar keine Verbindung. Einen terroristischen Hintergrund für die Tat schließt die Polizei ebenso aus wie etwaige Komplizen.

+++ Um 14.30 Uhr wird die Polizei eine Pressekonferenz abhalten, an der auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) teilnehmen wollte. Möglicherweise wird man dann weitere Hintergründe zu der schrecklichen Tat erfahren.

+++ Die Polizei hat die Festnahme des Amokläufers bestätigt. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr mehr.

+++ Der BR Franken meldet auf Twitter, der Amokläufer sei festgenommen worden. Demnach erfolgte der Zugriff um 11.54 Uhr durch Spezialkräfte an einer Tankstelle in Bad Windsheim.

Die "Nürnberger Zeitung" berichtet, der Tatverdächtige sei offenbar mit gezückter Waffe in den Verkaufsbereich der Tankstelle in Bad Windsheim eingedrungen. Mitarbeitern sei es gelungen, in zu überwältigen und mit Kabelbindern zu fixieren. Die Polizei bestätigte dies bisher nicht.

+++ Laut dem BR Franken hat sich die Tat in Tiefenthal bei Leutershausen im Kreis Ansbach ereignet. Die Polizei spricht von zwei Toten. Der Lokale Radiosender Radio 8 berichtet, der Täter solle aus einem Auto heraus eine ältere Frau erschossen haben. Laut dem BR ist sie 82 Jahre alt. Nach tz-Informationen goss sie gerade ihre Blumen. Sie starb noch am Tatort.

Danach fuhr der Täter mit einem silbernen Mercedes Cabrio mit Ansbacher Kennzeichen in den fünf Kilometer entfernten Ortsteil Rammersdorf und erschoss dort einen Fahrradfahrer, der ebenfalls noch am Tatort verstarb. Anschließend schoss der Mann auf einen Landwirt sowie auf einen weiteren Autofahrer oder bedrohte sie zumindest mit einer Waffe. Die beiden blieben nach ersten Erkenntnissen allerdings unverletzt, teilte das Nürnberger Polizeipräsidium mit. 

Die Polizei rief die Bevölkerung auf, bei Hinweisen auf den Wagen sofort den Notruf zu wählen. Keinesfalls solle man mit dem bewaffneten Fahrer Kontakt aufnehmen.

Zwei Tote bei Amoklauf in Ansbach: Bilder

Zwei Tote bei Amoklauf in Ansbach: Bilder

hn/tz/dpa/AFP

Lesen Sie auch eine Zusammenfassung der Amokfahrt vom Freitag.

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