Alle 116 Insassen tot

Mali-Absturz: Deutsche Familie unter den Opfern

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Eine Passagiermaschine von Air Algérie ist in Mali abgestürzt.

Algier - Französische Soldaten haben das Wrack und die Black Box des Air-Algérie-Flugzeugs im Norden Malis entdeckt. Keiner der 116 Menschen an Bord - darunter auch eine deutsche Familie - überlebte.

Beim Absturz des Flugzeugs über Mali sind alle der 116 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Unter den Toten ist auch eine vierköpfige Familie aus Deutschland. Es handelt es sich um eine Entwicklungshelferin und ihre Familie. Die Frau war für die Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Burkina Faso tätig. Das sagte ein GIZ-Sprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. „Wir sind tief betroffen von diesem tragischen Verlust. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, hieß es in einer kurzen Erklärung.

Das Auswärtige Amt bestätigte den Tod der Deutschen. „Bis zur Bergung der sterblichen Überreste der Opfer und bis zur Aufklärung der Umstände, die zu dem Absturz geführt haben, dürfte noch etwas Zeit vergehen“, sagte eine Sprecherin.

In dem westafrikanischen Krisenland stationierte Soldaten aus Frankreich erreichten in der Nacht zum Freitag das Wrack des zerstörten Flugzeugs. „Es gibt leider keine Überlebenden“, teilte der französische Präsident François Hollande wenig später mit.

Merkel erschüttert

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich erschüttert. „Ich möchte Ihnen und Ihren Landsleuten in diesen Stunden des Schmerzes die Anteilnahme der Menschen in Deutschland und mein ganz persönliches Mitgefühl ausdrücken sowie den Hinterbliebenen der Opfer mein aufrichtiges Beileid übermitteln“, schrieb sie dem französischen Staatspräsidenten. Ähnlich äußerte sich Merkel in einem Kondolenztelegramm an den Präsidenten des westafrikanischen Staates Burkina Faso, Blaise Compaoré. Aus dem Land kamen mehr als 20 Opfer.

Den Angehörigen der Opfer sprachen auch Hollande sowie die spanische Fluggesellschaft ihr Beileid aus. Paris ist besonders beteiligt, weil 51 der 110 Passagiere aus Frankreich kommen. Laut Swiftair flogen außerdem 24 Bürger Burkina Fasos, 8 Libanesen, 6 Algerier, 5 Kanadier, 4 Deutsche, 2 Luxemburger sowie jeweils ein Fluggast aus Mali, Belgien, dem Niger, Kamerun, Ägypten, der Ukraine, Rumänien und der Schweiz mit. Einige Identitäten waren zunächst noch unklar. Die 6 Besatzungsmitglieder stammten aus Spanien.

Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika kündigte eine dreitägige Staatstrauer für die Opfer an.

Französischer Minister: Wetter Ursache für Absturz

Der Flugzeugabsturz in Mali ist nach den Worten des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve vermutlich durch schlechtes Wetter verursacht worden. Die meteorologischen Bedingungen seien "die wahrscheinlichste Hypothese", sagte Cazeneuve am Freitag dem Radiosender RTL. Hollandes Informationen nach änderte die Besatzung wegen „besonders schwieriger Wetterverhältnisse“ die Route. Ob das der "Hauptgrund" für den Absturz sei oder ob es womöglich auch technische Probleme gegeben habe, müsse jetzt geklärt werden.

Die französische Regierung hält einen Raketenabschuss der Maschine für so gut wie ausgeschlossen. Diese Möglichkeit sei "höchst unwahrscheinlich, wenn nicht sogar unmöglich", sagte Verkehrs-Staatssekretär Frédéric Cuvillier am Freitag dem Sender France 2.

Schwierige Bergung

Das in dem westafrikanischen Krisenland stationierte französische Militär habe das Wrack der Maschine in einem schwer zugänglichen Wüstengebiet entdeckt, teilten die Betreiber des Flughafens von Ouagadougou in der Nacht auf Freitag mit. Es liege zwischen den Orten Gao und Kidal. Für Rettungskräfte sei es schwierig, dorthin zu gelangen. Die Regierung in Paris hatte zur Suche des Wracks zwei im Tschad stationierte Militärjets vom Typ Mirage 2000 geschickt.

Auch ein Flugdatenschreiber der Maschine wurde gefunden. Die Aufzeichnungen sollten sehr schnell analysiert werden können, sagte Frankreichs Präsident François Hollande am Freitagvormittag in Paris. Das Gerät sei bereits auf dem Weg zu Experten. „Die französischen Soldaten, die bereits vor Ort sind, sichern die Unglücksstelle“, ergänzte Hollande.

Nach Angaben der Airline war 50 Minuten nach dem Start in Ouagadougou der Kontakt zu Flug AH5017 abgebrochen. Nach stundenlanger Ungewissheit hatten zuvor der malische Präsident Ibrahim Boubacar Keita und ein Vertreter der UN-Mission in Mali den Absturz bestätigt. Das Flugzeug des Typs MD83 gehört der spanischen Swiftair und wurde von Air Algérie geleast.

Krisengebiet Mali

Frankreich unterhält in dem zentralafrikanischen Tschad eine Militärbasis, ist aber auch in Mali seit eineinhalb Jahren federführend an einem Anti-Terror-Einsatz gegen aufständische Islamisten beteiligt.

Diese hatten gemeinsamen mit Tuareg-Rebellen den nördlichen Teil Malis besetzt und das eroberte Gebiet für unabhängig erklärt. Französische und afrikanische Truppen konnten die Rebellen aus der Region zwar weitgehend vertreiben. Dennoch kam es immer wieder zu schweren Gefechten mit vielen Opfern. Erst vor wenigen Tagen haben Friedensgespräche zwischen der Regierung und den Rebellen begonnen.

Am Donnerstag vergangener Woche war eine Boeing 777-200 der Malaysia Airlines im Osten der Ukraine abgestürzt - bei dem mutmaßlichen Abschuss kamen 298 Menschen ums Leben. Am Mittwoch starben in Taiwan mindestens 48 Menschen bei der Bruchlandung eines Regionalflugzeugs vom Typ ATR 72 der Airline Transasia.

dpa/Afp

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