Britischer Hof beschwert sich beim Presserat

"Queen unterstützt Brexit"? "Sun"-Artikel hat Folgen

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So titelte die "Sun". Die Queen war "not amused".

London - Mit einem Bericht über die angebliche Brexit-Befürwortung durch Queen Elizabeth II. hat sich das britische Boulevardblatt "The Sun" den Zorn des Königshauses zugezogen.

Die Zeitung titelte am Mittwoch "Queen unterstützt Brexit" - und löste zwei Reaktionen aus: Der britische Hof dementierte umgehend diese Darstellung und legte zudem offiziell Beschwerde beim Presserat ein. Die Briten stimmen am 23. Juni per Referendum über ihre EU-Zugehörigkeit ab.

Die traditionell euroskeptische "Sun" berief sich in ihrem Titeltext zum einen auf eine anonyme "ranghohe Quelle", derzufolge die Königin gesagt habe, die EU "bewegt sich in die falsche Richtung". Das Blatt bezog sich auf ein angebliches Mittagessen der Queen im Jahr 2011 mit dem damaligen Vizepremier Nick Clegg von den Liberaldemokraten, der für einen Verbleib in der EU wirbt.

Das Gespräch habe "überhaupt keinen Zweifel an der Haltung der Queen zur europäischen Integration" gelassen, wurde der Informant zitiert. Sie habe ihren Gedanken "freien Lauf gelassen". Einer zweiten anonymen Quelle der "Sun" zufolge hatte sich die Queen zudem vor einigen Jahren bei einem Empfang im Buckingham-Palast mit einer Gruppe von Abgeordneten unterhalten. "Ich verstehe Europa nicht", soll sie dabei gesagt haben.

Dass sich die Queen zur Tagespolitik äußert, schickt sich in Großbritannien nicht. Nach Angaben des Palasts tat sie es auch in diesem Fall nicht: "Die Queen bleibt politisch neutral, wie sie es schon seit 63 Jahren ist", sagte ein Palastsprecher. Die "falschen, auf anonyme Quellen gestützten Behauptungen" würden nicht weiter kommentiert. "Das Referendum ist eine Angelegenheit, über die die britische Bevölkerung entscheiden muss."

Dem Sprecher zufolge legte der Palast zudem Beschwerde beim Presserat gegen die Titelseite ein. Diese befasst sich demnach mit der Vorgabe der "Exaktheit" aus dem Pressekodex. Die Medien dürften keine "falschen, irreführenden oder verzerrten Informationen oder Bilder" veröffentlichen, heißt es darin. Das gelte auch für Überschriften, die nicht durch den Text gedeckt seien. Geschieht es trotzdem, muss eine Korrektur und gegebenenfalls eine Entschuldigung folgen. Die "Sun" erklärte, der Beschwerde "energisch" entgegenzutreten.

Clegg selbst, EU-Befürworter und Mitglied der Regierung von Premierminister David Cameron in den Jahren 2010 bis 2015, dementierte den Bericht. "Das ist Unsinn", schrieb er im Internetdienst Twitter. "Ich habe keine Erinnerung an ein solches Ereignis - und es handelt sich nicht um die Art von Vorkommnissen, die ich vergessen würde."

Die "Sun" hatte schon zuvor das Königshaus verärgert, das nur äußerst selten Einblick in die Privatsphäre seiner Mitglieder gibt. Im Juli vergangenen Jahres veröffentlichte das Blatt Aufnahmen, welche die heutige Queen als Kind in Hitlergruß-Pose zeigen. Der Palast erklärte dazu damals, die Queen habe in ihrem damaligen Alter den Gesten mit Sicherheit keine Bedeutung zumessen können und sei komplett unschuldig gewesen.

Am Dienstag stichelte die Boulevardzeitung gegen Prinz William, nachdem offizielle Urlaubsfotos seiner Familie veröffentlicht worden waren. Sie warf ihm "Arbeitsscheu" vor. Wenige Wochen zuvor hatte ihn das Blatt als "widerwilligen Royal" betitelt.

afp

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