Nicht sensationell, aber interessant

Pink Floyd bauen Denkmal für toten Keyboarder

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Dave Gilmour, Roger Waters, Nick Mason und Richard Wrigth (v.l.) von der Band "Pink Floyd".

Berlin - Die gute Nachricht für Fans: Das neue Werk von Pink Floyd klingt in jeder Sekunde nach Pink Floyd. Es gibt aber auch eine schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht für Fans: Das neue Werk von Pink Floyd klingt in jeder Sekunde nach Pink Floyd. Die schlechte Nachricht: Niemand sollte ein ausgereiftes Album erwarten, das auch nur entfernt an Klassiker wie „The Dark Side Of The Moon“ oder durchkonzipierte Meisterwerke wie „The Wall“ heranreicht. Wer den Briten-Bombast früher mochte, dürfte an „The Endless River“ trotzdem Freude haben.

Schon einmal errichteten Pink Floyd einem Ex-Mitglied ein musikalisches Denkmal: 1975 war das, mit „Shine On You Crazy Diamond“. Einem Brocken von einem Song, gewidmet dem Band-Mitbegründer Syd Barrett, den Drogenkonsum in Verwirrung und Isolation getrieben hatte.

Jetzt ehren David Gilmour und Nick Mason - die beiden verbliebenen Bandmitglieder - mit einem neuen Album den 2008 an Krebs gestorbenen, eher unscheinbaren Keyboarder Rick Wright. „The Endless River“ ist ein Tribut an Rick“, sagt Drummer Mason. „Ich denke, dieses Album ist eine gute Anerkennung dafür, was er gemacht hat und wie sein Spiel das Herz des Pink-Floyd-Sounds repräsentierte.“

Der stille Wright stand stets im Schatten der Frontleute Gilmour und Roger Waters, der ihn Ende der 70er sogar aus der Band drängte. Dabei hatte Wright den 70er-Jahre-Erfolgssound mit seinen gedehnten, atmosphärischen Keyboard- und Orgelteppichen und jazzigen Harmoniewechseln mitgeprägt. Und überdies markante Songs wie „The Great Gig In The Sky“ komponiert. Trotzdem wurde Wright „unterschätzt, und zwar von der Öffentlichkeit, den Medien und früher auch von uns, wie ich mit großem Bedauern sagen muss“, sagte Gilmour in einem BBC-Interview.

Jahre nach Waters' Ausstieg bei Pink Floyd holten Gilmour und Mason ihren alten Wegbegleiter Wright zurück. Und fabrizierten mit ihm zwei Studioalben, zuletzt „The Division Bell“ (1994). Was für eine große Material bei den 93er „Bell“-Sessions anfiel, war bislang unbekannt. Im Geheimen machten sich Gilmour und Mason im vergangenen Jahr schließlich daran, ihren Schatz zu heben. Und bastelten an der wohl endgültig letzten Pink-Floyd-Veröffentlichung unter Mitwirkung von Rick Wright. Er sei sich sogar „ziemlich sicher“, dass dies die letzte Pink-Floyd-Veröffentlichung überhaupt sein werde, sagte Gilmour der BBC.

„Wir hörten uns durch über 20 Stunden Material, auf dem wir 3 zusammen spielten und wählten die Teile aus, an denen wir für das neue Album arbeiten wollten“, so Gilmour. Er und Mason fügten neue Parts hinzu, spielten andere neu ein und ertüftelten mit Hilfe moderner Studiotechnik eine 53-minütige Soundcollage. Mit Gilmours Worten entstand ein Pink-Floyd-Album, „das mit beiden Beinen im 21. Jahrhundert steht“.

Einen eigenständigen Albumcharakter hat „The Endless River“ trotzdem kaum. Gilmour und Mason liefern zwar aufwendig in Form gebrachtes Material in - wie bei Pink Floyd üblich - monströs-perfekter Produktion, an der neben Gilmour unter anderem Phil Manzanera werkelte. Und wie üblich wechseln sphärische Klänge mit Pink-Floyd-typischer Wucht. Viele Tracks treiben jedoch ohne erkennbare Ziele, ohne echte Höhepunkte dahin.

Beim Hören entsteht deshalb der Eindruck, als habe man eine Studio-Tür geöffnet und werde Zeuge einer inspirierten Session, nicht eines fertigen Album. Außer beim Schlusstrack „Louder Than Words“ gibt es keinen Gesang, keine klassische Songstruktur. Was fehlt, sind die Spannungsbögen, wie sie Pink Floyd in früheren Zeiten meisterhaft errichtete.

Für Fans dürfte „The Endless River“ trotzdem eine Freude sein - allein schon deshalb, weil die Band immer wieder Selbstzitate einstreut, die an Sequenzen aus einem der früheren 14 Alben erinnern. Die Bandgeschichte muss nach „The Endless River“ sicher nicht umgeschrieben werden. Aber immerhin um ein Kapitel erweitert.

dpa

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