Schlagersänger hat Geburtstag

Carpendale frustriert: "70 ist eine Scheiß-Zahl"

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Howard Carpendale.

München - Howard Carpendale ist seit Jahrzehnten aus dem deutschen Schlagergeschäft nicht wegzudenken. Und seit seinem Rücktritt vom Rücktritt scheint er auch für immer bleiben zu wollen. Jetzt feiert er einen runden Geburtstag - und das gefällt ihm nicht.

Glücklich ist Howard Carpendale über seinen runden Geburtstag nicht. „Das ist eine Scheiß-Zahl“, sagt er im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München. „Da stehe ich überhaupt nicht drauf, weil es mit meinem Empfinden nichts zu tun hat. Ich fühle mich nicht mal wie 60 - eher wie 45.“ Am 14. Januar wird Carpendale aber 70 - auch wenn er nicht so aussieht.

Zu seinem Ehrentag ist ein neues Album erschienen, das das zusammenfasst, was er im Laufe seiner langen Karriere auf Platte gebracht hat. Seine Fans haben dafür über ihre Lieblingslieder abgestimmt. Auf Platz eins: „Nachts wenn alles schläft“ - gefolgt von „Ti amo“ und „Hello again“. Carpendale-Klassiker.

„Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, ich will nicht mehr die Lieder von damals singen“, sagt er. „Die sind immer im Konzert dabei - gemischt mit neuen Titeln.“ Für ihn sei Entertainment aber mehr. „Entertainment ist, wenn man einem Publikum nicht einfach Lieder vorspielt, sondern es zweieinhalb Stunden lang unterhält.“

Auch wenn die Favoriten der Fans seit Jahrzehnten die selben sind - ansonsten hat sich seiner Ansicht nach durchaus etwas geändert an seinem Job: „Die Tage, wo man sich einen Smoking auf der Bühne anzieht, sind vorbei.“ Heute trage die Band eher „Straßenkleidung von guter Qualität“. „Es ist einfach ein bisschen lässiger geworden, das Ganze.“

Carpendale lebt heute in München

Wenn er wissen will, wie den Leuten ein Konzert von ihm gefallen hat, dann schaue er heute auch auf Facebook nach, sagt er. „Durch die sozialen Medien hat man eine sehr gute Chance, mit den Leuten zu kommunizieren.“

Als der gebürtige Südafrikaner seine Karriere begann, war das Internet noch Zukunftsmusik. Den Weg in seine spätere Wahlheimat Deutschland - heute lebt er in München - fand er mit einer Pop-Band, mit der er Ende der 60er Jahre durch die Bundesrepublik tourte. Er knüpfte Kontakte zu Plattenfirmen und feierte schnell erste Erfolge - unter anderem mit der deutschen Version des Beatles-Songs „Ob-La-Di, Ob-La-Da“.

Zum neuen Stern am deutschen Schlagerhimmel stieg er endgültig auf, als er 1970 mit „Das schöne Mädchen von Seite eins“ beim Deutschen Schlagerfestival in Wiesbaden siegte. Bis 1983 wurden seine 21 Alben insgesamt mehr als vier Millionen Mal verkauft, seine 25 Singles sogar mehr als zehn Millionen Mal.

Dabei hatte Howard Victor Carpendale - so sein voller Name - als Jugendlicher eigentlich eine ganz andere und sehr viel sportlichere Karriere angestrebt: Mit 17 Jahren wurde er südafrikanischer Jugendmeister im Kugelstoßen, mit 19 ging er nach England, um sich als Cricket-Profi zu versuchen.

Zum Geburtstag ein freier Tag

Dass er sich für einen anderen Weg entschieden hat, bereut er nicht - ganz im Gegenteil. „Eins wäre sicher: Das wäre schon längst vorbei“, sagt er über die Sportler-Karriere. „Ich bin sehr sehr froh, dass ich heute jeden Tag aufstehen und etwas tun kann, was nach wie vor für mich sehr wichtig und mit sehr vielen Zielen verbunden ist. In meinem Alter ist es eigentlich normal, dass man Probleme hat, seine Tage mit sinnvollen Dingen zu füllen. Ich denke im Gegenteil manchmal: Ein freier Tag würde guttun.“ Den gönnt er sich zum Geburtstag. Er will ruhig im Kreise seiner Familie feiern - „vielleicht in einem schönen Restaurant“.

Den Schock aus dem Jahr 2003 haben Carpendale und seine Fans inzwischen verdaut. Damals verabschiedete er sich unter Tränen aus dem Show-Geschäft und kündigte an, er werde nie wieder auf der Bühne stehen. Nur vier Jahre nach seinem Rückzug hatte Carpendale senior (sein Sohn Wayne hatte es inzwischen als Schauspieler auch zu einer gewissen Bekanntheit gebracht) es sich allerdings schon wieder anders überlegt und feierte seinen Rücktritt vom Rücktritt mit einer großen Tournee. „Es gibt ganz wenige Künstler, die aufhören und nicht ein Comeback irgendwann machen“, sagt er. „Man vermisst die Bühne schon sehr.“

Künftig will er aber nicht nur musikalisch von sich reden machen. Im kommenden Jahr will er ein Buch auf den Markt bringen: 18, 19 Kapitel „über alles Mögliche - von Politik über Sterbehilfe und über mein Leben“.

dpa

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