"Uraltes Verhalten": Ältestes Mordopfer entdeckt

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Das Foto zeigt einen etwa 430.000 Jahre alten menschlichen Schädel, der in der Knochengrube "Sima de los Huesos" in der Höhle Cueva Mayor (Spanien) gefunden wurde. Foto: Javier Trueba/Madrid Scientific Films

Der Schädel zweimal gespalten, der Fundort eine Höhle, der Todeszeitpunkt: vor 430.000 Jahren. Forscher glauben: Es war Mord.

Madrid (dpa) - In einer Höhle in Nordspanien wollen Wissenschaftler das älteste bekannte Mordopfer der Menschheitsgeschichte entdeckt haben.

Eine Attacke durch einen anderen Menschen sei "die plausibelste Erklärung" für die Art der Schädelverletzungen, schreibt das Team um Nohemi Sala vom Zentrum für Evolution und Verhaltensforschung in Madrid im Fachmagazin "PLOS ONE".

Das Opfer starb vor 430.000 Jahren. Der Schädel des Urmenschen, der zu den Neandertalern gehörte, wurde in Sima de los Huesos gefunden. Das ist eine archäologische Fundstätte in einem unterirdischen Höhlensystem. Die Höhle ist nur durch einen 13 Meter tiefen, senkrecht nach unten führenden Schacht zu erreichen. Dort fanden Archäologen menschliche Knochen, die mindestens 28 Individuen der Gattung Homo im mittleren Pleistozän zugeordnet wurden.

Der Schädel von "Cranium 17" konnte fast vollständig zusammengesetzt werden. Er weist zwei tiefe Frakturen an der Stirn auf, die nach Einschätzung der Wissenschaftler vom selben Gegenstand verursacht und vor dem Tode zugefügt wurden. Es sei "höchst unwahrscheinlich", dass die Verletzungen von einem Sturz oder einem Steinschlag stammen. Den Mann müsste zweimal dasselbe Objekt getroffen haben.

Wäre sein Schädel nach dem Tod verletzt worden - zum Beispiel durch Kannibalismus -, müsste man Spuren von Schnitten sehen. Hätte er die Verletzungen überlebt und wäre später an etwas anderem gestorben, sähe man den Heilungsprozess, schreiben die Forscher.

"Die Verletzungen scheinen von einem Werkzeug mit standardisierter Größe und Form verursacht worden zu sein." Würde ein Rechtshänder einen gegenüberstehenden Menschen mit einer Waffe angreifen, träfe er wohl genau die Stelle über der linken Augenbraue wie bei "Cranium 17". "Daher ist die plausibelste Erklärung für die Verletzungen vor dem Tode ein absichtlicher und wiederholter Schlag während einer tödlichen zwischenmenschlichen Auseinandersetzung", heißt es im Fazit der Studie.

"Das ist der früheste bekannte klare Fall von absichtlicher tödlicher Aggression, den man anhand von Urmenschen-Knochen rekonstruieren konnte. Und er zeigt, dass das uraltes menschliches Verhalten ist."

Bisher gab es den Angaben zufolge nur einen Fund aus dieser Zeit, der als mögliches Mordopfer eingestuft wurde. "Shanidar 3 Neandertal" hatte schwere Verletzungen über der neunten Rippe. Aber dieser Fall war nicht so eindeutig: Der Mann starb erst Wochen später - daher war nicht sicher, ob der Angriff unmittelbar zum Tode führte. Zudem kommt als Ursache auch ein Jagdunfall infrage.

Vielleicht haben die Forscher mit dem Urzeit-Mord auch das Rätsel der Fundstelle Sima des los Huesos gelöst. Bisher gab es verschiedene Theorien, wozu die Höhle diente. Jetzt schlussfolgern die Forscher: Die einzige Möglichkeit, wie Tote dort hineinkommen konnten, sei, dass die Leichen durch den Schacht geworfen wurden. Es handelt sich demnach also vermutlich um eine Art Friedhof.

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