Studie: Der Golfstrom wird schwächer

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Die Strömung des Golfstroms ist im Laufe des 20. Jahrhunderts stark abgeschwächt. Forscher vermuten dahinter den Klimawandel. Foto: Ulrich Scharlack/Archiv

Der Golfstrom ist wichtig für das milde Klima in Westeuropa. Nun deutet eine Studie darauf hin, dass sich die Strömung abschwächt. Ursache sei der Klimawandel, vermuten die Forscher.

Potsdam (dpa) - Der Golfstrom hat sich einer Studie zufolge im Laufe des 20. Jahrhunderts so stark verlangsamt wie anscheinend seit tausend Jahren nicht.

Besonders in den letzten Jahrzehnten habe sich die warme Meeresströmung deutlich abgeschwächt, berichtet ein internationales Forscherteam um Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Fachjournal "Nature Climate Change". Mögliche Ursache der Abschwächung sei der Klimawandel, vermuten die Wissenschaftler. Ein unabhängiger Experte bewertet diese Einschätzung skeptisch.

Die Wissenschaftler untersuchten die Temperaturen an der Wasseroberfläche im Nordatlantik. Da diese entscheidend von Meeresströmungen abhängen, erlauben sie Rückschlüsse auf die Stärke solcher Ströme. Die Temperaturen vergangener Jahrhunderte ermittelten die Forscher indirekt, aus der Analyse etwa von Ablagerungen am Meeresboden, Korallen, Baumringen oder Eisbohrkernen.

"Verblüffenderweise hat sich trotz fortschreitender globaler Erwärmung ein Teil des nördlichen Atlantiks in den letzten hundert Jahren abgekühlt", wird Rahmstorf in einer Mitteilung seines Instituts zitiert. Diese Abkühlung sei stärker, als von den meisten Computermodellen errechnet, berichten Rahmstorf und seine Kollegen.

Der Rückgang der Meerestemperatur südlich von Grönland liege offenbar daran, dass sich die große Umwälzströmung im Atlantik, die sogenannte Atlantic Meridional Overturning Circulation (AMOC), im 20. Jahrhundert deutlich abgeschwächt hat. Seit 1990 habe sie allerdings wieder ein wenig an Kraft gewonnen. Der Golfstrom ist Teil dieser Umwälzströmung.

Schon frühere Studien ließen vermuten, dass sich die AMOC abschwächt und dadurch der nördliche Atlantik abkühlt. "Jetzt haben wir starke Belege dafür gefunden, dass dieses atlantische Förderband sich in den vergangenen hundert Jahren tatsächlich verlangsamt hat, besonders seit 1970", sagt Rahmstorf.

Als Ursache der Abschwächung haben die Forscher den Klimawandel im Verdacht. Durch die Erwärmung schmelze immer mehr Eis auf Grönland, das als Süßwasser ins Meer fließe. Das verändere die Dichte des Meerwassers und dadurch auch das Strömungsverhalten. Der Golfstrom werde langsamer. "Dieser Effekt könnte noch zunehmen, wenn die weltweiten Temperaturen weiter ansteigen", sagt Mitautor Jason Box von der Geologischen Forschungsanstalt für Dänemark und Grönland.

Der Golfstrom sorgt für das meist milde Klima in West- und Mitteleuropa, da er Wärme von der Karibik transportiert. Eine Verlangsamung der Meeresströmung beträfe nicht nur das Meer, sondern auch das Klima bei uns. "Das relativ kalte Wasser im Nordatlantik kann bis nach Europa hinein leicht kühlend wirken, am stärksten in Küstennähe", sagte Rahmstorf. "Einige Studien deuten auch auf einen Zusammenhang zwischen den Wassertemperaturen im Nordatlantik und den Wintertemperaturen in Nordeuropa hin." Die anhaltende Erwärmung der Landmassen werde durch die Abkühlung über dem Nordatlantik aber wohl kaum verringert.

Der Klimaforscher Martin Visbeck vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel sieht Rahmstorfs Deutung der Ergebnisse kritisch: "Die Konzentration der Studie auf den subpolaren Teil des Atlantiks und die spektrale Analyse sind interessant", sagt er. Aber es gebe auch andere Schätzungen der AMOC, die auf einen ganz anderen Verlauf hindeuteten. Die Arbeit biete keine starken Hinweise auf die Entwicklung der AMOC während der letzen 50 Jahre.

Informationen zum Einfluss des Golfstroms auf Deutschland

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

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