Was Prince damit zu tun hat

S-Bahn-Session als Internet-Hit: Jetzt geht Anna auf Tournee 

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Anna Guder alias "Kiddo Kat".

Hamburg - Dank einer spontanen Session in der Frankfurter S-Bahn, die ihren Weg ins Internet fand, ist Anna Guder über Nacht berühmt geworden. Das Video wurde millionenfach geklickt.

Nach Maßstäben der Sozialen Netzwerke spielt die 25 Jahre alte Anna Guder plötzlich in einer Liga mit Beyoncé und Justin Bieber. Zumindest für einen Augenblick. Vor zwei Wochen haben Guder und die südafrikanische Musikerin Heidi Joubert ein kleines Musik-Video ins Netz gestellt. Seitdem ist nichts mehr, wie es vorher war.

Vor zwei Wochen hatte die in Berlin geborene Anna Guder gut 200 Fans auf ihrer Facebook-Seite unter ihrem Künstlernamen „Kiddo Kat“, eine Handvoll Songs veröffentlicht und die feste Hoffnung, dass es in ein paar Jahren schon klappen werde mit der Karriere.

Jetzt sind es schon 31 000 Likes auf ihrer Facebook-Seite. „Mir wurden bestimmt zwei Jahre geschenkt, die man sich sonst hätte hochspielen müssen“, sagt die 25-Jährige und strahlt. Mehr als 70 Millionen Mal wurde das Video von der Spontan-Session in der S-Bahn inzwischen angesehen. Der Applaus kommt aus der ganzen Welt.

"Wir waren so im Flow"

Die S-Bahn-Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein. Vor gut zwei Wochen ist Anna auf einer Musikmesse in Frankfurt, führt dort Instrumente vor. Dort lernt sie Heidi Joubert kennen. Die Südafrikanerin lebt in London und spielt Cajon, grob gesagt eine Kistentrommel. Auf dem Weg ins Hotel machen sie in der S-Bahn das, was sie den ganzen Tag gemacht haben: Musik. „Wir waren so im Flow.“

Der Song, den sie sich dazu aussuchten, war der Mega-Hit „Kiss“ von Prince. Nur wenige Tage, nachdem der Clip im Internet seine Eigendynamik entwickelt hatte, starb das US-Musikgenie - nach neuesten Erkenntnissen könnte eine Überdosis verschreibungspflichtiger Schmerzmittel schuld gewesen sein. So wurde die Darbietung im Nachhinein zu einer ganz besonderen Würdigung des Künstlers.

Ein Kollege filmt die Session mit dem Handy. Das i-Tüpfelchen des Videos ist dann der Fahrgast, der plötzlich textsicher mitsingt. Später stellt sich heraus, dass es der Rapper Ozzy Lino aus Malta ist, der ebenfalls von der Musikmesse kommt. Die Passagiere jubeln. Aber bald kommt das Gerücht auf, ein Instrumentenhersteller habe alles inszeniert. „Alles Quatsch.“ Also tatsächlich ein Zufall? Anna nickt heftig. „Das kannst du nicht faken. Das ist ein echter Moment, und ich glaube, das sieht man auch.“

Mehr Klicks als Beyoncé

Facebook bestätigt die Klickzahl, 70 Millionen, die das Video länger als drei Sekunden angeschaut haben. „Das sind sensationell viele“, sagt eine Sprecherin. Stars wie Beyoncé haben oft deutlich weniger. Und YouTube-Sprecher Henning Dorstewitz ergänzt anerkennend: „70 Millionen - das passiert nicht vielen Videos.“

Als Star fühlt sich Anna Guder trotzdem nicht. „Ich geh' hier nicht über die Straße und jeder kreischt - ich bin nicht Beyoncé.“ Vor ein paar Tagen war sie bei ihren Eltern, „das erdet“.

"Seit zwei Wochen auf Naturkoks"

Anna ist gerade von einem Auftritt aus München zurück. Sie ist seit dem Morgen auf den Beinen, hat eine Odyssee mit Bahn, Flugzeug und Mietwagen hinter sich. Jetzt sitzt sie aufgekratzt im Tonstudio. Weiße Turnschuhe, Jeans mit vielen Rissen, T-Shirt, blonde Haare bis zum Po. Sie lacht und kichert, albert herum, beantwortet auch nach gefühlt hundert Interviews geduldig die Fragen - und scheint es sogar zu genießen. „Seit zwei Wochen auf Naturkoks“, sagt sie und meint das Adrenalin.

Ja, Berlinerin, 25 Jahre alt, 2013 Sommer-Popkurs an der Musikhochschule, der Liebe wegen in Hamburg geblieben. Ihr Freund ist Philipp Weihe, der Sohn des Gitarristen, Produzenten und Dozenten des Popkurses, Peter Weihe. „Hamburg ist spannend, nicht so anonym wie Berlin, man kommt schneller in die Musikszene rein“, hat Anna festgestellt.

„Und Berlin ist voll Elektro-lastig“, sagt die Musikerin, „nicht meine Musik.“ Sie schreibt, arrangiert und spielt Funk, Groove, R&B. „Als ich klein war“, sagt das 169 Zentimeter große Energiebündel, „dachten meine Eltern, ich wäre taub, weil ich immer so nahe am Lautsprecher saß.“ Der Ohrenarzt habe die Eltern aber beruhigt. „Alles in Ordnung, die mag einfach nur Musik.“

Kurz-Tournee - und dann mal sehen

Der Auslöser, selbst Musik zu machen, war ein Kinofilm, sagt sie. Damals, mit 13 oder 14, habe sie mit ein paar Freundinnen „Freaky Friday“ gesehen. „Gleich nach dem Film haben wir unsere Band gegründet. Ich wollte eigentlich Schlagzeug spielen, aber meine Freundin war schneller.“

Jetzt geht Anna erstmal auf Kurz-Tournee. Und später wollen Anna, Heidi und Ozzy auf jeden Fall auch mal zusammen etwas auf die Beine stellen, „eine Session oder eine kleine Platte“. Im Moment scheint nichts unmöglich in Annas Welt.

dpa

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