Umstrittene App namens "Peeple"

Neue App lässt Menschen bewerten - Shitstorm

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Umstritten: Mit der neuen App "Peeple" sollen Menschen künftig andere Menschen bewerten können.

München - Mit der neuen App "Peeple" sollen künftig Menschen andere Menschen im Internet bewerten können. Der Shitstorm lässt da nicht lange auf sich warten.

Man findet sie überall. Sei es am Hotelempfang, im Taxi oder an der Rezeption vom ortsansässigen Zahnarzt, fast allerorts stapeln sich die Flyer und Zertifikate von Booking.com, Yelp, oder Tripadvisor. Diese Online-Rezensionsportale zeigen dem gewieften User, wie andere Personen ein bestimmtes Etablissement bewertet haben - und beeinflussen so das Auswahlverfahren der Konsumenten maßgeblich. Kein Wunder, dass sie sich immer größerer Beliebtheit bei den Unternehmen und Usern erfreuen. Ein neues Rezensions-Portal sorgt nun allerdings für Unmut.

Denn mit der neuen App "Peeple" sollen Menschen zukünftig andere Menschen beurteilen können - im Internet und für jeden frei einsehbar. Das berichtete die Washington Post vergangene Woche. Als Vorbild soll die Plattform "Yelp" dienen, bei der Personen die Qualität von Unternehmen bewerten können. Nur geht es bei "Peeple" eben nicht um Restaurants, Hotels oder Nachtclubs geht, sondern um Menschen. Und das gefällt nicht jedem.

Kann man wirklich die "Qualität" einer Person bewerten?

Menschen, die anderen Menschen auf einer Skala von eins bis fünf bewerten. Das klingt auf den ersten Blick verstörend. Das Problem, das viele Menschen mit dieser App haben, ist schnell ausgemacht: Denn um auf "Peeple" bewertet zu werden, muss man nicht einmal Mitglied der neuen App sein. Denn konkret bedeutet das, dass man sich nicht gegen eine Bewertung wehren kann.

Der Ärger über diese Einstellung entlud sich - wie im digitalen Zeitalter so üblich - in einem mächtigen Shitstorm gegen die Macher. Ihr Vorwurf: Cyber-Mobbing und sogar Faschismus.

Gründerinnen reagieren gelassen

Kritische Reaktionen, die die beiden kanadischen Erfinderinnen anscheinend nicht nachvollziehen können. Auf ihrer Facebook-Seite erklärten sie, dass man sich nicht entschuldigen müsse, ein mutiger Erfinder zu sein. "Die Leute recherchieren enorm viel, wenn sie ein Auto kaufen wollen. Warum sollte man ihnen diese Recherchemöglichkeiten nicht auch in anderen Lebensbereichen ermöglichen?", fragt Gründerin Julia Condray rhetorisch.

Trotzdem bleiben auch rechtliche Zweifel. Fachanwalt Karsten Gulden sieht in der neuen Bewertungsmöglichkeit eine schwerwiegende Verletzung der Persönlichkeitsrechte. "Es verletzt das Recht auf die informationelle Selbstbestimmung. Kommen noch Fotos der Personen und weitere Daten dazu, liegen auch massive Verstöße gegen das Recht am eigenen Bild vor", so der Medienexperte gegenüber Bild.

Doch diese rechtlichen Unklarheiten scheinen die beiden Entwicklerinnen nicht wirklich zu stören. Momentan befindet sich die Entwicklung der App zwar noch in der Beta-Phase - aber bereits im November soll die neue Anwendung auf den Markt kommen. Man müsse sich lediglich über den eigenen Facebook-Account einloggen. Helfen sollen dabei die 250.000 Dollar, die man von Investoren zum Start des Projekts gesammelt hat, so die beiden Entwicklerinnen Ab dann soll fleißig bewertet werden - vorerst jedoch nur auf iOS.

lp

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