Ringen um neue Verträge

Apple plant eigenen Musik-Streaming-Dienst

New York - Apple steht offensichtlich vor einem Großangriff im Markt für Musik-Streaming. Doch bevor der Konzern Spotify Konkurrenz machen kann, muss er erst noch Verträge mit der Musikbranche aushandeln.

Weniger als eine Woche vor der erwarteten Ankündigung seines Musik-Streamingdienstes hat Apple laut einem Zeitungsbericht noch keine neuen Deals mit den drei großen Plattenfirmen abgeschlossen. Die Präsentation könne verschoben werden, wenn die Gespräche nicht bis zum Start der Apple-Konferenz WWDC am kommenden Montag abgeschlossen werden sollten, schrieb das „Wall Street Journal“ in der Nacht auf Dienstag. Viele in der Musikindustrie rechneten aber mit einem baldigen Abschluss der neuen Verträge mit Universal Music, Sony Music und Warner Music.

Das soll Apples Musik-Streamingdienst kosten 

Den neuen Musik-Service wolle Apple mit uneingeschränktem Zugang zu Millionen Songs für zehn Dollar (9,15 Euro) im Monat anbieten, berichtete das „Wall Street Journal“. Damit läge der iPhone-Konzern auf einem Niveau mit Konkurrenten wie dem aktuellen Marktführer Spotify. In früheren Medienberichten hatte es noch geheißen, Apple habe einen deutlich niedrigeren Preis angepeilt. Außerdem habe Apple bei den Musikfirmen auch einige Gratis-Monate zum Start durchsetzen wollen.

Nach Informationen aus der Branche will Apple seinen Abo-Dienst im Sommer in mehreren Ländern starten und auch sein kostenloses iTunes-Radio international einführen. Bei dem bisher nur in den USA verfügbaren Radio-Dienst sollen die Kanäle auch von den bekannten Musikern Drake oder Dr. Dre befüllt werden, schrieb das „Wall Street Journal“.

Gratis-Angebot? Nicht mit Apple

Apple ist die Nummer eins bei Musik-Downloads aus dem Internet - doch dieses Geschäft schrumpft, während Streaming-Dienste auf dem Vormarsch sind. Dabei wird die Musik direkt aus dem Netz abgespielt und nicht heruntergeladen. Apple heizt mit dem neuen Service den Streit darüber an, ob Streaming-Dienste ein werbefinanziertes Gratis-Angebot haben sollen.

Die Musik-Konzerne drängen nach Informationen aus der Branche darauf, das Kostenlos-Angebot drastisch einzuschränken und schließlich ganz abzuschaffen. Apple sieht demnach keine Gratis-Variante vor, einige andere Dienste wie Napster oder Tidal haben sie auch nicht. Bei Spotify hingegen spielt das werbefinanzierte, für die Anwender kostenlose Angebot eine tragende Rolle. Nur rund jeder Vierte der insgesamt 60 Millionen Spotify-Nutzer zahlt für ein Abo. Bei dem französischen Anbieter Deezer ist der Anteil mit 6 von 16 Millionen etwas höher.

Apple könne seine über iTunes aufgebaute Position nutzen, um hunderte Millionen Kunden, deren Kreditkarten-Daten registriert sind, zu einem Abo-Modell zu bewegen, lautet die Hoffnung der Musikindustrie. Der Konzern hatte im Vorjahr für etwa drei Milliarden Dollar die Firma Beats gekauft. Das Unternehmen von Rap-Mogul Dr. Dre und Musik-Produzent Jimmy Iovine ist vor allem für trendige Kopfhörer bekannt, bietet aber auch schon seit einiger Zeit eine Musik-Flatrate an. Analysten hatten von Anfang an spekuliert, dass Apple es bei der relativ teuren Übernahme vor allem darauf abgesehen haben könnte. Der Beats-Streamingdienst kam in seinem einzigen Markt USA aber nach bisherigen Informationen auf lediglich rund 300 000 Kunden.

Apple verschiebt TV-Dienst

Der von Apple ebenfalls erwartete TV-Dienst mit Online-Zugang zum Programm amerikanischer Fernsehsender werde hingegen weiter auf sich warten lassen, berichtete das Technologieblog „Recode“. Die Rechteverhandlungen zögen sich hin, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Zuletzt war berichtet worden, Apple wolle den Dienst in den USA im Frühherbst mit Beginn der neuen Serien-Saison starten. Apple strebe auch an, als erster Anbieter lokale Sender online zu übertragen, schrieb „Recode“. Zuschauer in den USA brauchen für die meisten Sender teure Kabel- oder Satelliten-Verträge.

dpa

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