Traumauto im Test

Der neue Mercedes SL im Legenden-Check

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Seit über 60 Jahren ist das Cabrio im Mercedes-Programm – jetzt mit noch mehr Charakter.

Legenden haben was mit Leidenschaft zu tun. Und so manche Leidenschaft für so manche Legende kann man sich kaum leisten. Der Mercedes SL gehört wohl dazu.

Knapp 100.000 Euro kostet der kleinste Mercedes SL, der 400er, und bleibt deshalb für die meisten ein Traumauto. Wir hatten die Gelegenheit, den neuesten SL zu testen, um zu sehen, wie viel Leidenschaft in dieser Legende steckt.

Legenden sterben entweder sehr früh oder leben besonders lang. Das trifft insbesondere auf den SL zu, dessen Geburtsstunde auch für Mercedes eine Sternstunde war, als der Serien-Flügeltürer anno 1954 (im Rennsport gibt es ihn schon seit 1952) zum ersten Mal in New York vorgestellt wurde. Seitdem hat der Mercedes SL einen völlig eigenständigen Lebenszyklus. 

Die in der Industrie übliche Durchschnittsproduktionsdauer von sieben Jahren hat er stets gerissen: Der Flügeltürer wurde fast zehn Jahre gebaut, die Pagode knapp neun Jahre, die Baureihe 107 sogar 18 Jahre (von 1971 bis 1989). Und auch die aktuellen Modelle (R 230 und R 231 – die ersten mit Stahldach) scheinen einen längeren Atem zu haben. 2001 zum ersten Mal präsentiert und 2012 gründlich überarbeitet, ist jetzt das Facelift des R 231 auf den Markt, und ein Nachfolger (wieder mit Stoffdach, wie man hört) noch nicht im Vorstand beschlossen.

Ob geschlossen oder offen: Der neue Mercedes SL macht immer eine gute Figur, und auch die inneren Werte sind nicht zu verachten.

Mit Ausnahme des 300ers vielleicht ist der SL grundsätzlich ein Kompromissauto. Sportlich-elegant, knackig, aber komfortabel, Roadster und doch Limousine. Jetzt könnte man meinen, das hört sich nach einem faulen Kompromiss an. Aber das ist zu einfach gedacht, denn ein SL ist zwar kein Wolf im Schafspelz, aber wer im Sport+-Fahrmodus (das Raubtier fährt beim Gasgeben, Lenken und bei den Dämpfern seine Krallen aus) unterwegs ist, wird die sportlichen Qualitäten sehr zu schätzen wissen.

Vor allem beim aktuellen Modell sind sie besonders ausgeprägt, was man beim überarbeiteten Design sieht, das über ein bloßes Facelift weit hinausgeht. Schon die Front ist mit den mächtigen Powerdomes auf der Motorhaube, dem Diamantgrill und den wuchtigen Lufteinlässen wesentlich charaktervoller geworden. Um nicht zu sagen, dass der SL trotz seiner über 60 Jahre im Markt schon fast wieder wie ein Halbstarker auftritt, der mit seinem wohlgeformten Hinterteil die Damen schwach macht.

Wundervoll! Der Mercedes SL

Dieser SL schwingt nicht durch die Kurven, er swingt. Ob man die Kurvenneigetechnik dazu braucht, lassen wir mal dahingestellt. Die Herausbeschleunigung aus den Kurven ist beim mit 367 PS völlig ausreichend motorisiertem SL 400 satt! Schon klar, mit den acht Zylindern des SL 500 (455 PS) oder gar mit dem SL 63 AMG (585 PS) wirkt das alles noch viel knackiger und souveräner, aber es muss ja nicht unbedingt sein, zumal die beiden Muskelbrüder um 24.000 respektive 61.000 Euro (noch) teurer sind.

Mercedes SL 2016

Lieb und teuer sind auch die wundervollen Details des SL. Die Lufteinlässe an der Seite, die Chromspangen auf der Motorhaube, das luxuriöse Innenleben, das an einen Diwan aus 1001 Nacht erinnert – dazu die verschwenderische Blechpracht eines 4,60 Meter langen Autos mit der Passagierformel: 2 Pax = max! Im Legendencheck heißt das: Auch der neue SL spielt mit im Film „Legenden der Leidenschaft“. Auch der Preis ist Leidenschaft, die bei manchem Leiden schafft, aber welche Leidenschaft kostet schon kein Geld? 

Mercedes SL 500

  • Leistung: 455 PS
  • Drehmoment: 700 Nm
  • Höchstgeschw.: 250 km/h
  • 0 auf 100 km/h: 4,3 sek.
  • Antrieb: 9G-tronic-Automatik
  • Verbrauch EU: 9,0 l/100km
  • CO2: 205 g/km
  • Preis: 122.897,25 Euro

Luxusroadster: Der neue Mercedes SL

Rudolf Bögel

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