Wirtschaftsraum Solingen 2009



Das Versandhaus zum Anfassen

WALBUSCH 75 Jahre und kein bisschen leise: Das Traditionsunternehmen feiert das Jubiläum mit Kunden und Mitarbeitern.

Von Melissa Wienzek

Edle Strickblousons mit Alcantara für den modebewussten Herrn, pfiffig geschnittene Blazer mit Schmuckknöpfen für die elegante Dame, klassische Silverline- Hemden mit Haifischkragen für die jüngere Männergeneration – für all das steht das Familienunternehmen Walbusch, das Wert auf Qualität zum fairen Preis legt. Und das mittlerweile schon seit 75 Jahren. Von Rasierapparaten zu hochwertigen Textilien Walbusch kann auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken: Am 2. Mai 1935 legt Walter Busch den Grundstein für das heutige Textilversandhaus, das sich nicht nur in Deutschland einen Namen gemacht hat. Typisch für den Standort Solingen startete Walter Busch mit dem Verkauf von Schneidwaren. Seine erfolgreichste Geschäftsidee: der Rasierapparat mit geradem Kopf und schräg stehender Klinge.


Die Walbusch-Geschäftsführer Dr. Bert Hentschel (l.) und Christian Busch mit einem der Puzzle-Beutel, die aus dem größten Hemd der Welt gefertigt wurden. Der Erlös aus dem Verkauf kommt einem russischen SOS-Kinderdorf zugute.
Auch vor 75 Jahren war Walbusch schon ein Versandhaus: Die Produkte wurden von Anfang an per Post vertrieben – Mitte der 50er Jahre wird das Unternehmen dadurch zeitweise Marktführer in Deutschland. Erst Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre entwickelt sich die Walbusch-Produktpalette zunehmend in Richtung Bekleidung. Schon bald schafft die Solinger Firma an ihrem damaligen Sitz an der Albrechtstraße ihr eigenes Erkennungssymbol und hebt „Trelegant“ aus der Taufe: das bequeme Hemd mit einem Kragen ohne Knopf, das 1999 als europäisches Patent eingetragen wird. Billige Massenproduktion sollten die Textilien jedoch nie sein und auch nie werden, nahm sich damals Thomas Busch vor. Vielmehr sollte bequeme, aber gepflegte Mode zu einem erschwinglichen Preis hergestellt werden. Die heutige Geschäftsleitung verfolgt weiterhin dieses Ziel.




Hier entsteht das vollautomatische Hängelager. Von seiner Art (ohne Zwischendecken) gibt es in Kontinentaleuropa erst eins. Fotos (2): Christian Beier

Seit 1983 hat das Familienunternehmen seinen Stammsitz an der Martinstraße. In den 80er Jahren erobert Walbusch auch die Nachbarländer: 1989 wird eine Niederlassung in Bregenz, Österreich, gegründet, 1994 folgt die Eröffnung der Niederlassung in der Schweiz. Fünf Jahre später besetzt die Solinger Firma mit dem Gesundheitsversand „Avena“ eine Marktnische, 2000 erscheint mit „Mode von Frau zu Frau“ der erste Damenkatalog. Hochwertige Business- und Freizeitbekleidung für den stilsicheren Mann vermarktet Walbusch seit 2007 unter der Marke „Mey & Edlich“, nachdem das Unternehmen 2003 bereits mitder Übernahme der Traditionsmarke Klepper das Sortiment Funktionsbekleidung erheblich erweitert hat.

Dass Walbusch mehr ist als ein Modeversandhaus, beweist nicht nur die Eröffnung der ersten Filiale im März dieses Jahres in Recklinghausen (im Juni folgte ein Geschäft in Essen, im September eines im Rhein-Center Köln-Weiden). „Mit den Aktionen zum Firmenjubiläum erlebt der Kunde uns eben nicht nur aus dem Katalog, sondern kann sich jetzt eine Vorstellung davon machen, wer Walbusch eigentlich ist“, sagt Dr. Bert Hentschel, einer der zwei Geschäftsführer des Traditionsunternehmens. Unter dem Motto „Miteinander. Füreinander.“ haben sich die Walbusch-Mitarbeiter zum 75- jährigen Firmenjubiläum eine Vielzahl besonderer Veranstaltungen für ihre Kunden einfallen lassen (siehe links). Zuletzt wurde Ende Oktober eine Benefiz- Matinee zugunsten der SOS-Kinderdörfer mit Justus Frantz organisiert.

Das Konzert begeisterte mehr als 1800 Walbusch-Kunden – die Düsseldorfer Tonhalle war bereits wenige Tage nach Ankündigung ausverkauft. Zugleich markierte die Veranstaltung einen Meilenstein im Rahmen der Benefizaktion zugunsten des SOS-Kinderdorfs in Weißrussland. Seit Jahresmitte sind bereits 250 000 Euro zusammengekommen; bis Jahresende sollen es 500 000 Euro werden.

„Wir haben uns zum Multi-Channel- Unternehmen entwickelt.“ Christian Busch Geschäftsführer Besonders beeindruckt ist Dr. Bert Hentschel, wie perfekt die Walbusch-Mitarbeiter die Gastgeberrolle ausgefüllt haben: „Etwa 150 Kolleginnen und Kollegen waren im Jubiläumsjahr bei den verschiedenen Kundenveranstaltungen engagiert. Sie haben begrüßt, Rede und Antwort gestanden, individuelle Wünsche erfüllt – und waren dabei so höflich, sympathisch und kompetent, dass hunderte von Kunden sich mit Lobesbriefen für den perfekten Service bedankten.“ 25 Millionen Euro investiert Walbusch in die Neubauten Benefiz-Matinee, Reise mit dem „Traumschiff“ und das größte Hemd der Welt sind jedoch nicht die einzigen Jubiläumshöhepunkte für Walbusch in 2009: Im Eiltempo wächst das Unternehmen heran. Neben den drei er- öffneten Fachgeschäften in Recklinghausen, Essen und Köln- Weiden beschäftigen die Traditionsfirma zudem zwei Neubauten am Solinger Standort: die Erweiterung der Verwaltung sowie des Verkaufsraums am Haupthaus Martinstraße 18 und ein automatisches Hängelager an der Martinstraße 41. „Wir verdoppeln die Fläche des Verkaufsraums auf einer Ebene, so dass wir den Verkauf plus Nebenräume für die Kunden auf insgesamt 2000 m² erweitern“, erklärt Geschäftsführer Christian Busch. Darüber entstünden auf nochmals 3000 m² Büroflächen. Insgesamt habe der Neubau dann sechs Stockwerke. „Wir werden das Gebäude mit Erdwärme heizen“, so Busch. „2010 und 2011 werden wir dann intern umziehen und die Abteilungen optimieren.“

Platz für bis zu 350 000 Teile Ein wahres Platzwunder wird das automatische Hängelager werden: Bis zu 350 000 Teile, etwa Jacken und Hosen, können dort voraussichtlich ab Ende 2010 eingelagert werden. „Vom Boden bis zum Dach kann der Raum ohne Zwischendecken genutzt werden“, sagt Christian Busch. „Unser Neubau wird das zweite vollautomatische Hängelager in Kontinentaleuropa.“ Die Erweiterung sei notwendig, weil Walbusch Lagerfläche für die Zukunft schaffen wolle. 25 Millionen Euro steckt Walbusch in die Neubauten, um sich konsequent weiterentwickeln zu können. Das Traditionsunternehmen gehört zu den wenigen in Solingen, deren Mitarbeiterzahl wächst: 2006 waren es 641 Beschäftigte, 2008 schon 698. Momentan sind es rund 750. Im nächsten Jahr sollen neun weitere Stellen hinzukommen.

„Auch der Umsatz ist im Aufwärtstrend, obwohl die Erlöse des Textilhandels in Deutschland 2009 voraussichtlich erneut rückläufig sein werden“, so Bert Hentschel. 2006 erwirtschaftete das Unternehmen 223 Millionen Euro, 2008 waren es rund 256 Millionen. 2009 werden 279 Millionen Euro erwartet; 2010 peilt man die 293-Millionen-Marke an. „Wir haben uns vom klassischen Versandhändler zum Multi- Channel-Unternehmen entwickelt“, resümiert Christian Busch. Und die Erfolgsgeschichte Walbusch geht weiter.