Von Susanne Koch
Als Hans Peters 1997 den Kreisvorsitz
des Deutschen Gewerkschaftsbund
übernommen hatte,
beschlich ihn schnell das Gefühl,
von Teilen der Wirtschaft, aber
auch der Stadtverwaltung als
Überbringer einer schlechten
Nachricht verprügelt zu werden.
In seiner Antrittsrede und seinem
ersten Interview im Solinger
Tageblatt machte er sich bereits
große Sorgen über die wirtschaftliche
Zukunft des Bergischen
Städtedreiecks. Er prognostizierte
einen weiteren Verlust an Arbeitsplätzen
sowie einen Niedergang
bestimmter Schwerpunktindustrien.
Und er warnte davor,
dass die Region zum Notstandsgebiet
wird, wenn nicht gegengesteuert
wird.
„Heute mehr denn je
muss die Wirtschaft
umgebaut werden.“
Hans Peters Ex-DGB-Vorsitzender
„Ich habe damals schon Zusammenarbeit
gepredigt, sowohl von
Unternehmen als auch der drei
bergischen Städte, sowie eine
Umstellung auf Dienstleistung
gefordert“, sagt Hans Peters. Ein
Zusammenschluss sei auch damals
schon erforderlich gewesen,
um europäische Fördergelder zu
bekommen. Ein besonderes Augenmerk
hatte der Gewerkschafter
dabei auf die touristische Erschließung
der Region geworfen.
„Und ich bin heute noch davon
überzeugt, dass das richtig ist“,
betont der Pensionär.
Hans Peters hatte immer einen eigenen Kopf. Als Gewerkschafter sah er Entwicklungen voraus. Archivfoto: Uli Preuss |
Bei der Industrie- und Handelskammer,
aber auch bei vielen
alteingesessenen mittelständischen
Solinger Unternehmen
kam es nicht gut an, dass ein Gewerkschaftschef
die Wirtschaft
derartig in Misskredit brachte.
„Das wurde mir ziemlich übel genommen“,
erinnert er sich. Freuen
kann sich Hans Peters allerdings
heute überhaupt nicht darüber,
dass er mit seiner Vorhersage
ins Schwarze getroffen hat.
Durch die weltweite Krise, die
sich zurzeit in Kurzarbeit bei den
Zulieferern der Automobilindustrie
und den Maschinenbauern
ausdrücke, würden noch viele
Arbeitsplätze wegfallen. „Heute
mehr denn je muss die Wirtschaft
sich auf stete Veränderungen
einstellen.“
Und da gibt es für den leidenschaftlichen
Gewerkschafter und
ehemaligen SPD-Politiker (zwei
Mal trat er in die Partei ein und
wieder aus) gerade auch im
Dienstleistungsbereich Tourismus
noch einiges zu tun. „Wir
haben viele touristische Anziehungspunkte
im Bergischen
Städtedreieck.“ Das beginne bei
den vielen interessanten Museen
in Remscheid, Wuppertal und
Solingen und gehe über die verkehrstechnischen
Höhepunkte
wie die Schwebebahn, die
Müngstener Brücke und – als
jüngsten Clou – die Schwebefähre
bis hin zu den wunderbaren
Wander- und Radwegen. „Das
muss gemeinsam vermarktet
werden.“ Auch wenn mit der
Bergischen Entwicklungsagentur
einiges schon in Fluss gekommen
sei, reiche das nicht aus.
Hans Peters (rechts) mit seinem Nachfolger Klaus Reuter bei der Verabschiedung
in Wuppertal. Eine Feier in Solingen folgt am 24. November. Archivfoto: A. Fischer |
Als Schüler fiel Hans Peters
schon mit seinem ausgesprochenen
Gerechtigkeitsgefühl auf. Er
wurde Schriftsetzer und trat
während seiner Lehre in die Gewerkschaft
ein. „Eigentlich habe
ich da schon den Wunsch verspürt,
für sie zu arbeiten.“ Einige
Jahre, die er in verschiedenen
Unternehmen als Schriftsetzer
arbeitete, mussten noch vergehen,
bis er ein Studium an der
Akademie der Arbeit in Frankfurt
am Main absolvieren konnte.
Fächer unter anderem: Historischer
Materialismus, Soziallehre,
Volkswirtschaft.
Als bergischer Sturkopf bekannt
1979 wurde er Gewerkschaftssekretär.
Seitdem sei die Arbeit der
Gewerkschaften nicht leichter
geworden. Als man Peters zum
Regionalvorsitzenden des DGB
machte, besaßen die Gewerkschaften
schon nicht mehr die
Macht und den Einfluss, den sie
in den 60er und in den 70er Jahren
hatten. „Die Rechte der Arbeitnehmer
wurden weniger“,
sagt Hans Peters. Der „bergische
Sturkopf“ – wie er von vielen
auch wegen seiner Gradlinigkeit
und Ehrlichkeit bezeichnet wurde
– fordert aber ein, dass diese
nicht noch weiter abgebaut werden
dürfen. Es gehe um den solidarischen
Zusammenhalt in der
Gesellschaft, aber auch um volkswirtschaftliche
Klugheit. Wer
heute mit Minimallöhnen abgespeist
werde, belaste künftig –
spätestens aber als Rentner – die
öffentlichen Kassen. Hans Peters
zitiert immer wieder gerne den
früheren IG-Metall-Vorsitzenden
Frank Steinkühler: „Die Gewerkschaften
sind das Stärkste,
das die Schwachen haben.“