Wirtschaftsraum Solingen 2009



Den Tourismus ausbauen

GEWERKSCHAFT Ex- DGB-Chef Hans Peters forderte immer Zusammenarbeit in der Bergischen Region.

Von Susanne Koch

Als Hans Peters 1997 den Kreisvorsitz des Deutschen Gewerkschaftsbund übernommen hatte, beschlich ihn schnell das Gefühl, von Teilen der Wirtschaft, aber auch der Stadtverwaltung als Überbringer einer schlechten Nachricht verprügelt zu werden. In seiner Antrittsrede und seinem ersten Interview im Solinger Tageblatt machte er sich bereits große Sorgen über die wirtschaftliche Zukunft des Bergischen Städtedreiecks. Er prognostizierte einen weiteren Verlust an Arbeitsplätzen sowie einen Niedergang bestimmter Schwerpunktindustrien. Und er warnte davor, dass die Region zum Notstandsgebiet wird, wenn nicht gegengesteuert wird.

„Heute mehr denn je muss die Wirtschaft umgebaut werden.“ Hans Peters Ex-DGB-Vorsitzender

„Ich habe damals schon Zusammenarbeit gepredigt, sowohl von Unternehmen als auch der drei bergischen Städte, sowie eine Umstellung auf Dienstleistung gefordert“, sagt Hans Peters. Ein Zusammenschluss sei auch damals schon erforderlich gewesen, um europäische Fördergelder zu bekommen. Ein besonderes Augenmerk hatte der Gewerkschafter dabei auf die touristische Erschließung der Region geworfen. „Und ich bin heute noch davon überzeugt, dass das richtig ist“, betont der Pensionär.


Hans Peters hatte immer einen eigenen Kopf. Als Gewerkschafter sah er Entwicklungen voraus. Archivfoto: Uli Preuss
Bei der Industrie- und Handelskammer, aber auch bei vielen alteingesessenen mittelständischen Solinger Unternehmen kam es nicht gut an, dass ein Gewerkschaftschef die Wirtschaft derartig in Misskredit brachte. „Das wurde mir ziemlich übel genommen“, erinnert er sich. Freuen kann sich Hans Peters allerdings heute überhaupt nicht darüber, dass er mit seiner Vorhersage ins Schwarze getroffen hat. Durch die weltweite Krise, die sich zurzeit in Kurzarbeit bei den Zulieferern der Automobilindustrie und den Maschinenbauern ausdrücke, würden noch viele Arbeitsplätze wegfallen. „Heute mehr denn je muss die Wirtschaft sich auf stete Veränderungen einstellen.“

Und da gibt es für den leidenschaftlichen Gewerkschafter und ehemaligen SPD-Politiker (zwei Mal trat er in die Partei ein und wieder aus) gerade auch im Dienstleistungsbereich Tourismus noch einiges zu tun. „Wir haben viele touristische Anziehungspunkte im Bergischen Städtedreieck.“ Das beginne bei den vielen interessanten Museen in Remscheid, Wuppertal und Solingen und gehe über die verkehrstechnischen Höhepunkte wie die Schwebebahn, die Müngstener Brücke und – als jüngsten Clou – die Schwebefähre bis hin zu den wunderbaren Wander- und Radwegen. „Das muss gemeinsam vermarktet werden.“ Auch wenn mit der Bergischen Entwicklungsagentur einiges schon in Fluss gekommen sei, reiche das nicht aus.


Hans Peters (rechts) mit seinem Nachfolger Klaus Reuter bei der Verabschiedung in Wuppertal. Eine Feier in Solingen folgt am 24. November. Archivfoto: A. Fischer
Als Schüler fiel Hans Peters schon mit seinem ausgesprochenen Gerechtigkeitsgefühl auf. Er wurde Schriftsetzer und trat während seiner Lehre in die Gewerkschaft ein. „Eigentlich habe ich da schon den Wunsch verspürt, für sie zu arbeiten.“ Einige Jahre, die er in verschiedenen Unternehmen als Schriftsetzer arbeitete, mussten noch vergehen, bis er ein Studium an der Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main absolvieren konnte. Fächer unter anderem: Historischer Materialismus, Soziallehre, Volkswirtschaft.

Als bergischer Sturkopf bekannt

1979 wurde er Gewerkschaftssekretär. Seitdem sei die Arbeit der Gewerkschaften nicht leichter geworden. Als man Peters zum Regionalvorsitzenden des DGB machte, besaßen die Gewerkschaften schon nicht mehr die Macht und den Einfluss, den sie in den 60er und in den 70er Jahren hatten. „Die Rechte der Arbeitnehmer wurden weniger“, sagt Hans Peters. Der „bergische Sturkopf“ – wie er von vielen auch wegen seiner Gradlinigkeit und Ehrlichkeit bezeichnet wurde – fordert aber ein, dass diese nicht noch weiter abgebaut werden dürfen. Es gehe um den solidarischen Zusammenhalt in der Gesellschaft, aber auch um volkswirtschaftliche Klugheit. Wer heute mit Minimallöhnen abgespeist werde, belaste künftig – spätestens aber als Rentner – die öffentlichen Kassen. Hans Peters zitiert immer wieder gerne den früheren IG-Metall-Vorsitzenden Frank Steinkühler: „Die Gewerkschaften sind das Stärkste, das die Schwachen haben.“