Von Karl-Rainer Broch
Auf eine 175-jährige Tradition
können nur wenige Solinger Firmen
zurückblicken. Die Robert
Klaas GmbH & Co. KG feierte
vor wenigen Wochen das Jubiläum
des 1834 gegründeten Unternehmens.
Gefeiert wurde im Romantik-
Hotel Gravenberg, gearbeitet
wird an der Pfeilstraße 37,
die man von der Merscheider
Straße aus über die Robert-
Klaas-Straße erreicht. Diese Namensgebung
war ein Geschenk
der Stadt Solingen zum 100-jährigen
Jubiläum.
Hans-Gerd Schiesen, neben
seinem Bruder Ernst Jürgen Gesellschafter
seit 1961, hält die
Schneidwarentradition in der
Klingenstadt hoch: „Wir haben
für Solingen gelebt und in der
ganzen Welt für ein gutes Image
der Schneidwarenindustrie geworben.
Das ist für uns auch Verpflichtung
für die Zukunft.“
Allerdings macht die weltweite
Wirtschaftskrise auch Robert
Klaas zu schaffen – besonders auf
Die Inhaber Ernst Jürgen (l.) und Hans-Gerd Schiesen (r.) mit Betriebsleiter Karl-Heinz Storsberg und dem Musterbuch. Fotos: Christian Beier |
dem
amerikanischen Markt mit
den Marken „Kissing Crane“ und
„Hen and Rooster“. Schiesen:
„Zudem hat der starke Eurokurs
zu einem teilweise drastischen
Umsatzeinbruch geführt. Von
Kurzarbeit sind wir aber bisher
verschont geblieben.“ Die Messerproduktion
wurde aber heruntergefahren.
Auch die Tendenz vieler Käufer,
sich für Billigware aus Fernost
zu entscheiden, weil in Solingen
hergestellte Ware zu teuer ist,
macht es nicht leichter, die Umsätze
zu halten. Allerdings zeigte
sich auf dem gerade beendeten
MesserGabelScheren-Markt im
Industriemuseum, dass es auch
andere Kunden gibt – die bereit
sind, für ein Solinger Produkt einen
entsprechend höheren Preis
zu zahlen.
Viele Arbeitsschritte erfolgen
in Heimarbeit
Für Robert Klaas sind Solinger
Heimarbeiter tätig. Für die vielen
verschiedenen Arbeitsgänge von
der Rohware übers Schleifen bis
zur Montage muss die Ware
ständig hin- und hertransportiert
werden, ehe die Produkte in den
Versand kommen. Seit Jahren
sieht man bei Klaas mit Sorge,
dass sich immer weniger junge
Leute in der Schneidwarenindustrie
ausbilden lassen und Heimarbeiter
aus Altersgründen ihre
Kotten aufgeben.
Erika Puhatsch, wie viele in der Belegschaft eine langjährige Mitarbeiterin, bei
der Endkontrolle eines Messers. |
Die Spezialisten, besonders in
der Taschenmesser-Fertigung,
sterben aus, und Nachwuchs ist
nicht vorhanden. Das wirkt sich
aktuell auch auf die Rasiermesser-Fabrikation aus. Dabei erleben
Rasiermesser gerade weltweit
eine Renaissance – als wertvolles
Geschenk für den Mann.
Karl-Heinz Storsberg, seit
über 40 Jahren als Fabrikationsleiter
für die Fertigung und für
alle schwierigen Probleme zuständig,
ist Hüter des historischen
Musterbuches: Alle bei Robert
Klaas hergestellten Taschenmesser
und Scheren werden
exakt in Zeichnungen dokumentiert
– die ganze Produktionsvielfalt
des Traditionsbetriebs.
„Die Spezialisten
sterben aus.“
Hans-Gerd Schiesen Gesellschafter
Neben Scheren in allen gangbaren
Ausführungen ist die Firma
auf die Herstellung von feinen
Taschenmessern spezialisiert.
Alle werden noch in Handarbeit
hergestellt, so wie früher. Am
gängigsten sind dreiteilige Messer
in unterschiedlichen Größen
mit großer und kleiner Klinge sowie
dem klassischen Korkenzieher.
Der Unterschied zu den preiswerten
Massenprodukten fällt
sofort ins Auge: Für die Beschalungen werden beispielsweise
edle Hölzer (wie Wurzelolive
oder Mooreiche) sowie Büffeloder
Hirschhorn verwendet.
Selbst Beschalungen in echt Perlmutt
finden noch ihre Abnehmer.
Außerdem sind es technische
Details, die Sammler an den
Klaas-Taschenmessern schätzen.
Glanzstück ist das zum Firmenjubiläum
herausgebrachte
300-Lagen-Damastmesser mit
großer Klinge, Kapselheber und
edler Olivenholz-Beschalung.
Das gute Stück gibt es für 299
Euro im Fachhandel.
Die deutschen Fachgeschäfte
sind ein wichtiger Vertriebsweg.
Weltweit haben für Robert Klaas
vor allem die Märkte in den USA
und in Europa – hier speziell in
Osteuropa – Bedeutung. Sie werden
nicht zuletzt durch den langjährigen
Handelsvertreter Werner
Maus erfolgreich bearbeitet.
Sorgen bereitet den Inhabern
Hans-Gerd und Ernst Jürgen
Schiesen, inzwischen 74 und 71
Jahre alt, jedoch die Nachfolgefrage
der in sechster Generation
bestehenden Firma. Allerdings
zeichnet sich in naher Zukunft
eine Lösung ab, die den Fortbestand
als Familienunternehmen
sichern soll.