Wirtschaftsraum Solingen 2009



Schöner wohnen im Alter

SPAR- UND BAUVEREIN Im Weegerhof folgt die Genossenschaft der demografischen Entwicklung.

Von Robert Franz

Wenn in der Stadt vom Weegerhof die Rede ist, wird ganz selbstverständlich auch die Traditionssiedlung des Solinger Spar- und Bauvereins (SBV) einbezogen. Dass dies auch künftig so bleibt, daran baut die Genossenschaft im wahrsten Sinne des Wortes: 45 neue seniorengerechte Wohnungen und 28 für betreutes Wohnen entstehen derzeit zwischen Hermann-Meyer- und Fritz-Reuter-Straße. Wie die Anlage später aussehen wird, zeigt ein hübscher Prospekt, mit dem der SBV bei seinen Mitgliedern für das Projekt wirbt. Während die Klinkerfassade zur Straßenfront ein wenig an die Industriebauten am Grünewald erinnern soll, bieten die Wohnungen zur Gartenseite viel Grün und im Erdgeschoss eigene Gärten für die künftigen Mieter.

Vier Millionen Euro fließen dieses Jahr in Neubauten

„Der demografischen Entwicklung folgend, setzen wir jetzt den Schwerpunkt beim Wohnen im Alter“, erklärt Vorstandsvorsitzender Ulrich Bimberg das Konzept der größten Baugenossenschaft im Rheinland. Und dass dieses mehr beinhaltet als Tiefgarage, Fahrstuhl und barrierefreie Dusche wird schnell deutlich, wenn der 55-Jährige in seinem Büro den Prospekt aufklappt und auf den Lageplan zeigt: „Gerade die Nahversorgung ist besonders wichtig, und fußläufig erreichen sie hier alles, was im täglichen Leben nötig ist, von Supermarkt bis zur Arztpraxis.“ Ansprechen will der SBV Solingen mit der neuen Wohnanlage insbesondere die älteren Mitglieder und Interessenten, die bislang noch keine Mieter sind, darunter auch solche, die über ein gutes Einkommen verfügen und deshalb keinen Wohnberechtigungsschein bekommen können.


Die Vorstände Ulrich Bimberg (l.) und Gerhard Rohde an der Höhscheider Baustelle. Fotos: Christian Beier
Mehr als vier Millionen Euro investiert der Spar- und Bauverein Solingen in diesem Jahr allein in dieses Projekt, knapp ein Viertel der gesamten Investitionen in 2009. Insgesamt überwiegt im Etat der Genossenschaft der Anteil für Erneuerungen. Viele ältere Wohneinheiten werden etwa nach den neuesten Standards für Wärmedämmung ausgestattet. Denn, da ist sich Bimberg sicher, die Mitglieder wollen in modernen Wohnungen mit überschaubaren Nebenkosten leben.

Ebenso zeitlos modern ist aus Sicht des Sozialökonomen aber auch die Philosophie des Sparund Bauvereins. Bimberg: „Der Genossenschaftsgedanke hat nicht an Ausstrahlung verloren. Wir sind auch eine Heimat für die, die sich nicht auf dem Markt durchsetzen können.“ So sieht er die genossenschaftliche Idee gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten im Aufwind. „Wir haben eine weiterhin attraktive und gute Rechtsform“, zeigt sich Bimberg überzeugt.

Transparenz sei dabei ein ganz wesentliches Merkmal der Genossenschaft. Transparenz sei fester Bestandteil der strategischen Ziele des Unternehmens. Deutlich wird dies für Ulrich Bimberg etwa dann, wenn es darum geht, einzelne Häuser aus dem Bestand zu verkaufen. Auch wenn die Bewohner hierüber nachvollziehbar nicht glücklich seien, werde doch der Entscheidungsweg offen gelegt. Für Bewohner, die weiterhin im Sparund Bauverein leben wollten, würden selbstverständlich die Umzugskosten übernommen.

„Wir sind auch eine Heimat für die, die sich nicht auf dem Markt durchsetzen können.“ Ulrich Bimberg Vorstand

Und mit Veränderungen müssen die Menschen der SBV-Siedlungen auch weiterhin rechnen, denn bei immer mehr Objekten ist der Neubau inzwischen wirtschaftlicher als die Sanierung. „Oft bleibt nicht mehr als eine leere Hülle stehen“, weiß Bimberg von den Projekten zu berichten. Dass es dem SBV möglich ist, nach dem Börkhauser Feld nun ein weiteres innovatives Projekt zu stemmen, liegt aus Sicht des Vorstandschefs auch an der Struktur der Genossenschaft, die bis heute die Spareinrichtung beinhaltet. Vor allem in den vergangenen Monaten habe man von der Finanzkrise insofern profitiert, als das Sparvermögen um 2,7 Millionen Euro gewachsen sei.

Zeitgemäß arbeitet die Genossenschaft auch mit Partnern zusammen. Unter dem neudeutschen Stichwort Contracting hat der SBV mit den Stadtwerken Solingen einen Vertrag zur Bereitstellung von Energie für die Siedlung Weegerhof geschlossen. Die Stadtwerke stellen die Wärmeversorgung der Bewohner über ein Blockheizkraftwerk sicher. Die damit eingesparten Gelder für neue Heizungsanlagen konnte der Spar- und Bauverein in die Renovierung der Siedlung stecken.

Diese intensive Zusammenarbeit mit Partnern wird es auch in der neuen Seniorenwohnanlage geben. Unter Dach und Fach ist bereits ein Rahmenvertrag mit dem Diakonischen Werk Bethanien für die Betreuung und Pflege in den drei Wohngemeinschaften der Anlage.


„Aber auch die Nachbarschaft wird wichtig bleiben“, ist Bimberg überzeugt. Er sieht die Solinger Spar- und Baugenossenschaft traditionell in der Pflicht, die Eigeninitiative zu fördern. Der Erfolg des neuesten Projekts zeichnet sich bereits ab: Die meisten Wohnungen am Weegerhof werden voraussichtlich bereits vermietet sein, wenn die neue Anlage in einem Jahr bezogen werden kann.