Von Robert Franz
Wenn in der Stadt vom Weegerhof
die Rede ist, wird ganz selbstverständlich
auch die Traditionssiedlung
des Solinger Spar- und
Bauvereins (SBV) einbezogen.
Dass dies auch künftig so bleibt,
daran baut die Genossenschaft
im wahrsten Sinne des Wortes:
45 neue seniorengerechte Wohnungen
und 28 für betreutes
Wohnen entstehen derzeit zwischen
Hermann-Meyer- und
Fritz-Reuter-Straße. Wie die Anlage
später aussehen wird, zeigt
ein hübscher Prospekt, mit dem
der SBV bei seinen Mitgliedern
für das Projekt wirbt. Während
die Klinkerfassade zur Straßenfront
ein wenig an die Industriebauten
am Grünewald erinnern
soll, bieten die Wohnungen zur
Gartenseite viel Grün und im
Erdgeschoss eigene Gärten für
die künftigen Mieter.
Vier Millionen Euro fließen
dieses Jahr in Neubauten
„Der demografischen Entwicklung
folgend, setzen wir jetzt den
Schwerpunkt beim Wohnen im
Alter“, erklärt Vorstandsvorsitzender
Ulrich Bimberg das Konzept
der größten Baugenossenschaft
im Rheinland. Und dass
dieses mehr beinhaltet als Tiefgarage,
Fahrstuhl und barrierefreie
Dusche wird schnell deutlich,
wenn der 55-Jährige in seinem
Büro den Prospekt aufklappt
und auf den Lageplan zeigt: „Gerade die Nahversorgung ist besonders
wichtig, und fußläufig
erreichen sie hier alles, was im
täglichen Leben nötig ist, von Supermarkt
bis zur Arztpraxis.“
Ansprechen will der SBV Solingen
mit der neuen Wohnanlage
insbesondere die älteren Mitglieder
und Interessenten, die bislang
noch keine Mieter sind, darunter
auch solche, die über ein
gutes Einkommen verfügen und
deshalb keinen Wohnberechtigungsschein
bekommen können.
Die Vorstände Ulrich Bimberg (l.) und Gerhard Rohde an der Höhscheider Baustelle. Fotos: Christian Beier |
Mehr als vier Millionen Euro
investiert der Spar- und Bauverein
Solingen in diesem Jahr allein
in dieses Projekt, knapp ein Viertel
der gesamten Investitionen in
2009. Insgesamt überwiegt im
Etat der Genossenschaft der Anteil
für Erneuerungen. Viele ältere
Wohneinheiten werden etwa
nach den neuesten Standards für
Wärmedämmung ausgestattet.
Denn, da ist sich Bimberg sicher,
die Mitglieder wollen in modernen
Wohnungen mit überschaubaren
Nebenkosten leben.
Ebenso zeitlos modern ist aus
Sicht des Sozialökonomen aber
auch die Philosophie des Sparund
Bauvereins. Bimberg: „Der
Genossenschaftsgedanke hat
nicht an Ausstrahlung verloren.
Wir sind auch eine Heimat für
die, die sich nicht auf dem Markt
durchsetzen können.“ So sieht er
die genossenschaftliche Idee gerade
in wirtschaftlich schwierigen
Zeiten im Aufwind. „Wir haben
eine weiterhin attraktive und
gute Rechtsform“, zeigt sich
Bimberg überzeugt.
Transparenz sei dabei ein
ganz wesentliches Merkmal der
Genossenschaft. Transparenz sei
fester Bestandteil der strategischen
Ziele des Unternehmens.
Deutlich wird dies für Ulrich
Bimberg etwa dann, wenn es darum
geht, einzelne Häuser aus
dem Bestand zu verkaufen. Auch
wenn die Bewohner hierüber
nachvollziehbar nicht glücklich
seien, werde doch der Entscheidungsweg
offen gelegt. Für Bewohner,
die weiterhin im Sparund
Bauverein leben wollten,
würden selbstverständlich die
Umzugskosten übernommen.
„Wir sind auch eine
Heimat für die, die
sich nicht auf dem
Markt durchsetzen
können.“
Ulrich Bimberg Vorstand
Und mit Veränderungen müssen
die Menschen der SBV-Siedlungen
auch weiterhin rechnen,
denn bei immer mehr Objekten
ist der Neubau inzwischen wirtschaftlicher
als die Sanierung.
„Oft bleibt nicht mehr als eine
leere Hülle stehen“, weiß Bimberg
von den Projekten zu berichten.
Dass es dem SBV möglich
ist, nach dem Börkhauser
Feld nun ein weiteres innovatives
Projekt zu stemmen, liegt aus
Sicht des Vorstandschefs auch an
der Struktur der Genossenschaft,
die bis heute die Spareinrichtung
beinhaltet. Vor allem in den vergangenen
Monaten habe man
von der Finanzkrise insofern
profitiert, als das Sparvermögen
um 2,7 Millionen Euro gewachsen
sei.
Zeitgemäß arbeitet die Genossenschaft
auch mit Partnern
zusammen. Unter dem neudeutschen
Stichwort Contracting hat
der SBV mit den Stadtwerken Solingen
einen Vertrag zur Bereitstellung
von Energie für die Siedlung
Weegerhof geschlossen. Die
Stadtwerke stellen die Wärmeversorgung
der Bewohner über
ein Blockheizkraftwerk sicher.
Die damit eingesparten Gelder
für neue Heizungsanlagen konnte
der Spar- und Bauverein in die
Renovierung der Siedlung stecken.
Diese intensive Zusammenarbeit
mit Partnern wird es auch in
der neuen Seniorenwohnanlage
geben. Unter Dach und Fach ist
bereits ein Rahmenvertrag mit
dem Diakonischen Werk Bethanien
für die Betreuung und Pflege
in den drei Wohngemeinschaften
der Anlage.
„Aber auch die Nachbarschaft
wird wichtig bleiben“, ist Bimberg
überzeugt. Er sieht die Solinger
Spar- und Baugenossenschaft
traditionell in der Pflicht,
die Eigeninitiative zu fördern.
Der Erfolg des neuesten Projekts
zeichnet sich bereits ab: Die
meisten Wohnungen am Weegerhof
werden voraussichtlich
bereits vermietet sein, wenn die
neue Anlage in einem Jahr bezogen
werden kann.