Wirtschaftsraum Solingen 2009



Wer möchte da schon taub sein?

ORCHESTER Die Bergischen Symphoniker schöpfen den Betriebskosten- Zuschuss seit Jahren nicht voll aus.

Von Dr. Jan Crummenerl

„Musiker sind so absurd unvernünftig. Sie wollen, dass man vollkommen stumm ist, während man selbst sich danach sehnt, absolut taub zu sein.“ Die Bergischen Symphoniker kann Oscar Wilde hier aber nicht gemeint haben. Dieses Orchester – mit seinen 72 Musikern einem mittelständischen Unternehmen vergleichbar – ist von seiner musikalischen Qualität nicht nur eines der hörbarsten, sondern auch eines der fleißigsten Orchester im Lande, wie es einmal Symphoniker- Geschäftsführer Stefan Schreiner formulierte.

Stefan Schreiner Geschäftsführer, über die Finanzspende der Orchesterfreunde Alleine im Programmbuch des Solinger Kulturbüros weisen die Musiker rund 35 Veranstaltungen in dieser Saison auf: vom Philharmonischen Konzert über Oper bis hin zu Familien- und Kammerkonzerten. Hinzu kommen die Verpflichtungen in der Nachbarstadt Remscheid sowie zahlreiche auswärtige Engagements etwa in Köln und Essen.


Mit rund 160 Diensten im Jahr herrscht „Vollbeschäftigung“ bei den Musikern der Bergischen Symphoniker. Archivfoto: Uli Preuss
In dieser Saison erhalten die Bergischen Symphoniker einen Betriebskostenzuschuss von zirka 3,7 Millionen Euro, den zu gleichen Teilen die Städte Solingen und Remscheid als Gesellschafter der Orchester-GmbH tragen. Für das Geld gibt es eine „Grundabnahmeverpflichtung“ des Orchesters, erläutert Stefan Schreiner: zehn Philharmonische Konzerte, 17-mal Musiktheater und acht Sonderkonzerte in Solingen – und die gleiche Anzahl auch in Remscheid. Mit den auswärtigen Konzerten kommen die Bergischen Symphoniker dann auf 160 Dienste im Jahr.

Wie in den Vorjahren auch wird der Betriebskostenzuschuss nicht ausgeschöpft. „Wir können immer etwas zurückzahlen“, so der Geschäftsführer. Zudem ist man personell mit 72 Musikern unter der eigentlichen Planstärke von 76 Symphonikern. Sieben Dienste werden für ein Philharmonisches Konzert angesetzt: zwei Aufführungen in den bergischen Städten plus fünf Proben. „Durchschnittlich liegen wir aber bei 2,5 Diensten, was ein sehr guter Schnitt ist“, sagt Stefan Schreiner. „Das bedeutet soviel wie Vollbeschäftigung, mehr ist nicht drin.“


Peter Kuhn gibt nun den Takt bei den Bergischen Symphonikern an. Peter Kuhn (geboren 1964 in Karlsruhe) war zuvor seit zehn Jahren Generalmusikdirektor der Bielefelder Philharmoniker und in dieser Funktion auch musikalischer Leiter der Oper in Bielefeld. Die Symphoniker im Internet: www.bergischesymphoniker.de
Dennoch leistet das Orchester im pädagogischen Bereich mehr als verlangt. „Zu 108 Diensten in den Grundschulen sind wir verpflichtet, aber wir machen weit mehr, als die Städte eigentlich bezahlen könnten.“ So ist das Orchester besonders froh über eine erfreuliche Novität in diesem Jahr. „Die Orchesterfreunde in Solingen und Remscheid finanzieren diese zusätzlichen Dienste“, so Stefan Schreiner. „Das ist ein bürgerschaftliches Engagement für diese städtischen Aufgabe, eine aktive Jugendarbeit leisten zu können.“

Und zu guter Letzt: „Wir sind preiswerter als ein eigenständiges Orchester“, weiß Schreiner. Am 1. September 1996 entstanden die Bergischen Symphoniker durch den – schon sparbedingten – Zusammenschluss der städtischen Orchester von Solingen und Remscheid.

So kann man durchaus Oscar Wilde widersprechen, dass Musiker „absolut unvernünftig“ seien. Und bei diesem Orchester wünscht man sich auch nicht, absolut taub zu sein.