Von Dr. Jan Crummenerl
„Musiker sind so absurd unvernünftig.
Sie wollen, dass man
vollkommen stumm ist, während
man selbst sich danach
sehnt, absolut taub zu sein.“ Die
Bergischen Symphoniker kann
Oscar Wilde hier aber nicht gemeint
haben. Dieses Orchester –
mit seinen 72 Musikern einem
mittelständischen Unternehmen
vergleichbar – ist von seiner musikalischen
Qualität nicht nur eines
der hörbarsten, sondern auch
eines der fleißigsten Orchester im
Lande, wie es einmal Symphoniker-
Geschäftsführer Stefan
Schreiner formulierte.
Stefan Schreiner Geschäftsführer,
über die Finanzspende der Orchesterfreunde
Alleine im Programmbuch des
Solinger Kulturbüros weisen die
Musiker rund 35 Veranstaltungen
in dieser Saison auf: vom
Philharmonischen Konzert über
Oper bis hin zu Familien- und
Kammerkonzerten. Hinzu kommen
die Verpflichtungen in der
Nachbarstadt Remscheid sowie
zahlreiche auswärtige Engagements
etwa in Köln und Essen.
Mit rund 160 Diensten im Jahr herrscht „Vollbeschäftigung“ bei den Musikern der Bergischen Symphoniker. Archivfoto: Uli Preuss |
In dieser Saison erhalten die
Bergischen Symphoniker einen
Betriebskostenzuschuss von zirka
3,7 Millionen Euro, den zu
gleichen Teilen die Städte Solingen
und Remscheid als Gesellschafter
der Orchester-GmbH
tragen. Für das Geld gibt es eine
„Grundabnahmeverpflichtung“
des Orchesters, erläutert Stefan
Schreiner: zehn Philharmonische
Konzerte, 17-mal Musiktheater
und acht Sonderkonzerte in Solingen
– und die gleiche Anzahl
auch in Remscheid. Mit den auswärtigen
Konzerten kommen die
Bergischen Symphoniker dann
auf 160 Dienste im Jahr.
Wie in den Vorjahren auch
wird der Betriebskostenzuschuss
nicht ausgeschöpft. „Wir können
immer etwas zurückzahlen“, so
der Geschäftsführer. Zudem ist
man personell mit 72 Musikern
unter der eigentlichen Planstärke
von 76 Symphonikern.
Sieben Dienste werden für ein
Philharmonisches Konzert angesetzt:
zwei Aufführungen in den
bergischen Städten plus fünf Proben. „Durchschnittlich liegen wir
aber bei 2,5 Diensten, was ein
sehr guter Schnitt ist“, sagt Stefan
Schreiner. „Das bedeutet soviel
wie Vollbeschäftigung, mehr ist
nicht drin.“
Peter Kuhn gibt nun den Takt
bei den Bergischen Symphonikern
an. Peter Kuhn (geboren 1964 in
Karlsruhe) war zuvor seit zehn Jahren
Generalmusikdirektor der Bielefelder
Philharmoniker und in dieser
Funktion auch musikalischer Leiter
der Oper in Bielefeld.
Die Symphoniker im Internet:
www.bergischesymphoniker.de |
Dennoch leistet das Orchester
im pädagogischen Bereich mehr
als verlangt. „Zu 108 Diensten in
den Grundschulen sind wir verpflichtet,
aber wir machen weit
mehr, als die Städte eigentlich bezahlen
könnten.“ So ist das Orchester
besonders froh über eine
erfreuliche Novität in diesem
Jahr. „Die Orchesterfreunde in
Solingen und Remscheid finanzieren
diese zusätzlichen Dienste“,
so Stefan Schreiner. „Das ist
ein bürgerschaftliches Engagement
für diese städtischen Aufgabe,
eine aktive Jugendarbeit
leisten zu können.“
Und zu guter Letzt: „Wir sind
preiswerter als ein eigenständiges
Orchester“, weiß Schreiner. Am
1. September 1996 entstanden
die Bergischen Symphoniker
durch den – schon sparbedingten
– Zusammenschluss der städtischen
Orchester von Solingen
und Remscheid.
So kann man durchaus Oscar
Wilde widersprechen, dass Musiker
„absolut unvernünftig“ seien.
Und bei diesem Orchester
wünscht man sich auch nicht,
absolut taub zu sein.