Von Horst Franz
Das neue Gerät steht auf dem
Tisch, gerade ausgepackt und der
ganze Stolz seines neuen Besitzers.
Wenn da nicht ein kleiner,
aber entscheidender Haken wäre:
die Bedienungsanleitung. Die
Sätze in kryptischem Deutsch
verleiten zwar zum Lachen, nicht
aber zum Verstehen des neuen
Gerätes. Fast jeder von uns hat
eine ähnliche Situation schon erlebt,
die aus Sicht von Dokpro
vermeidbar wäre.
Seit fünf Jahren unterstützt
das Solinger Unternehmen, das
seinen Sitz seit Jahresanfang an
der Krahenhöhe hat, seine Kunden
dabei, professionelle Montage-
oder Gebrauchsanleitungen
zu verfassen. „Eine unserer
Dienstleistungen ist das Erstellen
von Benutzerinformationen aller
Arten“, sagt Wilhelm Schmitz. Er
führt Dokpro gemeinsam mit
Ute Meiser. Als Ingenieure haben
beide das nötige Rüstzeug.
Damit die schriftlichen Informationen
über ein Produkt für
den Hersteller nicht zu teuer
werden, bietet Dokpro sogar ein
spezielles Datenbanksystem an.
Alle relevanten Informationen
über ein bestimmtes Produkt stehen
mit der elektronischen Datei
per Knopfdruck bereit und lassen
beispielsweise eine Gebrauchsanweisung entstehen.
Selbst Grafiken und Illustrationen
werden automatisch mit eingearbeitet.
Wenn etwa ein weiteres
Land als neuer Markt hinzukommt,
lassen sich mit dem elektronischen
Redaktionssystem
ohne großen Aufwand alle nötigen
Informationen in die Landessprache
übersetzen, erklärt
der Maschinenbau-Ingenieur.
„Von Vorteil ist das auch bei
Produktvarianten.“
Wilhelm Schmitz und Rebecca Zeligowski besprechen Details. Foto: Christian Beier |
Dennoch bleibt Dokpro, das in
diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen
feiert, eine Menge Handarbeit,
denn zu den Kunden gehören
auch einige Produzenten
von Sondermaschinen. Für die
meisten dieser Anlagen – auch
wenn sie Einzelanfertigungen
sind – ist heute die Kennzeichnung
mit dem CE-Siegel Pflicht.
Es zeigt nicht nur, dass ein Produkt
innerhalb der Europäischen
Union gefertigt wurde, sondern
verpflichtet den Hersteller auch,
den gesamten Weg der Produktion
und Entwicklung zu dokumentieren.
CE ist die Abkürzung des
französischen Begriffs Conformité
Européenne und steht für
die Übereinstimmung mit den
Richtlinien der EU. „Daran denken
die Firmen oft erst, wenn ein
neues Produkt kurz vor der
Markteinführung steht und
plötzlich die Frage nach dem CEKennzeichen
auftaucht“, weiß
Ute Meiser. „Wir fahren dann
erst einmal hin und sehen uns die
Maschine an.“ Deshalb kommen
viele Kunden von Dokpro aus einem
Umkreis, der mit dem Auto
gut zu erreichen ist.
Bei der CE-Kennzeichnung
achtet das Solinger Unternehmen
vor allem darauf, dass bei
der Entwicklung eines Produktes
alle notwendigen Richtlinien eingehalten
wurden. Für Wilhelm
Schmitz und Ute Meiser beginnt die praktische Arbeit deshalb oft
damit, zunächst alle maßgeblichen
Normen aufzufinden. Bis
am Ende dann aber die geforderte
so genannte Konformitätserklärung
steht, müssen viele Papiere
gewälzt, Gespräche mit den
Entwicklern geführt und Fotos
gemacht werden. „Ich muss wissen,
wo welches Teil verbaut ist“,
erklärt Ute Meiser.
Wichtige Schnittstelle zum Kunden
Ein wichtiges Teil in diesem
Kennzeichnungsverfahren ist das
Verfassen der Betriebs- oder Einbauanleitung.
„Die Schnittstelle
zum Kunden“, wie es Ute Meiser
beschreibt, die seit vielen Jahren als Technische Redakteurin mit
dem Verfassen solcher Anleitungen
vertraut ist. „Eine stressige
Arbeit“ sei dies, meint die 48-
Jährige, „weil wir immer an Ende
der Kette stehen.“ Oft müssten
letzte Änderungen in den Papieren
über Nacht eingearbeitet
werden. Nur die Übersetzer hätten
am Ende noch weniger Zeit
für ihre Arbeit.
Dennoch macht den beiden
Inhabern ihre Arbeit bis heute
viel Freude. Der Spaß am kniffligen
Werk war auch ein wesentlicher
Grund, warum sich beide
Geschäftsführer vor fünf Jahren
mit Dokpro selbstständig gemacht
haben.