Wirtschaftsraum Solingen 2009



Ingenieure am Ende der Kette

DOKPRO Sicherheit für Mensch und Umwelt: ein Thema, mit dem sich die Spezialisten für Gebrauchsanleitungen beschäftigen.

Von Horst Franz

Das neue Gerät steht auf dem Tisch, gerade ausgepackt und der ganze Stolz seines neuen Besitzers. Wenn da nicht ein kleiner, aber entscheidender Haken wäre: die Bedienungsanleitung. Die Sätze in kryptischem Deutsch verleiten zwar zum Lachen, nicht aber zum Verstehen des neuen Gerätes. Fast jeder von uns hat eine ähnliche Situation schon erlebt, die aus Sicht von Dokpro vermeidbar wäre.

Seit fünf Jahren unterstützt das Solinger Unternehmen, das seinen Sitz seit Jahresanfang an der Krahenhöhe hat, seine Kunden dabei, professionelle Montage- oder Gebrauchsanleitungen zu verfassen. „Eine unserer Dienstleistungen ist das Erstellen von Benutzerinformationen aller Arten“, sagt Wilhelm Schmitz. Er führt Dokpro gemeinsam mit Ute Meiser. Als Ingenieure haben beide das nötige Rüstzeug. Damit die schriftlichen Informationen über ein Produkt für den Hersteller nicht zu teuer werden, bietet Dokpro sogar ein spezielles Datenbanksystem an. Alle relevanten Informationen über ein bestimmtes Produkt stehen mit der elektronischen Datei per Knopfdruck bereit und lassen beispielsweise eine Gebrauchsanweisung entstehen. Selbst Grafiken und Illustrationen werden automatisch mit eingearbeitet. Wenn etwa ein weiteres Land als neuer Markt hinzukommt, lassen sich mit dem elektronischen Redaktionssystem ohne großen Aufwand alle nötigen Informationen in die Landessprache übersetzen, erklärt der Maschinenbau-Ingenieur. „Von Vorteil ist das auch bei Produktvarianten.“


Wilhelm Schmitz und Rebecca Zeligowski besprechen Details. Foto: Christian Beier
Dennoch bleibt Dokpro, das in diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen feiert, eine Menge Handarbeit, denn zu den Kunden gehören auch einige Produzenten von Sondermaschinen. Für die meisten dieser Anlagen – auch wenn sie Einzelanfertigungen sind – ist heute die Kennzeichnung mit dem CE-Siegel Pflicht. Es zeigt nicht nur, dass ein Produkt innerhalb der Europäischen Union gefertigt wurde, sondern verpflichtet den Hersteller auch, den gesamten Weg der Produktion und Entwicklung zu dokumentieren. CE ist die Abkürzung des französischen Begriffs Conformité Européenne und steht für die Übereinstimmung mit den Richtlinien der EU. „Daran denken die Firmen oft erst, wenn ein neues Produkt kurz vor der Markteinführung steht und plötzlich die Frage nach dem CEKennzeichen auftaucht“, weiß Ute Meiser. „Wir fahren dann erst einmal hin und sehen uns die Maschine an.“ Deshalb kommen viele Kunden von Dokpro aus einem Umkreis, der mit dem Auto gut zu erreichen ist.

Bei der CE-Kennzeichnung achtet das Solinger Unternehmen vor allem darauf, dass bei der Entwicklung eines Produktes alle notwendigen Richtlinien eingehalten wurden. Für Wilhelm Schmitz und Ute Meiser beginnt die praktische Arbeit deshalb oft damit, zunächst alle maßgeblichen Normen aufzufinden. Bis am Ende dann aber die geforderte so genannte Konformitätserklärung steht, müssen viele Papiere gewälzt, Gespräche mit den Entwicklern geführt und Fotos gemacht werden. „Ich muss wissen, wo welches Teil verbaut ist“, erklärt Ute Meiser.

Wichtige Schnittstelle zum Kunden

Ein wichtiges Teil in diesem Kennzeichnungsverfahren ist das Verfassen der Betriebs- oder Einbauanleitung. „Die Schnittstelle zum Kunden“, wie es Ute Meiser beschreibt, die seit vielen Jahren als Technische Redakteurin mit dem Verfassen solcher Anleitungen vertraut ist. „Eine stressige Arbeit“ sei dies, meint die 48- Jährige, „weil wir immer an Ende der Kette stehen.“ Oft müssten letzte Änderungen in den Papieren über Nacht eingearbeitet werden. Nur die Übersetzer hätten am Ende noch weniger Zeit für ihre Arbeit.

Dennoch macht den beiden Inhabern ihre Arbeit bis heute viel Freude. Der Spaß am kniffligen Werk war auch ein wesentlicher Grund, warum sich beide Geschäftsführer vor fünf Jahren mit Dokpro selbstständig gemacht haben.