Wirtschaftsraum Solingen 2009



Ein Mittelfeld-Stratege prescht vor

PORSCHE Lutz Meschke, in Solingen auch als Britannia-Fußballer bekannt, ist neuer Finanzvorstand des Sportwagenbauers.

Von Felix Magin

Ein weiterer Solinger hat es auf eine Spitzenposition in einem renommierten deutschen Unternehmen geschafft: Lutz Meschke (43) ist zum neuen Finanzvorstand der Porsche AG ernannt worden. Meschke ist in Solingen aufgewachsen, von 1966 bis Mitte der 90er Jahre hat er hier gelebt. Er spielte zum Beispiel in der 1. Mannschaft des FC Britannia und ist Sportfreunden als Mittelfeld-Stratege in Erinnerung geblieben. Bei Britannia hat übrigens auch Bodo Uebber, Vorstandsmitglied der Daimler AG und


Mit 405 PS rund 250 km/h schnell: der neue Cayenne GTS (rund 78 000 Euro).
dort Vorsitzender der Daimler Financial Services AG, seine sportlichen Wurzeln.

Lutz Meschke kommt noch heute zwei- bis dreimal im Jahr in die Klingenstadt, denn seine Eltern wohnen noch hier. „Solingen bedeutet für mich ein Stück Heimat“, schrieb Meschke dem ST. Nach dem Abitur im Jahr 1985 am Gymnasium Vogelsang war er zum Studieren nach Köln gegangen. In fünf Jahren zog Meschke dort das Studium der Betriebswirtschaftslehre durch. Außerdem machte der Diplom-Kaufmann eine Weiterbildung zum Steuerberater.

Gleich im Jahr seines Abschlusses heuerte Lutz Meschke als Prüfungsassistent bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG an. Ein Jahr darauf avancierte er zum Prüfungsleiter und arbeitete später als Manager für KPMG in Mailand, Italien. Nach einem Abstecher zum Hugo Boss-Konzern, zu dem Meschke 1999 wechselte, stieg der Solinger 2001 als Leiter des Ressorts Bilanzierung bei der Porsche AG ein. Ab 2004 leitete er den Bereich Controlling. In dieser Funktion war er maßgeblich am Kostensenkungsprogramm der Porsche AG beteiligt, das diese 2008 gestartet hatte, um auf die Finanzund Wirtschaftskrise zu reagieren.

Vielleicht war der Aufsteiger aus Solingen unter anderem deshalb ein attraktiver Kandidat für den Vorstandsposten. Die neue Position ist eine Herkulesaufgabe: Finanz- und Betriebswirtschaft sowie Einkauf gehören laut Porsche zu Meschkes Ressort. Andererseits dürfte für Meschke mit der Beförderung auch ein Traum in Erfüllung gehen. Schließlich zog es ihn nach eigenen Angaben 2001 zu Porsche, weil ihm dort „eine reizvolle Aufgabe im Finanzbereich des Unternehmens“ winkte.

Machtkampf mit VW machte Stelle frei – und hinterlässt rote Zahlen

Der Bereich, den der 43-Jährige übernimmt, wurde seit dem 23. Juli übergangsweise vom Gesamtvorstand der Porsche AG mitverantwortet. Hintergrund: Im Machtkampf zwischen Porsche und VW war der Ex-Porsche- Chef Wendelin Wiedeking dem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Pïech unterlegen. VW und Porsche gingen daraufhin zusammen, und Wiedeking musste gemeinsam mit seinem Finanzvorstand Holger Härter – Meschkes Vorgänger – das Unternehmen verlassen.


Lutz Meschke hat jetzt eine noch reizvollere Aufgabe.
Fotos: Porsche

Wenn Meschkes neue Aufgabe auch reizvoll scheint: Leicht ist sie nicht. Porsche hat in dem Geschäftsjahr 2008/2009, das am 31. Juli endete, tiefrote Zahlen geschrieben. Vor Steuern wurde ein Minus von 4,4 Milliarden Euro erwirtschaftet – nach einem Plus von 8,6 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Schuld war die geplatzte VW-Übernahme mit teuren Wertpapier-Optionen.

Unter dem Strich stand 2008/ 2009 zwar ein Bilanzgewinn von gut acht Millionen Euro. Dafür wurde aber auch die Gewinnrücklage angegriffen.