Wirtschaftsraum Solingen 2009



„Nur Starke werden überleben“

ESU UMFORMTECHNIK Auch als Zulieferer der Autobranche ist Friedhelm Sträter offen für Partnerschaften.

Von Wolfgang Peter Getta

In Zeiten der Wirtschaftskrise lautet das Leitmotiv dieser Beilage „Kurs halten“. Als Unternehmer Friedhelm Sträter (59) – seit zwölf Jahren im Ehrenamt Präsident der Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen- Remscheid – den Mann vom ST empfängt, liegt nicht von ungefähr die aktuelle Tageblatt-Ausgabe vor ihm. Der Artikel am Fuß der Titelseite beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Krise auf die deutsche Autoindustrie. Und das ist ein Thema, das Sträter ganz unmittelbar berührt: Die Produkte seiner Firma ESU (Eichenauer Sträter Umformtechnik) gehen zu 90 Prozent in diesen Bereich.

Die ESU – mit 65 Mitarbeitern am Standort An den Eichen und 45 weiteren im ungarischen Zweigwerk Veszprem – liefert zahlreiche Stanz- und Umformteile für Autos: etwa Sitz-Bestandteile, Befestigungen und Verstärkungen in Motorräumen sowie Aufhängungen für Achsbereiche. Abnehmer sind renommierte Hersteller wie Daimler oder der VW-Konzern, dazu wichtige Zulieferer wie das Solinger Unternehmen C. Rob. Hammerstein. Wie sich die Wirtschaftskrise auf Sträters ESU auswirkt, zeigt der Unternehmer an einer Grafik: Ihre stark abfallende Kurve beweist, dass zwischen Mitte September 2008 und Ende April 2009 der zum Abruf bereit stehende Bestand sich um dramatische 50 Prozent verringerte. Derzeit gehe es zwar langsam wieder bergauf. Dass dieser Trend von Dauer ist, bezweifelt Sträter aber: „Zu Beginn des neuen Jahres dürfte der Bedarf an Auto-Zulieferteilen zunächst erneut nachlassen, um dann im zweiten Halbjahr wieder kontinuierlich anzusteigen.“

„Wichtig in den vergangenen Monaten mit ihren sinkenden Umsätzen war, den Betrieb in einer sicheren Position aufzustellen“, sagt der 59- Jährige. Und: „In solchen Phasen geht es in erster Linie darum, die Liquidität zu erhalten und deshalb in allen Bereichen die Kosten zu senken.“ Dies erreiche man etwa durch Verkleinern des Lagers, Herunterfahren von Losgrößen und nicht zuletzt mit „flexibel praktizierter Kurzarbeit – angepasst an die aktuelle Auftragslage“. Letzteres sei sehr anspruchsvoll in der Durchführung. Oberste Maxime bei Kurzarbeit müsse immer sein: „Der Kunde darf nichts merken.“


Boxt sich durch: Friedhelm Sträter. Foto: Uli Preuss
Ihr Chef sieht die ESU als „typischen kleinen mittelständischen Zulieferbetrieb“. Die meisten Mitbewerber am Markt sind erheblich größer. Da liegt der Gedanke an einen passenden Partner nahe. Sträter: „Es gibt derzeit niemanden in der Auto- Zulieferbranche, der sich nicht strategische Gedanken macht.“ Der Unternehmer und IHKPräsident erwartet in Zukunft große Veränderungen. Es brauche Unternehmen, die stark seien. „Wir als ESU sind zu klein, um auch künftig ein anerkannter Lieferant der Autoindustrie zu sein.“ Große Firmen könnten größere Aufträge erledigen, und Kosten ließen sich in ihnen leichter verteilen.

Friedhelm Sträters Fazit: „Wir versuchen, unsere Zukunft in der Hand zu behalten, indem wir einen Partner suchen und finden, bevor wir von der Entwicklung überrollt werden.“ In eine solche Kooperation könne die ESU mit ihrem fundierten Know-how „sehr viel einbringen“. Ganz wichtiger Aspekt bei der – bislang noch ergebnislosen – Partnersuche sei: „Wir wollen die Arbeitsplätze in Solingen sichern und auch unseren seit 1984 bestehenden Standort in Aufderhöhe.“ Für Sträters im August 2008 insolvent gewordene Firma Sträter Solingen Cutlery war die Partnersuche – wie das ST im August meldete – erfolgreich. Sie wurde als gemeinsame Produktionsstätte von den fusionierten Firmen Solicut und Felix überkommen. Die neue „Felix Solicut GmbH“ gründete Sträter mit seiner Kollegin Ruth Felix (Inhaberin der Firma Felix am Grünewald).

„Es liegt noch ungeheuer viel Arbeit vor uns.“ Friedhelm Sträter Unternehmer

Das neue Unternehmen, das am 1. September 2009 offiziell an den Start ging, befindet sich laut Sträter derzeit „in einer Phase des Zusammenwachsens von zwei Marken und zwei Programmen für Markenanbieter“. Felix und Solicut produzieren auch künftig ihre eingeführten eigenen Messermarken und fertigen wie bisher für andere Markenanbieter. Die Produktion von 400 000 geschmiedeten Messern für einen großen Kunden unter dessen Namen stellt noch für Monate ein gutes Auftragspolster dar. Sträter: „Die ersten beiden Monate haben zwar gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Doch es liegt noch ungeheuer viel Arbeit vor uns.“