Wirtschaftsraum Solingen 2009



Dinieren unter edlem Stuck

VILLA BÖKER Als Hotel- Restaurant zeigt sich das sanierte Haus in Remscheid wieder in seiner früheren Pracht – jetzt als „Villa Paulus“.

Von Ariane Czerwon

Ein unverwechselbarer Blickfang war sie zu allen Zeiten. Mit den großen geschwungenen Dachgauben, dem Wechselspiel aus grauem Schiefer und grünen Schlagläden sowie den barocken Schnitzereien bleibt die ehemalige Villa Böker jedem in Erinnerung, der die B229 in Höhe Schüttendelle befährt.

1908 für Paul Böker errichtet, vermittelte sie – wie die benachbarte Villa Führer –, was zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehobene Wohnkultur der reichen bergischen Kaufleute und Unternehmer bedeutete. Doch die goldenen Zeiten waren für beide Gebäude schon vor vielen Jahrzehnten vorbei.

An der Böker-Villa nagte unerbittlich der Zahn der Zeit. Ende der 60er Jahre kaufte die Stadt Remscheid das Grundstück, um an dieser Stelle die Straße verbreitern zu können. Dazu wurden die beiden Kontorgebäude aus dem 18. Jahrhundert, die ursprünglich das Haupthaus flankierten, kurzerhand abgerissen. Die Villa selbst wurde später zeitweise Obdachlosen als Wohnraum zugewiesen.


Die alte Villa glänzt nach der Restaurierung wieder mit vielen schönen Details.
Auf dem weitläufigen Parkgelände, das einst rückwärtig an die Villa angrenzte, entstanden im oberen Teil Wohnhäuser, der untere Teil wurde für einen Parkplatz zubetoniert.

Das Haus verfiel zunehmend, nur die nötigsten Instandsetzungsarbeiten wurden vorgenommen, und auch das nicht immer rechtzeitig. „Es hat reingeregnet, darauf haben wir die Stadt immer wieder hingewiesen“, erinnert sich Renate Falkenberg von der Denkmalbehörde. Von seiner ursprünglichen Pracht hatte das Anwesen, dessen Ursprungsbau 1782 errichtet wurde, im Jahr 2008 also den größten Teil eingebüßt. Trotzdem entschlossen sich Kai-Robert Paulus und Joachim Schreiber, die in Remscheid mehrere Tankstellen betreiben, zum Kauf: Sie wollten ihr Hotel-Restaurant „Villa Paulus“ verlegen.


Von der ursprünglich dreiflügeligen Anlage mit rückwärtigem Park blieb nur das Haupthaus übrig. Fotos: Jürgen Körschgen
Über eine Million Euro investierten die beiden in die Sanierung der ehemaligen Böker’schen Residenz. Seit über einem Jahr wird mittlerweile an der Villa gewerkelt, um sie wieder zu einem baulichen Schmuckstück zu machen. Mit Unterstützung einer Spezialfirma für Altbausanierung, einer Restauratorin, vielen Sponsoren und vor allem vielen eigenen Mitarbeitern wurden die alten Stromleitungen erneuert, die Wände gedämmt, die Stuckdecken restauriert und die alten Fliesen freigelegt. „Was nicht mehr im Original zu bekommen war, haben wir durch möglichst detailgetreue Imitate ersetzt“, berichtet Joachim Schreiber.

Aus der benachbarten Villa Führer konnten die beiden Bauherren einen Jugendstil-Kachelofen erwerben. Dieser schmückt nun einen der Gasträume, die an den früheren Wintergarten angrenzen. Von diesem aus öffnet sich der Blick auf den Gartenbereich.

Der Denkmalschutz hatte oberste Priorität


Joachim Schreiber (l.) und Kai-Robert Paulus erfüllten sich einen Traum.
Wie schon in der alten „Villa Paulus“ an der Ronsdorfer Straße achteten Joachim Schreiber und Kai-Robert Paulus sehr auf eine möglichst originalgetreue Instandsetzung des Gebäudes. „Wir haben die erste «Villa Paulus » damals unter Denkmalschutz stellen lassen, sonst wären das Treppenhaus und die Türen den Brandschutzauflagen zum Opfer gefallen“, erzählt Joachim Schreiber.

Der Denkmalschutz hatte auch bei der Böker-Villa höchste Priorität. Gemeinsam mit einem auf Denkmalschutz spezialisierten Architekten haben die beiden Hausherren die Sanierung und Ausstattung jedes einzelnen Raumes selbst geplant. „Es ist schon ein wirklich erhabenes Gefühl, wenn man jetzt hier durch die Räume geht und allein diese wunderschönen Stuckdecken sieht“, schwärmt Joachim Schreiber. Und Kai-Robert Paulus ergänzt: „Träume kann man eben tatsächlich verwirklichen.“