Von Ariane Czerwon
Ein unverwechselbarer Blickfang
war sie zu allen Zeiten. Mit den
großen geschwungenen Dachgauben,
dem Wechselspiel aus
grauem Schiefer und grünen
Schlagläden sowie den barocken
Schnitzereien bleibt die ehemalige
Villa Böker jedem in Erinnerung,
der die B229 in Höhe
Schüttendelle befährt.
1908 für Paul Böker errichtet,
vermittelte sie – wie die benachbarte
Villa Führer –, was zu Beginn
des 20. Jahrhunderts gehobene
Wohnkultur der reichen
bergischen Kaufleute und Unternehmer
bedeutete. Doch die goldenen
Zeiten waren für beide
Gebäude schon vor vielen Jahrzehnten
vorbei.
An der Böker-Villa nagte unerbittlich
der Zahn der Zeit. Ende
der 60er Jahre kaufte die Stadt
Remscheid das Grundstück, um
an dieser Stelle die Straße verbreitern
zu können. Dazu wurden
die beiden Kontorgebäude
aus dem 18. Jahrhundert, die ursprünglich
das Haupthaus flankierten,
kurzerhand abgerissen.
Die Villa selbst wurde später zeitweise
Obdachlosen als Wohnraum
zugewiesen.
Die alte Villa glänzt nach der Restaurierung wieder mit vielen schönen Details. |
Auf dem weitläufigen Parkgelände,
das einst rückwärtig an die
Villa angrenzte, entstanden im
oberen Teil Wohnhäuser, der
untere Teil wurde für einen Parkplatz
zubetoniert.
Das Haus verfiel zunehmend,
nur die nötigsten Instandsetzungsarbeiten
wurden vorgenommen,
und auch das nicht
immer rechtzeitig. „Es hat reingeregnet,
darauf haben wir die
Stadt immer wieder hingewiesen“,
erinnert sich Renate Falkenberg
von der Denkmalbehörde.
Von seiner ursprünglichen
Pracht hatte das Anwesen, dessen
Ursprungsbau 1782 errichtet
wurde, im Jahr 2008 also den
größten Teil eingebüßt. Trotzdem
entschlossen sich Kai-Robert
Paulus und Joachim Schreiber,
die in Remscheid mehrere
Tankstellen betreiben, zum Kauf:
Sie wollten ihr Hotel-Restaurant
„Villa Paulus“ verlegen.
Von der ursprünglich dreiflügeligen Anlage mit rückwärtigem Park blieb nur das
Haupthaus übrig. Fotos: Jürgen Körschgen |
Über eine Million Euro investierten
die beiden in die Sanierung
der ehemaligen Böker’schen
Residenz. Seit über einem
Jahr wird mittlerweile an
der Villa gewerkelt, um sie wieder
zu einem baulichen
Schmuckstück zu machen. Mit
Unterstützung einer Spezialfirma
für Altbausanierung, einer
Restauratorin, vielen Sponsoren
und vor allem vielen eigenen
Mitarbeitern wurden die alten
Stromleitungen erneuert, die
Wände gedämmt, die Stuckdecken
restauriert und die alten
Fliesen freigelegt. „Was nicht
mehr im Original zu bekommen
war, haben wir durch möglichst
detailgetreue Imitate ersetzt“, berichtet
Joachim Schreiber.
Aus der benachbarten Villa
Führer konnten die beiden Bauherren
einen Jugendstil-Kachelofen
erwerben. Dieser schmückt
nun einen der Gasträume, die an
den früheren Wintergarten angrenzen.
Von diesem aus öffnet
sich der Blick auf den Gartenbereich.
Der Denkmalschutz hatte
oberste Priorität
Joachim Schreiber (l.) und Kai-Robert
Paulus erfüllten sich einen Traum. |
Wie schon in der alten „Villa
Paulus“ an der Ronsdorfer Straße
achteten Joachim Schreiber
und Kai-Robert Paulus sehr auf
eine möglichst originalgetreue
Instandsetzung des Gebäudes.
„Wir haben die erste «Villa Paulus
» damals unter Denkmalschutz
stellen lassen, sonst wären
das Treppenhaus und die Türen
den Brandschutzauflagen zum
Opfer gefallen“, erzählt Joachim
Schreiber.
Der Denkmalschutz hatte
auch bei der Böker-Villa höchste
Priorität. Gemeinsam mit einem
auf Denkmalschutz spezialisierten
Architekten haben die beiden
Hausherren die Sanierung und
Ausstattung jedes einzelnen Raumes
selbst geplant. „Es ist schon
ein wirklich erhabenes Gefühl,
wenn man jetzt hier durch die
Räume geht und allein diese
wunderschönen Stuckdecken
sieht“, schwärmt Joachim Schreiber.
Und Kai-Robert Paulus ergänzt:
„Träume kann man eben
tatsächlich verwirklichen.“