Wirtschaftsraum Solingen 2009



Griff nach dem Belohnungssystem

NEUROKOMMUNIKATION Warum Prominente im Gedächtnis bleiben und Eventagenturen das für ihre Kunden nutzen.

Von Dr. Marc Domning

Ereignisse und Erlebnisse geben unserem Leben eine unverwechselbarere und nachhaltigere Struktur als jede andere Form der Kommunikation. Sie bestimmen unsere Einstellungen und damit unser Verhalten. Sie sind die unbewussten und doch allgegenwärtigen Begleiter unseres Denkens und Handelns. Diese Erinnerungen entstehen jedoch nicht nur zufällig, man kann sie planen, indem man Ereignisse gezielt inszeniert. Dabei kommt es aber darauf an zu wissen, wie das Gehirn Reize und Informationen aufnimmt, selektiert, kombiniert, bewertet, in Handlungen umwandelt, speichert und erinnert.

Bisher schöpfte man das Wissen über diese Vorgänge aus Erfahrungen, Beobachtungen und psychologischen Experimenten. Wie die große Verführung in der Erlebnisgesellschaft aber schon in naher Zukunft aussehen wird, dafür liefern die neurowissenschaftlichen Forschungen immer neue und detailliertere Ergebnisse und Hinweise.

Seit wenigen Jahren ist es mit Hilfe moderner Techniken möglich, einem lebenden Gehirn beim Denken zuzuschauen. Die interdisziplinär arbeitenden Neurowissenschaften sind in der Lage, bereits vorhandene Erkenntnisse naturwissenschaftlich zu verifizieren und neue zu gewinnen. Heute weiß man sehr viel genauer und wissenschaftlich fundierter, was Menschen in ihren Entscheidungen und Handlungen beeinflusst. Davon profitieren auch die Bereiche Marketing und Verkauf als wichtige Antriebskräfte unserer Wirtschaft. Die noch junge Fachrichtung des Neuromarketing wird viel zu oft ausschließlich mit dem Einsatz bildgebender Verfahren im Rahmen der Werbewirkungsforschung gleichgesetzt. Welche Bilder, Schriftzüge, Sounds etc. lösen in einem Werbespot was beim Konsumenten aus? Wie kann eine Werbung so gestaltet werden, dass sich der Verbraucher für den Kauf des beworbenen Produktes entscheidet?


Promis wie Moderatorin Nazan Eckes und Koch Johann Lafer wirken. kogag verpflichtete sie für die „Casino Royale“-Gala der OVB Vermögensberatung.
Wenn Hormone dafür sorgen, dass Botschaften „hängen“ bleiben

Dass neurowissenschaftliche Erkenntnisse aber auch für die Live-Kommunikation von großer Bedeutung sein können, hat aktuell ein Austausch von (neurowissenschaftlicher) Theorie und (Event-)Praxis ergeben. Denn auch im Eventmarketing geht es letztlich um die Beeinflussung von Verhalten und Einstellungen: Durch die Kreation von Ereignissen und Erlebnissen sollen bestimmte Botschaften und Inhalte möglichst nachhaltig vermittelt werden, um auf diesem Wege beispielsweise die Motivation zu steigern, um für ein Produkt zu begeistern oder die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen zu stärken.


Zusammen mit dem Neurowissenschaftler Prof. Dr. Christian E. Elger veröffentlichten die Eventpraktiker Dr. Marc Domning (kogag) und André Rasel den Band „Neurokommunikation im Eventmarketing – Wie die Wirkung von Events neurowissenschaftlich planbar wird“. Der Grundgedanke: Professionell inszenierte Events sprechen die Teilnehmer über alle Sinne an, sie aktivieren zum Mitmachen und verankern die Marketingbotschaft intensiver im Gedächtnis als andere Marketingmaßnahmen.
Verlag Gabler, ISBN 978-3-8349- 0723-3, 173 Seiten mit 22 Abbildungen in Farbe, 39,90 Euro
Als spannend in dem Dialog zwischen Neurowissenschaft und Eventmarketing erweist sich beispielsweise der Aspekt Belohnung. Dabei spielt das sogenannte Belohnungssystem eine zentrale Rolle. Durch eine gezielte Aktivierung dieses Systems werden spezielle Hormone ausgeschüttet, die für ein besonderes Wohlbefinden beim Menschen sorgen. Somit reagiert das Belohnungssystem auf bestimmte Reize, z. B. Informationen, Handlungen, Symbole, Farben oder Musik, die ein Gefühl von Wertschätzung, Akzeptanz und Stolz auslösen.

Diese Erkenntnisse lassen sich gezielt für die Konzeption von Events nutzen. So belegen neurowissenschaftliche Untersuchungen, dass die Einbindung von prominenten Persönlichkeiten in eine Veranstaltung, z. B. als Moderator oder Gastredner, besonders effektiv ist. Denn Prominente, die Vertrautheit und Sympathie ausstrahlen und zudem ein gewisses Ansehen genießen, aktivieren das Belohnungssystem der Eventteilnehmer und tragen am effektivsten zur Gedächtnisbildung bei. Somit werden die in Verbindung von Prominenten vermittelten Botschaften und Inhalte besonders gut im Gedächtnis der Teilnehmer verankert.

Noch viel Arbeit für Wissenschaftler und Praktiker

Dies ist nur eines von vielen Beispielen. Es zeigt, wie neurowissenschaftliche Erkenntnisse bestimmte Wirkungsweisen im Eventmarketing belegen können und zudem Anregungen liefern für eine effizientere Planung von nachhaltigen und damit erfolgreichen Live-Kommunikationsmaßnahmen.

Grundsätzlich stehen die Neurowissenschaften hinsichtlich einer Anwendung im Eventmarketing noch ganz am Anfang. Umso wichtiger also, den Dialog und Gedankenaustausch von Wissenschaft und Praxis fortzuführen!