| Wirtschaftsraum Solingen 2009 |
| Die Amerikaner aus Merscheid
ACME UNITED
Der weltweit größte Scherenhersteller
hat in Solingen seinen Europa-
Umschlagplatz für Markenschneidwaren.
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Von Sabine Firouzkhah
Nach außen ist es noch die alte
Firma Emil Schlemper. Nur ein
kleines weißes Schild an der Eingangstür
Junkerstraße 13 deutet
auf die großen Umwälzungen
hin, die seit 1990 hier stattgefunden
haben. Denn seitdem gehört
der ehemalige Metallwaren- und
Stanzbetrieb zu 100 Prozent der
US-amerikanischen Firma Acme
United Corporation, börsennotiert
und weltweit agierend. „Wir
in Solingen sind die europäische
Vertriebsgesellschaft für die amerikanische
Mutter im Bereich Office
Trade, also Bürobedarf“, erläutert
Sales & Marketing Director
Fred Rodtheut.
Sortiment von sterilen Krankenhausscheren
bis zu Haushaltswaren
War Acme (sprich: Äckmi) in
den USA mit einem Sortiment
von Scheren, Cuttern und
Schneidemaschinen mit nahezu
allen Bereichen des Bürobedarfs
gut im Geschäft, so vertrieb man
in Deutschland nach 1990 einige
Jahre lang vor allem Scheren für
Maniküre und Pediküre sowie
sterile Krankenhausscheren.
Willi J. Engelsberg mit verschiedenen Anspitzern; links bei der Frühjahrsmesse
in Frankfurt mit Vorstandschef Walter C. Johnsen. Foto: Uli Preuss | 2004 hat sich die Firma neu
sortiert. „Das US-amerikanische
Geschäftsmodell hat sich
als für Europa nicht geeignet
erwiesen“, blickt Rodtheut
zurück. „Es hat sich herausgestellt,
dass ein amerikanisches
Konzept nicht eins zu eins auf
den deutschen Markt übertragbar
ist. Das fängt schon bei den
Farben an – die amerikanischen
sind für Europa nicht unbedingt
geeignet. Weiter geht es bei den
Verpackungen, die in Deutschland
europäischen Standards genügen
müssen – vom grünen
Punkt angefangen über einen anders
gearteten Barcode bis zu Informationen
in bestimmten
Sprachen. Das hat große Investitionen
erfordert.“ Es brachte der
Firma auch einen neuen Namen:
Acme United Europe GmbH.
Mittlerweile hat sich das Markensortiment
der Gesellschaft
bewährt. So deckt „Physicians-
Care“ den medizinischen Bereich
ab und „Westcott“ vor allem den
Sektor Büro, Schule, Hobby und
Freizeit. Unter „Clauss“ sind
hochwertige Industriescheren zu
finden, außerdem Haushaltswaren
sowie gediegene Maniküreund
Pediküreprodukte. Einige
von ihnen tragen das „Made in
Solingen“. Das Markenzeichen
habe in Europa einen enormen
Stellenwert, so dass die Nachfrage
nach den Artikeln stetig steige.
„Acme-Produkte fallen oft
durch ihre Alleinstellungsmerkmale
auf,“ betont Rodtheut. So
verfügt Acme über die weltweit
exklusive Lizenz, Maniküre- und
Pediküre-Artikel sowie solche für
Kinder und Schule mit wirksamer
antibakterieller Technologie
auszustatten. Die „Microban“-
Pediküreartikel etwa haben einen
Kunststoffgriff, der durch Silberionit
und weitere antibakterielle
Zusatzstoffe absolute Keimfreiheit
gewährleisten soll. Zum permanenten
Schutz gegen Bakterien
und Pilzbefall wird die Technologie
bei der Fertigung direkt
in die Produkte integriert. „Dies
war vor zwei Jahren noch kein
Trend, ist aber mittlerweile ein
großes Thema.“ „Wir setzen auch Maßstäbe in
Design“, erläutert der Marketing-
Direktor. Man orientiere
sich an den Zielgruppen und den
dort benutzten technischen Gebrauchsgegenständen
wie etwa
iPhone und MP3-Player. Der
iPoint Anspitzer, in unterschiedlichen
Größen zu haben, holte
den Good-Design-Award 2007.
Klingen und Schneidwerk sind
Titanium-beschichtet.
Das gilt auch für die Schere
Titanium „non stick“: Weil
nichts anhaftet, gleiten die Klingen
leichter durch das Schneidgut
und bleiben länger scharf.
„Auch für diese Serien haben wir
einen Alleinstellungsanspruch“,
betont Fred Rodtheut.
„Acme ist weltweit der größte
Hersteller von Scheren“, unterstreicht
Willi J. Engelsberg, Managing
Director Europe. „Obwohl
unsere Ware zu 90 Prozent
aus China und teilweise aus Indien,
Taiwan und Italien stammt,
sind wir kein Tradingkonzern.
Die Ware wird den europäischen
Standards entsprechend konzipiert.
Dazu haben wir vier Büros
in China mit 20 eigenen Qualitätsingenieuren.“
Kunden von Acme sind neben
dem Facheinzelhandel große
Ketten wie Lidl, Aldi und Rewe.
„Wir haben eine konsequent angewendete
Preisstruktur“, erläutert
Rodtheut. „Ein Markenprodukt
soll vom Fachhandel zu
gleichen Aktionspreisen verkauft
werden können wie vom Discounter,
zumindest innerhalb eines
Aktionszeitraumes.“
„Wir wachsen rasant“, ergänzt
Engelsberg. Dies zeige sich
nicht nur daran, dass die Lagerkapazität
in den ehemaligen
Schlemper-Hallen ausgeschöpft
ist und eine weitere angemietet
werden musste; auch die vorhandenen
25 Arbeitsplätze werden
aktuell um zwei weitere Vollzeitstellen
im Bereich Marketing/
Vertrieb ergänzt. So hat sich ein
Kreis geschlossen. War Emil
Schlemper ein hervorragender
Produktionsstandort für Metallwaren,
so ist jetzt die Nachfolgerin
Acme United ein wichtiger
Umschlagplatz für solche Artikel.
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