Wirtschaftsraum Solingen 2008



Fokus auf hochwertiger Veredlung

( Von Daniela Neumann )

Tim Fiedler kann sich beruhigt zurücklehnen. „Wir arbeiten in einem relativ krisensicheren Bereich“, sagt der Geschäftsführer der X-label GmbH. Und die Zahlen geben dem Chef der Unternehmensgruppe Recht: Seitdem die Dachgesellschaft von Solingen aus ihr Etikettengeschäft steuert, hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt. „Für 2008 erwarten wir nahezu 100 Millionen Umsatz für die Gruppe“, prognostiziert Fiedler.

1998 hat X-label die Solinger Firma Manz übernommen

Dass die Klingenstadt zum Hauptsitz wurde, liegt in der Historie von X-label begründet. Bereits 1998 hat der Etikettenspezialist die im selben Bereich tätig gewesene Solinger Firma Manz übernommen. „Und die beste Struktur war hier“, begründet Prokurist Andreas Vesper die Konzentration der administrativen Aufgaben in Solingen.

Von hier aus werden zum einen die beiden Produktionsstandorte Erfurt und Lübbecke der X-label Packaging GmbH verwaltet. Zum anderen sitzt in der Klingenstadt mit X-label Systems die Zentrale eines „nahezu einzigartigen Handelsnetzwerkes in Deutschland“, erklärt Tim Fiedler. Hier und an neun weiteren Standorten kümmern sich die 55 Mitarbeiter nämlich um maßgeschneiderte Beschriftungen für die Produkte von rund 3500 vorwiegend mittelständischen Unternehmen in Deutschland, den Benelux-Staaten und der Schweiz.

„Diese Etiketten sind weniger dekorativ“, meint Fiedler, denn in dem Bereich werde mehr vorbereitet. Der Kunde drucke dann beispielsweise nur noch die variable Information auf, etwa das Mindesthaltbarkeitsdatum oder die Gewichtsangabe.

Den Anforderungen gemäß fertigt X-label Systems in Solingen im eigenen Sondermaschinenbau auch die Spezialkonstruktionen (Fotos: X-label), die die besonderen Etiketten oder Thermotransferfolien applizieren können. In der Klingenstadt zählen dabei zu den Kunden hauptsächlich Schneidwarenhersteller wie Wilkinson und Dreizack – „weil auf jedes Produkt ein Etikett kommt“, so Andreas Vesper.

Stolz ist der Gräfra-ther darauf, dass in den letzten sechs Jahren alle Auszubildenden hier übernommen werden konnten. „Und 2007 haben wir einen Ausbildungsplatz zur Fachkraft für Lagerlogistik neu eingerichtet“, ergänzt der Leiter des Qualitätsmanagements. Als solcher freut er sich natürlich auch über die im selben Jahr vom Solinger Bündnis für Familie verliehene Auszeichnung zum familienfreundlichen Unternehmen. „Wir haben keine Stechuhr“, schmunzelt Vesper, „sondern arbeiten auf Vertrauensbasis.“ Wenn man gute Leistungen erwarte, solle sich der Kollege auch wohl fühlen am Arbeitsplatz, betont Tim Fiedler.

Vom Gräfrather Standort Etiketten vertreiben

Geschichte

Ab 1973 ist die Solinger Firma Manz im Etikettengeschäft tätig. 1991 wird in Erfurt die X-label GmbH gegründet, die die Firma Manz 1998 ins Unternehmen überführt. Schon 2000 erfolgt die Konzentration der administrativen Aufgaben in Solingen, 2002 folgt die Gründung der Dachgesellschaft.

Zahlen
Insgesamt sind für die an der Schulstraße in Gräfrath ansässige Unternehmensgruppe 350 Mitarbeiter tätig. An den beiden Produktionsstandorten Erfurt und Lübbecke werden jedes Jahr zusammen rund 6,2 Milliarden Etiketten hergestellt. 61 Prozent des Umsatzes von 88 Millionen Euro in 2007 werden im Packaging-Bereich durch Großkunden erzielt. Mit 56 Prozent liegt der Schwerpunkt bei Pflege- und Reinigungsherstellern. Zu 69 Prozent liegt der Umsatz in der BRD.



In puncto Unternehmensphilosophie setzt der Geschäftsführer etwa über Mitarbeiterfeste und organisierte Kinderbetreuung auf Nachhaltigkeit. Gerade diese werde auch von den Kunden gefordert. Überhaupt sei es für die DIN-zertifizierte Unternehmensgruppe wichtig, kunden- und anwendungsorientiert zu sein: „Die Etiketten sind das Marketing vom Produzenten an den Kunden.“

Das gelte gerade für die rund 120 Großkunden wie Henkel, die über X-label Packaging betreut werden. „Unsere Produkte in diesem Bereich sind dadurch gekennzeichnet, dass sie in sehr vielen Echtfarben gedruckt werden“, erläutert Tim Fiedler. In den letzten Jahren habe man deshalb verschiedene Druckverfahren jeweils so kombiniert, dass nun für das jeweilige Produkt das passende Ergebnis herauskommt. Haftetiketten bilden laut Fiedler mit 90 Prozent immer noch den Großteil des gewünschten Mediums, gefolgt von den so genannten Sleeves, Überziehhüllen, und den Tubenlaminaten.

Produktionsorte in Süd- und Osteuropa kommen als nächstes

Obwohl der Trend zum Lohnabfüller von Eigenmarken gehe, sieht der X-label-Chef auch das Potenzial der großen Markenproduzenten, das über eine Optimierung des gesamten Herstellungsprozesses zu nutzen sei: „Deren Produkte sollen in ganz Europa einheitlich aussehen. Gleichzeitig werden sie immer komplexer. Deshalb liegt unser Fokus auf hochwertiger Veredlung.“ Und dafür plant die Unternehmensgruppe derzeit zu den bestehenden EU-Logistik-Standorten Produktionszweigstellen in Süd- und Osteuropa.