Wirtschaftsraum Solingen 2008



Ohne Sponsor geht wenig

( Von Jürgen König )


Sebastian Hinze, Kapitän des Handball-Zweitligisten BHC, kann mit seinem Team auf die Unterstützung zweier bergischer Großstädte bauen.
Foto: Christian Beier
„Ohne Sponsoren geht im Profi-Sport gar nichts.“ Der das sagt, muss es wissen. Achim Kirschner ist mit seinem Unternehmen Creditreform nicht nur selbst ein großzügiger Geldgeber, sondern als Beiratsmitglied des Bergischen HC quasi der Arbeitgeber von Solingens Zweitliga-Handballern. „Eine Beziehung bis hin zur Liebe muss da sein“, verrät Kirschner die Basis seiner Motivation. Das ist beim Handball der Fall, aber auch in Sachen Korkenziehertrasse – dort engagierte sich der 51-Jährige stark für den Bau der Brücke an der Carl-Ruß-Straße. „Ich bin von der Trasse begeistert“, sagt Achim Kirschner, der für seine Firma keinen direkten Nutzen verbuchen kann. Für ihn geht es um einen Image-Gewinn. Die Bedeutung des Sponsorings im Spitzensport hatte den Solinger auch veranlasst, sich für die bergische Handball-Lösung einzusetzen. Nur in der Klingenstadt sei man an Grenzen gestoßen. „85 Prozent des BHC-Etats sind über Sponsoren gedeckt“, weiß Finanzchef Kirschner, der Rest laufe über Ticket-Verkäufe. Merchandising (Fan-Artikel) oder Catering in den Heimstätten Bayer- und Klingenhalle spielen so gut wie keine Rolle.

„Kurzarbeit und Sponsoring passt nicht wirklich gut.“


Kurt-Reiner Witte, Unternehmer und STC-Vorsitzender Noch krasser sieht es im Profi-Tennis aus, wo der Solinger TC 02 seinen Etat nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga stark nach unten korrigieren wird. Im Oberhaus wurde der Haushalt fast komplett über Sponsoren abgewickelt; Vorsitzender Kurt-Reiner Witte geht mit seiner Firmengruppe (Schneidwaren) als Hauptgönner voran. Lediglich fünf Prozent kamen im Sommer über Eintrittsgelder in die Kasse, der Rest auf der Einnahmen-Seite sei absolut zu vernachlässigen. „Die Entwicklung der Wirtschaft wird es sehr schwer machen, Sponsoren zu akquirieren“, glaubt Witte, dass die Finanzkrise bis zum lokalen Sport durchschlägt. „Auf der einen Seite Kurzarbeit, auf der anderen Sponsoring – das passt nicht wirklich gut“, so Kurt-Reiner Witte.

SPORT-ETATS

BERGISCHER HC

(2. Handball-Bundesliga)
– rund 1 Million Euro (geschätzt)

Solinger TC
(bislang 1. Tennis-Bundesliga)
– 200 000 Euro

1. FC UNION
(Fußball-Niederrheinliga)
– 150 000 Euro

Solingen Alligators
(1. Baseball-Bundesliga)
– 50 000 Euro (Gesamt-Verein)

SG 1868/ALJECHIN
(1. Schach-Bundesliga)
50 000 Euro

EC Bergisch Land
(Eishockey-Regionalliga)
– 40 000 Euro

Auf viele kleine Partner kann sich Fußball-Niederrheinligist 1. FC Union verlassen, der 80 Prozent seines Etats über Sponsoren aufbringt, den Rest unter anderem auch mit Events finanziert. „Die Wirtschaft in Solingen ist sehr zurückhaltend. Es wird noch viel häufiger in die Vergangenheit statt in die Zukunft geblickt“, fehlen dem kommissarischen Vorsitzenden Peter Deutzmann für einen „Union-Zug mit Vollgas die Anschieber“.

Nicht anders stellt sich die Lage im Eishockey dar, wo sich der EC Bergisch Land nach vielen Rückschlägen derzeit bestens aufgestellt sieht. Über persönliche Kontakte kommen Partnerschaften mit den wichtigsten Geldgebern zustande, den großen Rest klappert Peter Mersmann in mühevoller Kleinarbeit ab. „Sonstige Einnahmen sind kaum der Rede wert“, sagt Oliver Saam, Vorstandsmitglied der „Raptors“ mit Schwerpunkt Finanzen.

So dienen die Zuschauergelder bei einem Meisterschaftsspiel der ersten Mannschaft dazu, die Fixkosten für Schiedsrichter, Sanitäter und mehr zu decken. Die Kosten für das Regionalliga-Team stellen etwas mehr als die Hälfte des Gesamt-Etats für den Verein inklusive der riesigen Jugendabteilung dar.

Aus dem Rahmen fallen die Solingen Alligators. Zwar gibt es auch hier drei Groß-Sponsoren – mit denen man bislang gute Gespräche für die Zukunft führte –, aber es ist eher ein Gesamt-Mix zur Deckung des Finanzhaushalts. „Die Haupteinnahme setzt sich aus Eintrittsgeld und Catering zusammen. Wenn bei einem Schnitt von 300 Zuschauern jeder einen Gewinn von 5 Euro hinterlässt, hilft das enorm, unsere Mitgliedsbeiträge gering zu halten“, weiß der Vorsitzende Lutz Träbert zudem viele Gönner „im kleinen Bereich“ hinter sich.

Seit Gründung der 1. Schach-Bundesliga im Jahr 1980 bewegt sich die SG 1868/Aljechin auf Weltklasse-Niveau – stets unter der Regie von Herbert Scheidt. Da die Solinger nur an zwei Wochenenden der Saison Gastgeber sind und keinen Eintritt für die Duelle am Brett erheben, ist schon eine 100-prozentige Deckung durch Sponsoren nötig. Vieles läuft über Scheidt selbst, der insgesamt seit über 40 Jahren die Fäden bei den Denksportlern zieht. „Es ist schwer. Aber wir haben es stets geschafft, unseren in den letzten Jahren konstanten Etat zu decken“, so Scheidt. Ein Etat, mit dem man im unteren Drittel der Elite-Liga liegt, dennoch sportlich weitaus besser da steht.

„Ein Stück Treue zurück an unsere Kunden.“
Sabine Sander, Stadtwerke-Unternehmenskommunikation


Zu den eifrigsten Sponsoren der Klingenstadt zählen die Stadtwerke. „Wir können so unseren Kunden ein Stück ihrer Treue zurückgeben. Wichtig ist, dass die Förderung in Solingen bleibt“, erläutert Sabine Sander von der SWS-Unternehmenskommunikation die Philosophie. 60 Prozent des gesamten fördernden Engagements fallen beim Energieversorger in den Bereich Sport. Die Stadtwerke haben ihre Leistungen unter das Motto „Gemeinsam gewinnen“ gestellt. Breitensport und seltenere Sportarten seien dabei genau- so bedeutsam wie der Spitzensport, wo unter anderem Fußball, Handball, Baseball, Tennis und Eishockey fest abgedeckt sind.