Wirtschaftsraum Solingen 2008



Wenn das heiße Polyethylen rotiert

( Von Wolfgang P. Getta )


Darioush Dehghan steigt auf der Erfolgsleiter nach oben.
Fotos: Christian Beier

Sauberes Wasser ist ein kostbares und auch begrenztes Gut. Man muss es daher viel besser vor Verunreinigungen schützen als bisher. Diese Erkenntnis setzt sich weltweit und vor allem auch in den Staaten des ehemaligen Ostblocks immer mehr durch. Davon profitiert die Aricon Kunststoffwerk GmbH. Sie produziert Behälter aus Polyethylen, die in der Wasseraufbereitung eingesetzt werden. Laut Firmenchef Darioush Dehghan sind seine Gefäße so begehrt, dass der Umsatz des 26-Mann-Betriebs 2007 und auch im laufenden Jahr rasant stieg.

Rohstoff für die Behälter und für Formteile ist der Kunststoff Polyethylen. Seine Eigenschaften beschreibt Brigitte Dehghan, Ehefrau des Inhabers und für die Außendarstellung des Unternehmens zuständig, so: „Es ist lebensmittelecht, weil absolut ungiftig, und zudem chemikalien- und temperaturbeständig.“

Vom Maschinenschlosser zum Firmenchef
Der gebürtige Iraner Darioush Dehghan (55) bildete sich vom Maschinenschlosser über den Techniker zum Diplomingenieur der Fachrichtung Maschinenbau weiter. Berufserfahrung sammelte er unter anderem in der Egon Evertz KG.

Zwei Millionen in den neuen Standort investiert
1993 gründete Darioush Dehghan mit Ehefrau Brigitte die Aricon GmbH. Am bisherigen Standort an der Neptunstraße befindet sich die Verwaltung. Produziert wird seit Juli im neuen Industriegebiet Monhofer Feld. Dort investierte Dehghan rund zwei Millionen Euro.

150 Tonnen Polyethylen, zu feinstem Pulver zermahlen, werden bei Aricon jährlich verarbeitet. Dies geschieht im so genannten Rotations-Schmelzverfahren. Das Pulver wird je nach Produkt in eine der 150 verschiedenen Formen – hergestellt aus Blech oder aus Aluminium – gefüllt. Im Ofen wird die Form 20 Minuten lang auf 250 bis 280 Grad Celsius aufgeheizt und dabei per Teller und Schwenkarm horizontal und vertikal gedreht.

Das schmelzende Kunststoffpulver schmiegt sich an die Innenwand der Form an. Die Menge des Pulvers bestimmt die Wandstärke des Teils. Für weitere 20 Minuten wandert die Form noch in die Kühlkammer. Dort schrumpft das Produkt um drei Prozent: So ist das Entformen ganz leicht. Im Schnitt entstehen zehn Teile pro Stunde.

Auf diese Weise werden beispielsweise 40 verschiedene Dosierbehälter für Chemikalien gefertigt. Sie werden unter anderem in Galvano-Betrieben, in Schwimmbädern, Wasserwerken und Kläranlagen benötigt. Das Fassungsvermögen reicht von 35 bis 1000 Litern.

Rotations-Schmelzanlage ist das Herzstück
Herzstück in der 1300 m² großen Halle ist die 700 000 Euro teure Rotations-Schmelzanlage. Sie produziert nahtlose Hohlkörper mit bis zu 3000 Litern Volumen.

Erfolgreich:
Umsatz steigt rasant an 2007 wuchs der Umsatz um 30 Prozent. In diesem Jahr wird sogar ein höheres Plus realisiert. Gut, dass im Monhofer Feld eine Expansion möglich ist . . .

Zur Produktpalette von Aricon gehören auch 35 verschiedene Sicherheits-Auffangwannen für Chemikalien mit einem Volumen von 15 bis 600 Litern. Wenn im November die neuen Wannen mit einem Auffangvolumen von 1000 Litern hinzukommen, steigt die Zahl auf 43 Typen. „Diese Wannen sind seit Oktober 2007 vom Deutschen Institut für Bautechnik zugelassen. Das Verfahren war sehr aufwändig“, so Brigitte Dehghan.

Penible Dokumentation der Produktionsschritte

Auch Formteile nach Kundenvorgaben stellt Aricon her: etwa Teichfilter, Maschinengehäuse, Ausgleichstanks für Helikopter, Öl-Wasser-Abscheider, Wetterhauben und große, kugelförmige Lampenschirme. Montagemuttern werden bei Bedarf direkt mit eingesintert. Die aus Blech gefertigten Formen liefern italienische Spezialisten, die aus Alu werden aus Holland bezogen.

„All unsere Teile müssen hohe Qualitätsstandards erfüllen“, betont der Chef. Seine Firma ist seit 2000 nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert. Deshalb werden alle Produktionsschritte penibel dokumentiert. Das Ergebnis, so Darioush Dehghan: „Unsere Behälter sind sehr lange einsatzfähig!“