Wirtschaftsraum Solingen 2008



„100 Prozent Made in Solingen“

( Von Fred Lothar Melchior )


Im Hamburger Hafen hat fast jeder Container-Kran eine Tonnenkupplung von Malmedie.
Foto: Werk

Der größte Kunde, ein Hersteller von Container-Kränen, kommt aus China. Wie Abnehmer aus Indien, Korea und Südamerika weiß er, warum seine Aufträge nach Solingen gehen. Denn eigentlich, sagen die beiden Malmedie-Geschäftsführer Katrin Renard und Christof K. Lautwein, „kann man uns fast als konkurrenzlos bezeichnen.“

Die Malmedie Antriebstechnik GmbH aus dem Dycker Feld, deren Exportanteil am Umsatz zurzeit bei etwa 80 Prozent liegt, produziert Zahn-, Tonnen- und Sicherheitskupplungen. Die schwersten wiegen rund 2,8 Tonnen, doppelt so viel wie ein VW Polo. Die kleinste Kupplung kommt auf etwa 5 Kilogramm.

„Wir sind quasi reklamationsfrei.“ Christof Lautwein, Geschäftsführer

„Es sind zum Großteil nicht schaltende, starre Kupplungen“, erläutert Christof Lautwein, und Katrin Renard ergänzt: „Wir sind hauptsächlich ein Sonderfertiger. Wir haben die Nische erwischt, um all das abzufangen, was man bei den Großen nicht bekommt.“ Das Geschäft boomt: Der Umsatz soll von 8 Millionen Euro im letzten Jahr über 14 Millionen in diesem Jahr auf 16 Millionen Euro im kommenden wachsen.

Vom Konzern- zum Familienunternehmen
Im September feierte Malmedie den 135. Geburtstag. Die Geschäftsführer Christof K. Lautwein und Katrin Renard führten Gäste wie Oberbürgermeister Franz Haug, Kunden und Verbandsvertreter durchs Haus. Das ursprünglich in Düsseldorf als Maschinenfabrik gegründete Unternehmen gehörte früher unter anderem zum Rheinmetall-Konzern und war dort wie Kieserling & Albrecht Teil der Jagenberg-Gruppe. Die Sparte Antriebstechnik wurde 1982 herausgelöst und als M.A.T. Malmedie Antriebstechnik GmbH neu gegründet. Elf Jahre später gab man die Fertigungsstätte in Düsseldorf auf und siedelte sich als eine der ersten Firmen im Industriegebiet Dycker Feld an. Malmedie ist seit 2003 im Besitz eines Hildener Ehepaares.

„Das kann man nur machen, wenn man eine hervorragende Mannschaft hat“, betonen die beiden Geschäftsführer. „Das ganze Unternehmen lebt von den Menschen. Da sind wir sehr gut aufgestellt.“ Die Belegschaft wuchs 2008 von 40 auf 50 Köpfe; etwa 60 könnten es in den nächsten drei Jahren werden.

Die Produktionsfläche hinkt deshalb etwas hinterher. Lautwein: „2009/2010 wird investiert, um mehr Platz für die Fertigung und neue Maschinen zu schaffen. Wir haben etwa 2000 m², brauchen aber 2500.“

Auswirkungen der Finanzkrise sieht man erst in etwa zwei Jahren auf sich zukommen. Lautwein: „Wir leben noch von einem Auftragsbestand, der sich hinschiebt.“ Bei vier von fünf Ordern gehe es um neue Kupplungen. Renard: „In den vergangenen Jahren war überwiegend Ersatz gefragt.“

Abnehmer sind neben Firmen der Umschlagtechnik (40 %) die Stahlindustrie sowie die Schwermaschinen- und Anlagenbauer – in Deutschland etwa die SMS-Gruppe. „Für solche Aufgaben brauchen Sie eine sehr gute Konstruktions- und Entwicklungsabteilung sowie eine effiziente Fertigungstechnik und ein hohes Maß an Qualität. Wir sind quasi reklamationsfrei“, freut sich Christof Lautwein.

2008 bestes Jahr für die Antriebstechnik
Schon 2007 brachte ein Rekord- ergebnis für die deutsche Antriebstechnik-Branche: 17,8 Milliarden Euro wurden umgesetzt. In diesem Jahr rechnet der Fachverband Antriebstechnik im VDMA mit einem weiteren Plus von etwa zehn Prozent. Weltweit liegt der deutsche Anteil am Umsatz in der Antriebstechnik bei einem guten Viertel. „Kaum eine andere Branche erreicht im Welthandel eine solche Dominanz“, sagt der Vorsitzende des Fachverbands Robert Schullan (Schaeffler KG, Schweinfurt). 2009 werde sich trotzdem „eher verhalten“ entwickeln

„Wir produzieren zu 100 Prozent in Solingen“, weist Katrin Renard auf die hohe Fertigungstiefe hin. „Bis auf kleinere Arbeiten wie Auswuchten, Lackieren und Wärmebehandlung machen wir alles am Standort.“ Weiterem Wachstum werde man sich nicht entziehen können. Lautwein: „Neue Patente zahlen sich jetzt auf dem Markt aus.“

Mit einem schließt sich der Kreis zu den Container-Kränen: Malmedie bietet ein „leichteres, preisgünstigeres und wartungsfreies“ Schutzsystem an. Es verhindert, dass ein Kran umkippt, sich sozusagen selbst zu Boden zieht, wenn ein Container sich verkantet hat und festsitzt. Die Lösung: ein SOS-Sicherheitssystem statt eines aufwändigen hydraulischen Systems.