( Von Fred Lothar Melchior )
 Rund 4000 m² ist das Grundstück groß, auf dem Bernhard Margos (l.) und Rainer Peter den neuen Firmensitz bauen lassen. Der Investor, die Kadans GmbH aus Aachen, hat eine Option auf weitere 2400 m². Foto: Christian Beier
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Der Traum der SPD hieß „Zukunftstechnologien“: Gerne hätte sie dem Piepersberg einen Themenbebauungsplan verpasst. Die Sozialdemokraten wollten viele IT-Firmen nach Gräfrath locken. Eine Mehrheit im Stadtrat machte im Februar 2001 aber einen Strich durch die Pläne.
„Piepersberg kommt uns sehr entgegen.“ Bernhard Margos, Geschäftsführer
Jetzt wird ein Stück des Traums wahr: Das IT-Systemhaus Bechtle lässt seinen neuen Firmensitz im „Business Park“ bauen – direkt neben der Einfahrt an der Wuppertaler Straße. „Dieses Industriegebiet ist richtig gut gelegen“, sagt Bernhard Margos, der die Geschäfte mit Rainer Peter führt. „Vom Piepersberg aus sind wir in einer halben Stunde am Niederrhein, im Ruhrgebiet oder im Kölner Raum. Innerhalb von fünf Stunden können wir alle wesentlichen Hauptstädte in Westeuropa erreichen.“
Bechtle-Gruppe: mehr als 50 Standorte
Die Bechtle GmbH entstand aus den Firmen DCS (Solingen) und Röth (Wuppertal). Seit dem Jahr 2002 ist das Systemhaus Teil der Bechtle-Gruppe, die an mehr als 50 Stand-orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten ist. 19 davon haben Schulungszentren. In Nordrhein-Westfalen gibt es ein Dutzend Niederlassungen. Sitz der 1983 gegründeten AG ist Neckars-ulm. Im letzten Jahr setzte die Aktiengesellschaft 1,38 Milliarden Euro um. Der Solinger Standort trug dazu mit 21 Millionen Euro bei. In diesem Jahr sollen es mehr als 25 Millionen Euro werden. Zum Umsatz der AG trägt neben den Systemhaus-Dienstleistungen der Direktvertrieb von IT-Handelsprodukten (Hard- und Software) bei.
| Dass Bus und Bahn fast vor der Haustür fahren, ist den Geschäftsführern ebenfalls wichtig: Ein ganzer Flügel des Neubaus, rund 300 m², wird als Schulungszentrum genutzt. „Dort ist alles ebenerdig“, erläutert Margos. „Wir können rund 100 barrierefreie Schulungsplätze anbieten.“
An anderer Stelle geht es dagegen in die Tiefe: 10 bis 15 Erdbohrungen sind nötig, schätzt Margos, damit eine Wärmepumpe rund 60 Kilowatt für Heizung und Kühlung erzeugen kann. „Wir haben unsere Erfahrungen ja schon an der Prinzenstraße gesammelt“, verweist Margos auf den jetzigen Firmensitz: In Ohligs werden die Serverschränke bereits mit Hilfe einer Wärmepumpe klimatisiert.
In Gräfrath rechnet man mit etwa 20 Kilowatt Abwärme durch den Computerbetrieb. Sie werden genutzt, um das Gebäude im Winter zu beheizen. „Green IT ist der Ansatz, bei dem wir mitmachen wollen“, betont der 52-jährige Geschäftsführer und zeigt auf eine Grafik, die das Umweltministerium veröffentlichte: Danach liegen die Stromkosten von Servern und Rechenzentren in Deutschland in diesem Jahr bei 1,1 Milliarden Euro. Geht es so weiter wie bisher, wird für 2013 eine Verdoppelung erwartet. „Green IT“ brächte dagegen eine Reduzierung auf eine knappe Milliarde Euro.
Der Bauherr kommt aus den Niederlanden
Wie ICx Technologies hat sich auch Bechtle einen Bauherren gesucht und ist Mieter. Als Investor tritt die Kadans Real Estate GmbH aus Aachen auf. Hauptgesellschafterin der im letzten Jahr gegründeten GmbH ist das niederländische Unternehmen Kadans Vastgoed BV, das bereits einige Jahre als Projektentwickler tätig ist. Als Referenzobjekte gibt die Kadans GmbH ein Hotel in Karlsruhe und ein Ärztehaus in Rheinbach an.
| „Es geht um den Arbeitsplatz und das Rechenzentrum der Zukunft“, betonen die Geschäftsführer, die sich am Piepersberg gut gerüstet sehen, um verstärkt „Managed Services“ anzubieten. Rainer Peter: „Dass unsere Kunden sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und wir die IT-Systeme für sie betreuen.“ Margos: „Gerade für kleinere Mittelständler wird es immer komplizierter. Eines der kritischsten Systeme überhaupt ist beispielsweise das E-Mail-System. Wir können die gesamte IT-Welt abdecken.“
Bechtle legt seinen Schwerpunkt auf Unternehmen mit bis zu 200 PC-Arbeitsplätzen. Betreut werden sie von zirka 60 Mitarbeitern. Bis 2020 könnten es etwa 150 werden. Peter: „Mit dem Ausbau der Managed Services wird auch die Belegschaft größer.“ Da gute Fachkräfte rar sind, planen Margos und Peter für 2009 eine Ausbildungsinitiative für Wirtschaftsinformatiker: „Mitarbeiter, die Wirtschaft und Informatik verbinden können, werden gefragt bleiben.“ Die Geschäftsführer wollen in den Schulen eine duale Ausbildung vorstellen und auch Langzeitpraktika anbieten.
Baubeginn für den neuen Firmensitz soll noch in diesem Jahr sein. Schon im April will die Bechtle GmbH ihr IT-Forum NRW in der Wuppertaler Stadthalle veranstalten.
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