Wirtschaftsraum Solingen 2008



Dank guter Ideen fest im Sattel

( Von Thomas Kraft )


Ein starkes Team mit dem Auge dafür, was dem Radfahrer weiterhilft: Gerd Kaul (l.) und Edgar Rixen.
Foto: Uli Preuss
Wenn es ums Fahrrad geht, fahren Edgar Rixen und Gerd Kaul ganz vorne mit. Die beiden Solinger sind vielseitig und lassen sich nicht abhängen. Mit ihren Produkten behaupten sie sich auf nahezu jedem Terrain: Am Lenker des Rades, mit dem die Hausfrau zum Supermarkt in der Stadt unterwegs ist, zeigt sich das Firmenlogo ebenso wie an flotten Mountainbikes, die um die Sengbachtalsperre jagen. Selbst in den steilen Rampen hinauf nach L’Alpe d’Huez sind die Namen der beiden Solinger schon an eleganten Rennrädern gesichtet worden. Im Markt für Fahrradzubehör hat sich das Unternehmen Rixen & Kaul seit seiner Gründung vor 25 Jahren eine führende Position erkämpft. Das „Klickfix“-System liefert das Geheimnis dieses Erfolgs.

„Ohne Klickfix ist ein Fahrrad nicht komplett“
Edgar Rixen, Geschäftsführer


Es handelt sich um eine handliche Adaptertechnik für Sattel- und Lenkertaschen, Kartenhalter und Schlösser, Gepäckteile und alles andere, was am Drahtesel zu befestigen ist. Die Artikel sind aus der Fahrradwelt nicht mehr wegzudenken. Gerne erzählt Edgar Rixen (56) von einer Begegnung auf der wichtigsten Fachmesse Eurobike. „Ein Händler sagte zu uns: Der Lenker eines Fahrrads ist heute ohne ,Klickfix’ nicht komplett. Das ist doch ein schönes Kompliment.“

„Klickfix“ hat die Pedaleure von den fummeligen Riemchen und unsicheren Haken befreit, die früher ihre Nerven strapazierten, wenn es ewig dauerte, Gepäckstücke am Rahmen zu befestigen. Kaum ein Zweiradladen zwischen Nordsee und Alpen, der etwas auf sich hält, verzichtet noch auf „Klickfix“.

Aus der Hobby-Werkstatt wurde ein Unternehmen
Als Edgar Rixen und Gerd Kaul vor 25 Jahren begannen, an Fahrrädern herumzutüfteln, war dies kaum mehr als ein Hobby. In einer kleinen Werkstatt, die etwas mehr als 40 m² maß, entwickelten die damaligen Krups-Angestellten nach Feierabend einen handlichen Speichenspanner namens „Spokey“. Das Werkzeug, zunächst nur in ganz kleiner Stückzahl geplant, entwickelte sich bald zum oft kopierten Standardwerkzeug der Profi-Mechaniker. Phasenweise fertigten die Solinger rund 100 000 Stück. Der „Spokey“ brachte den Durchbruch. „Seine Einkünfte haben alle Folgeentwicklungen ermöglicht“, sagt Edgar Rixen. Ende der 80er Jahre waren die beiden Solinger so weit, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. 1990 zog die Firma in die ersten eigenen Betriebsräume am jetzigen Standort. „Dafür haben wir uns damals bis über beide Ohren verschuldet“, erzählt Gerd Kaul. Doch das Risiko zahlte sich aus. Mit der Spezialisierung auf Adaptersysteme für Fahrradzubehör eroberte das Unternehmen den Markt. Zum Jubiläum investierten Rixen & Kaul zwei Millionen Euro in eine neue Produktionshalle. In der alten war es schon lange zu eng geworden. Nun stehen zusätzlich 1200 m² Produktionsfläche sowie 200 m² Büro- und Sozialräume zur Verfügung.

Den ersten Adapter brachten Rixen & Kaul 1989 auf den Markt. Heute bieten sie das weltweit größte Programm dieser Art an. Namhafte Hersteller der Branche wie Deuter, Vaude oder Abus verwenden das System an ihren Produkten, etwa an Taschen oder Schlössern.

Mitte der 90er Jahre begann das 25-Mitarbeiter-Unternehmen eine eigene Taschenlinie aufzubauen. Entwickelt werden die Produkte in Solingen. Ständig kommen neue Modelle dazu – vom Hundekörbchen „Doggy“ über die Laptoptasche bis zum Reisetaschenset.

Die Adaptersysteme entstehen nach wie vor komplett in der Klingenstadt. „Das gilt auch für Verpackungen, Kataloge und Bedienungsanleitungen“, sagt Edgar Rixen. Er kümmert sich um die Produktenwicklung und das Marketing.

Rund 70 Prozent ihres Jahresumsatzes verdanken Rixen & Kaul ihrem Premium-Produkt „Klickfix“. Der Rest entfällt auf weitere Fahrradzubehörteile und Kunststoffprodukte für Industriekunden. Wie die Zahlen im Einzelnen aussehen? Edgar Rixen und Gerd Kaul antworten darauf nur mit einem Lächeln. Die beiden Freunde, die direkt neben der Firma mit ihren Familien Tür an Tür leben, halten es mit Mutters alter Regel, dass man darüber besser nicht spricht.

Der Fahrradmarkt biete auch in Zukunft seine Nischen für die Firma aus Merscheid, glaubt Edgar Rixen. „Viele Produktbereiche sind nicht so groß, dass sich die ganz Großen darauf stürzen. Und weil vieles nicht genormt ist, sind immer neue Lösungen gefragt.“ Genau das Richtige also für kreative Tüftler.

An Ideen mangelt es nicht. Dafür sorgen schon die regelmäßigen Ausfahrten mit dem Rad. Einmal im Jahr machen die beiden Partner mit Freunden sogar eine große Radreise, 2008 in der 30. Auflage. Rixen und Kaul lieben das Surren der Speichen. „Bei den Touren fallen einem immer wieder Dinge auf, die man besser machen kann, wenn irgendwas hakt“, sagt Gerd Kaul. Das passt zu seinem Wahlspruch: Fahrradzubehör entwickele man im Sattel. „Im Gegensatz zu anderen schaue ich nicht, welches Rad jemand fährt, sondern: Welches Zubehör hat er dran.“