Der Mörder von Rudolf Mooshammer wurde überführt. Viele Opfer des Anschlags vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York oder des Tsunamis von 2004 in Thailand und Sri Lanka sind identifiziert. Möglich machten und machen es Analysen von Erbmaterial.
 | Auf dieser Maschine werden jährlich aus vorgefertigten Einzelteilen bis zu fünf Millionen Qiagen-Spinsäulen zusammengesetzt. Sie werden zur Proben-aufbereitung benötigt. Foto: Werk
| Hinter diesen und anderen Erfolgen steckt Know-how der Firma Qiagen. Sie hat seit 1991 ihren Sitz auf dem ehemaligen Bremshey-Gelände in Hilden und ist Weltmarktführer für Proben- und Testverfahren im Bereich der Molekularbiologie.
Das Ziel ist hochreine Nukleinsäure
„Aus jeder biologischen Probe, ob Blut oder Speichel, Haare oder anderes Gewebe, lassen sich DNA und RNA als Träger der Erbinformationen isolieren“, erläutert Przemek Jedrysik. Der 31-jährige Kommunikationswissenschaftler arbeitet bei Qiagen als PR-Manager. Bei dem erwähnten Vorgang werden so genannte Kits eingesetzt, deren Bestandteile das Unternehmen teils unter Reinraumbedingungen herstellt. Sie umfassen „wie eine
| 900 der 2800 Mitarbeiter arbeiten in Hilden | Qiagen war 1984 eine Ausgründung der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. 1986 wurde das erste Kit vorgestellt. Seit 1991 ist Hilden das operative Hauptquartier mit fünf Hektar Nutzfläche. Die Holding sitzt in Venlo. Hauptquartier in den USA sind Germantown und Gaithersburg. In Hilden sind von den weltweit 2800 Mitarbeitern rund 900 tätig – ein Drittel in der Entwicklung. Geforscht wird auch in Hamburg.
| Backmischung“ (Jedrysik) alles, was nötig ist, um die Erbinformation „zu isolieren“: von Plastikröhrchen mit speziellen Filtern über Chemikalien und Pufferflüssigkeiten bis hin zur ausführlichen Anleitung. „Das Ziel ist hochreine Nukleinsäure“, sagt Diplom-Biologe Alexander Vial. Er leitet im Qiagen-Forschungs- und Entwicklungsbereich das Applikationslabor. In ihm werden den Kunden zahlreiche vollautomatische Geräte zur Aufreinigung vorgeführt. Im Namen des EZ1, gesprochen wie englisch easy = leicht, steckt die Firmenphilosophie. Vial: „Wir wollen die Nutzung solcher Technologien so leicht wie möglich machen.“
Das erste Verfahren zur DNA-Extrahierung, 1986 von Qiagen vorgestellt, verkürzte die dafür benötigte Zeit von vorher zwei bis drei Tagen auf nur noch zwei bis drei Stunden. EZ1, als stummer „Star“ in der TV-Serie CSI zu sehen, isoliert binnen 16 Minuten das Erbgut von sechs Proben. QIAsymphony SP, die jüngste Entwicklung, reinigt parallel 96 Proben auf. Und nicht nur das. Vial: „In Zukunft wird das Gerät den kompletten Arbeitsablauf, von der Probe zum Ergebnis, auf einen Knopfdruck abdecken.“ Drei Jahre Arbeit haben Entwickler in Hilden und bei der Schweizer Tochter in QIAsymphony investiert – das größte Entwicklungsprogramm, das die Firma verwirklichte.
Auf den erwähnten Proben basieren molekulare Testverfahren. Den einzigen weltweit zugelassenen Test auf Humane Papillomaviren, die Ursache von Gebärmutterhalskrebs, bietet das Unternehmen an. Für den Nachweis von Vogelgrippe hat Qiagen ebenso einen speziellen Test entwickelt wie für den Nachweis von Tuberkulose oder von HIV-Viren, die Aids auslösen. Ob Aids-Patienten ein bestimmtes Medikament vertragen, beantwortet ein anderer Test. „Mit einem Kit aus unserem Haus wird auch vor einer Transplantation geprüft, ob der Empfänger das Implantat verträgt“, betont Jedrysik. Und der Marburg-Virus, von einer Touristin aus Afrika in die Niederlande eingeschleppt, sei von Qiagen nachgewiesen worden.
| 900 Millionen US-Dollar Jahresumsatz | In 18 Ländern hat Qiagen 35 Standorte. Vetriebsbüros gibt es in über 40 Ländern. Insgesamt hat das Unternehmen weltweit mehr als 400 000 Kunden. Der Umsatz im laufenden Jahr wird rund 900 Millionen US-Dollar betragen.
| Die über 500 Qiagen-Produkte, so der PR-Manager, gehen in vier Märkte. 48 Prozent der Umsätze entfallen auf molekulare Diagnostik, 27 auf die akademische Forschung, 8 auf angewandte Verfahren wie die Gerichts- und die Veterinärmedizin sowie 17 Prozent auf Pharmaunternehmen. Seit Gründung 1984 sind über 1000 Patente auf die Firma eingetragen worden. Kein Wunder, dass die jährliche Wachstumsrate aktuell bei über 30 Prozent liegt.
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