| Wirtschaftsraum Solingen 2008 |
| Austerngabel und Zuckerlöffel
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( Von Karl-Rainer Broch )
 Gesellschafter Peter Schultes.
Fotos: Christian Beier
|  Die renommierte Besteckfirma ist an der Kronprinzenstraße ansässig.
| „Unmögliches wird sofort erledigt.“ Dieser Wahlspruch ist bei der Besteckfirma Picard & Wielpütz keine Floskel, sondern tagtäglich Realität.
Vor allem die Großkunden aus der Gastronomie wollen oft möglichst schnell ihre Ware erhalten. Peter Schultes, geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens, weist dabei auf die Vorteile des neuen Logistikzentrums hin: „Wir haben die Lagerhaltung ausgeweitet und können viel schneller auf Bestellungen reagieren. Manchmal erfolgt der Versand innerhalb eines Tages.“ Das neue Hochregallager erlaubt es, die Ware übersichtlicher aufzubewahren; das bisher externe Lager konnte daher reduziert werden.
Picard & Wielpütz gehört zu den wenigen Solinger Firmen, die ihre Bestecke noch vor Ort produzieren. Auf zwei Standbeinen beruht der
Erfolg des Unternehmens.
Hauptkunden sind Gastronomie-Großhändler, die ihren Bedarf deshalb gerne hier decken, weil ihnen mit der Nachkaufgarantie über Jahrzehnte hinweg erlaubt ist, die Bestände bei Schwund immer wieder zu ergänzen. Peter Schultes: „Das ist für uns wichtig, aber teilweise auch eine Last.“ Zu den klassischen Produkten, die seit Jahrzehnten lieferbar sind, gehören das Spaten-Besteck und die Chippendale-Serie.
Umsatz erstmals
über 10 Millionen Euro
Der Umsatz bei Picard & Wielpütz wird 2008 erstmals über der 10-Millionen-Marke liegen und gegenüber dem Vorjahr deutlich steigen. „Allerdings haben wir bereits vor der Bankenkrise seit April bis Juni eine deutliche Kaufzurückhaltung im Inland bemerkt“, berichtet Peter Schultes, der aber angesichts der großen Investitionen und der breiten Firmenpalette optimistisch in die Zukunft blickt.
Dissertation über die Solinger Heimarbeiter
Gegründet wurde die Besteckfabrik Picard & Wielpütz im Jahr 1927, nachdem der frisch gebackene Volkswirt Dr. Hans Wielpütz seine theoretischen Erfahrungen – eine Dissertation über Solinger Heimarbeiter – in die Praxis umsetzen wollte und zusammen mit Erich Picard eine Firma gründete. Inzwischen befindet sich das Unternehmen in dritter Generation in Familienbesitz und wird vom geschäftsführenden Gesellschafter Peter Schultes und von Geschäftsführer Herbert Groß geleitet.
| Der zweite Kundenkreis resultiert aus etlichen Markenfirmen, die Produkte rund um den gedeckten Tisch anbieten und die dazu passenden Bestecke unter ihrem Namen bei Picard & Wielpütz anfertigen lassen. In Solingen werden nicht nur die Bestecke entwickelt, sondern auch als fertig verpackte Garnitur an Porzellanfirmen und andere Unternehmen aus der Haushaltswarenbranche ausgeliefert.
Imponierend ist die Fülle der angebotenen Artikel. „Von der Austerngabel bis zur Zuckerzange“, formuliert Peter Schultes die Spannweite des Kataloges. Mit Lasergravuren und auch klassischen Sonderprägungen können die Bestecke je nach Kundenwunsch individualisiert werden. Dabei zeichnen sich die 30 angebotenen Modelle von normalen Besteckgarnituren durch die große Anzahl von Spezialteilen aus.
Die werden zwar im normalen Haushalt weniger vorrätig gehalten, müssen aber in der Gastronomie unbedingt verfügbar sein. Dazu gehören zum Beispiel nicht nur die klassischen Teile Messer, Gabel, Löffel, Kuchengabel und Kaffeelöffel, sondern auch Steakmesser, Moccalöffel, Fischgabel und -messer, Butterstreicher, Gemüse- und Sahnelöffel, Salatbestecke, Saucenlöffel und Tortenheber, alles im vorgegebenen Design. Bei Neuentwicklungen arbeitet Picard & Wielpütz mit externen Designern zusammen, greift aber auch auf eigene Entwicklungen zurück, die im Betrieb von den eigenen Graveuren erdacht und umgesetzt werden.
Neubau: Fertigung und Logistik-Zentrum
Durch den Erwerb des ehemaligen Musikschul-Geländes an der Kronprinzenstraße 125 konnten in diesem Jahr die Fertigung und das Logistikzentrum in den 1,5 Millionen Euro teuren Neubau verlagert werden. Der frühere Zugang von der Burgstraße war für Lkw nicht geeignet. Das Grundstück ist jetzt rund 5200 m² groß – bei einer bebauten Fläche von 3600 m².
Neues Besteck für kleine Fluggesellschaften
as neueste Produkt ist das Modell „K-57 Inspiration“ (für Catering und Bordbestecke); es findet Absatz bei kleineren Fluggesellschaften, die keine Plastik-Ware verwenden möchten. Dazu mussten allerdings alle schneidenden Teile abgerundet werden, damit sie nicht als Waffe benutzt werden können.
| Kein Wunder, dass die Solinger Firma fünfmal in Folge zum „Superpartner“ des Fachverbandes Großküchen- und Gastronomieausstatter in Köln ernannt wurde. In die Bewertung flossen nicht nur die Lieferzuverlässigkeit, sondern auch die Qualität ein. Peter Schultes: „Wir gehörten immer zu den ersten drei von 30 Lieferanten und waren bei den Besteckfirmen immer führend.“ Im nächsten Jahr wird die Qualitätssicherung mit einer Zertifizierung ausgebaut. Dazu wird von der elementorientierten auf die prozessorientierte Ausrichtung des Betriebes umgestellt.
Gourmetartikel und Partybestecke ergänzen die Palette
Ein Teil der Produktion wurde nach Fernost verlagert. Früher wurde die Rohware in Süd-Korea hergestellt, jetzt hat sich der Schwerpunkt nach Vietnam und Indonesien, teilweise auch nach China verlagert. Peter Schultes: „Wir lassen dort nach unseren Qualitätsvorgaben produzieren. Veredelt werden die Produkte in Solingen mit dekorativen Vergoldungen oder Versilberungen oder schwarzen Beschichtungen.“ Aber nur die Solinger Ware trägt den Namen der Klingenstadt.
Gourmetartikel und Partybestecke, „die kein Mensch braucht“, ergänzen die Picard & Wielpütz-Palette mit erstaunlichem Erfolg, weil man damit Büfetts stilvoll garnieren kann. Nicht nur kunstvoll zurechtgebogene Partylöffel und -gabeln, sondern auch die Ying-und-Yang-Formen, die man ganz individuell drapieren kann, sind ein Renner im Programm.
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