Wirtschaftsraum Solingen 2008



Was läuft 2009 vom Band?

( Von Klaus Appelt )


Autozulieferer sind eine der tragenden Säulen der Solinger Wirtschaft. Der „gute Stern“ etwa kommt vom Oberflächenspezialisten BIA.
Archivfoto: Beier
Als die IHK vor wenigen Monaten ihre Konjunkturumfrage durchführte, bewerteten zwar nur acht Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage als schlecht, bei einigen Branchen allerdings waren schon die ersten Alarmsignale zu erkennen. Das galt insbesondere für die Verkehrsbranche, die Schneidwaren- und Besteckindustrie sowie die Automobilzulieferer. Der Fahrzeugbau hatte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Umsatzrückgang von 17 Prozent zu verkraften. Die Autokonjunktur war ohnehin durch die hohen Spritpreise, den hohen Euro und die anhaltende Klimadiskussion eingetrübt. Die Zahl der Neuzulassungen ging im September um acht Prozent zurück. Die Finanzkrise hat nun zu einer weiteren Verunsicherung und zu Umsatzeinbrüchen bei den großen Herstellern geführt.

Weiter gefragt: Ingenieure für Elektrotechnik und Maschinenbau

Diese Entwicklung schlägt eins zu eins bei den bergischen Automobilzulieferern durch. Kronprinz in Solingen beispielsweise verkündet die Vier-Tage-Woche, auch andere suchen Rettung in der Reduzierung der Leiharbeit, dem Abbau von Überstunden und der Kurzarbeit. Eine Arbeitsplatzgarantie will zurzeit niemand geben. Gut qualifizierte Fachkräfte müssen sich jedoch weniger Sorgen machen. Der Fachkräftemangel in der Region betrifft vor allem das Segment der hochqualifizierten Mitarbeiter im Bereich Technik, Mechatronik, Automatisierung und Steuerungstechnik. Gefragt sind weiterhin Ingenieure, insbesondere aus den Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau. Denn trotz schwacher Nachfrage und notwendiger Sparmaßnahmen werden die Zulieferer in die Entwicklung neuer Technologien investieren müssen.

STABSBEREICH INNOVATION
DER LEITER

Dipl.-Volkswirt Klaus Appelt führt den Stabsbereich Innovation und Umwelt (Raumordnung - Industrie - Technologie) bei der IHK Wuppertal- Solingen-Remscheid.

DIE AUFGABE
Die Abteilung bietet den bergischen Industrieunternehmen Technologie-, Umwelt- und Standortberatung an. Außerdem gehören die Bereiche Wissenstransfers sowie Raumordnung und Bauleitplanung zu ihren Aufgaben.

Die Herausforderungen sind immens. Es ist abzusehen, dass die Branche mit den herkömmlichen Technologien in einer Sackgasse landet. Mit Hybridantrieben, modernen Motoren und Filtertechnik sowie Leichtbau ohne Sicherheits- und Komforteinbußen muss die Automobilindustrie mit neuen Fahrzeugkonzepten Antworten auf die drängenden Klimaschutzfragen geben.

Aber es gibt auch Hoffnungsschimmer am dunkel gefärbten Himmel der Automobilkonjunktur. Der jetzt fallende Euro und die damit steigenden Exportchancen in den Dollarraum sowie der zurzeit relativ niedrige Ölpreis lassen auf bessere Zeiten hoffen. Hinzu kommt die nach wie vor große Nachfrage nach individueller Mobilität in Ländern wie China oder Indien. Diese Faktoren verschaffen Erleichterung, bedeuten aber keine Änderung der derzeitigen negativen Entwicklung.

„Geschäftsstrategien überdenken, Know-how schaffen“

Die jetzige Autokrise wird dazu führen, dass sich die Konzentration in der Branche beschleunigt und die Zahl der Zulieferer drastisch sinkt. Unternehmen, die die Krise überstehen, werden jedoch gestärkt daraus hervorgehen. Um zu überleben, müssen die Betriebe ihre Geschäftsstrategien überdenken. Kostensenkung allein wird zukünftig nicht mehr ausreichen.

Es muss vielmehr darum gehen, sich den Automobilherstellern als qualifizierter Partner für Problemlösungen und nicht als Hersteller von Massenware anzubieten. Systemlösungen und technologisches Know-how schaffen die Möglichkeit, sich dem Preisdruck zu entziehen und so eine ausreichende Gewinnspanne zu erzielen.

Hinzukommen muss die Fähigkeit zu schnelleren Entwicklungszeiten, besserem Kundenmanagement und reibungsloserer Vertragserfüllung. Ständige Innovationen und optimierte Prozesse können so zu einer Überlebensstrategie für die bergischen Automobilzulieferer werden.